Slalom in Kitzbühel Neureuthers Lehrjahr

Hält der Rücken? Felix Neureuther beim Slalom-Rennen am vergangenen Sonntag in Wengen.

(Foto: Ruben Sprich/Reuters)

Felix Neureuther geht angeschlagen in die bedeutenden Rennen der Saison. Aber der Slalom-Spezialist hat ohnehin beschlossen, dass die kommenden zwei Winter wichtiger sind als dieser.

Am Freitag stand der Patient wieder auf Skiern. Doch in den Tagen zuvor hatte Felix Neureuther nicht sonderlich gut ausgesehen. Glasige Augen, Nase verstopft, nasale Stimme. Seit Dienstag sei er "ein bisschen angeschlagen" gewesen, berichtet der 31-Jährige, "ich habe das Bett gehütet", eine Erkältung. Der Zeitpunkt sei "ein bisschen doof", weiß er, am Sonntag fahren sie in Kitzbühel den nächsten Slalom aus, am Dienstag dann Schladming, am kommenden Wochenende das Heimrennen in Garmisch. "Wenn der Rücken mal nicht weh tut", sagt Neureuther, er grinst kurz, "dann wird man halt krank."

Der Rücken. Seit Jahren ärgert sich Neureuther mit Rücken und Bandscheiben herum; vergangenes Frühjahr hatte er sich sogar mit dem Gedanken an das Ende der Karriere beschäftigen müssen. Es kam dann doch nicht so weit. Aber Neureuther sah ein, dass er seinen Alltag umstellen musste, dass er die Schmerzen nicht länger mit Spritzen oder Schmerzmitteln dämmen konnte. "Ich probiere, den Körper so weit zu stabilisieren, dass es für die nächsten zwei Jahre passt", sagt er. Sprich: bis zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea.

Neureuther bewirbt sich in diesem Winter weiter um vordere Plätze, das schon, in Val d'Isère kletterte er zuletzt ja auch zwei Mal aufs Podest. Vor allem aber sei dieser Winter ein "Lehrjahr", wie er in diesen Tagen immer wieder betont. Sie haben wegen des Rückens das Training umgestellt, nun versuchen Neureuther und seine Betreuer bei laufendem Betrieb herauszufinden, was gut ist für ihn und was nicht, welche Bewegungen gut sind und welche nicht.

Neureuther trainiert weniger als der Lehrplan es vorsieht

Und vor allem: Ob der Rücken hält. "Es ist ein Jahr, in dem man Dinge ausprobieren und lernen kann", sagt Neureuther. Das verlangt nach Kompromissen. Neureuther hat schon vor der Saison zu wenig trainiert, er trainiert auch jetzt weniger, als der Lehrplan es vorsieht. Er testet weniger mit Skiern, tüftelt weniger an der Abstimmung, auch die Bewegungsabläufe auf Skiern sind nicht derart automatisiert wie im vergangenen Winter. Dafür, dass viele Dinge "nicht automatisch passieren", findet Neureuther, hat er bislang eine passable Saison hinter sich gebracht. Am vergangenen Sonntag in Wengen verpasste er sein drittes Podest nur knapp. "Bei der Vorgeschichte ist das echt okay"; sagt Neureuther.

Bleibt die Frage, wie sehr diese Vorgeschichte aus dem Sommer den Fahrplan für die kommenden zwei Jahre beeinträchtigt

"Ich glaube", sagt Neureuther, "dass ich noch viel rausholen kann aus meinem Körper", ohne Schmerzmittel und dergleichen. Er befindet sich gerade auf einem Weg, von dem er noch nicht so recht weiß, wohin er ihn führen wird. "Wir sind schon ein Stück stehengeblieben", gesteht er. Andere sind vorbeigezogen, Henrik Kristoffersen zum Beispiel, der 21 Jahre alte Norweger, Sieger von vier der fünf Saisonslaloms. Aber auch daraus zieht Neureuther etwas Gutes für sein Lehrjahr: "Er bringt viel Neues mit." Ach davon kann man lernen.