Slalom bei der Ski-WM "Wir werden uns einen Fight liefern"

Unter dem Jubel von 40.000 Zuschauern in Schladming gelingt dem Favoriten Marcel Hirscher aus Österreich im ersten Durchgang des WM-Slaloms die schnellste Zeit. Doch Felix Neureuther liegt nur knapp zurück. Auch Fritz Dopfer fährt am Nachmittag um eine Medaille.

Von Thomas Hummel

Dieser letzte Tag soll endlich der Tag der Österreicher werden. In Schladming und vor dem Staatssender ORF 1 musste man das Gefühl haben, dieser 17. Februar 2013 ist der natürliche Nationalfeiertag. 40.000 Zuschauer drängelten sich bereits am frühen Morgen Richtung Skistadion - das ist fast die zehnfache Menge an Menschen als der Ort Schladming Einwohner hat. Lange vor dem Start sagte Marcel Hirscher: "So viele Leute sind schon da, hoffentlich können wir eine gute Leistung zeigen."

Marcel Hirscher. Ein Land hofft auf einen Skifahrer - so konnte man die Stimmung vor diesem ersten Durchgang des WM-Slaloms zuspitzen. Hirscher hatte in dieser Saison schon vier Weltcup-Slaloms gewonnen, er ist der große Favorit dieser WM. Und der 23-Jährige, nur gut 40 Kilometer vom WM-Hang in Annaberg aufgewachsen, erfüllte die Erwartungen seiner gut acht Millionen Landsleute. "Ich glaube, der erste Durchgang war sehr locker, es war eine feine Klinge, wie man so sagt", kommentierte Hirscher seinen Lauf. Vor der Entscheidung am Nachmittag ist die erste Goldmedaille in einem Einzelrennen für Österreich aber keineswegs sicher. Denn knapp hinter Hirscher folgt sein großer Konkurrent: Felix Neureuther.

Der 28-Jährigte aus Partenkirchen hatte zwar bei der ersten Zwischenzeit bereits ein paar Zehntel Rückstand auf Hirscher, doch unten waren es dann nur noch 28 Hundertstel Sekunden. Und Platz zwei für Neureuther. "Für die Zuschauer kann die Situation nicht schöner sein, wir werden uns einen Fight liefern", kündigte er für den zweiten Lauf an.

Auf Rang drei liegt der zweifache Weltmeister Mario Matt (+56 Hundertstel), zweite Hoffnung der Österreicher. Es folgen Manfred Moelgg aus Italien (+65 Hundertstel) und mit Fritz Dopfer (+66 Hundertstel) bereits der zweite Deutsche. Auch der Fünftplatzierte Dopfer wird im zweiten Durchgang (13.30 Uhr, Liveticker bei SZ.de) noch um die Medaillen mitfahren.

"Ich bin recht schwierig reingekommen und habe oben viel verloren. Das ärgert mich extrem. Aber unten hab ich nicht mehr viel draufbekommen und das stimmt mich positiv für den zweiten Lauf", sagte Dopfer. Da die ersten neun Fahrer bis zu Ivica Kostelic innerhalb von einer Sekunde liegen, kann das Klassement noch ordentlich durcheinander geraten.

Es war wärmer geworden im Ennstal in der Steiermark, weshalb auch die Piste nicht mehr ganz so eisig war wie in den vergangenen Tagen. "Durch die Wärme ist der Schnee relativ schwierig zu fahren, es ist langsamer und man muss viel arbeiten", erklärte Neureuther.

Beiden Führenden waren in diesem ersten Durchgang ihre gesundheitlichen Probleme nicht mehr anzumerken. Neureuther war ja im Parallelslalom im Teamwettbewerb von einem gestürzten Kroaten regelrecht abgeräumt worden, hatte sich aber nur Prellungen zugezogen. Hirscher hatte nach einem Trainingssturz noch am Freitag beim Riesenslalom über Schmerzen im Lendenwirbel geklagt, aber dennoch Silber gewonnen hinter Ted Ligety. Der Amerikaner hätte im Slalom sein viertes Gold bei dieser WM gewinnen können, schied aber bereits nach wenigen Toren aus.