Slalom bei der Ski-WM Felix Neureuther ist selig, Österreich im Rausch

"Das war das anstrengendste, was ich im Leben gemacht hab, aber auch das schönste": In einem fulminanten und extrem spannenden Finale des WM-Slaloms in Schladming gewinnt Felix Neureuther mit Silber seine erste Medaille. Geschlagen wird er nur von Marcel Hirscher, dem neuen Helden Österreichs.

Von Thomas Hummel

Felix Neureuther machte sich gar nicht die Mühe in die sogenannte Leadersbox des aktuell Führenden sich vor die Wand mit den Sponsoren-Bildern zu stellen. Er lehnte im Zielraum des gigantischen WM-Stadions von Schladming gegen seine Ski, er lächelte selig den Hang hinauf und wartete auf seinen größten, seinen letzten Konkurrenten im Rennen um den Titel des Ski-Weltmeisters im Slalom. Felix Neureuther konnte in diesem Moment nichts mehr verlieren, er hatte schon (fast) alles gewonnen.

Als Zweitbester des ersten Laufs war er am frühen Nachmittag ins Rennen gegangen. Vor ihm hatte der Österreicher Mario Matt den Berg Planai erstmals bedenklich ins Wackeln gebracht, als er mit guter Bestzeit ins Ziel gekommen war, schrien die 40.000 Zuschauer als müsste die ganze Welt hören, dass nun ein Österreicher führt. Felix Neureuther kam als Nächster und der 28-Jährige aus Partenkirchen schaffte es, einen fast fehlerfreien Lauf hinunterzubringen. Als er unten mit Vorsprung ins Ziel kam, ging er noch auf Ski in die Knie und schrie in diesem Moment lauter als all die Zuschauer. Silber war ihm sicher.

Felix Neureuther und die Österreicher warteten nun nur noch auf Marcel Hirscher. Der 23-Jährige verlor im oberen Drittel der Fahrt ein wenig Zeit auf Neureuther, doch im epochalen Lärm der Zuschauer gelang ihm ein akrobatischer und schneller Zielhang - Hirscher gewann Gold und lief anschließend mit den Skistöcken in der Hand wie von Sinnen durch den Zielraum. Es war das erhoffte, ersehnte und erwartete erste Einzelgold der Skination bei ihrer Heim-WM. Neureuther jubelte über Silber, Mario Matt gewann Bronze. Fritz Dopfer fiel nach Platz fünf im ersten Lauf noch auf Platz sieben zurück.

"Es war echt alles nicht so einfach. Es war ein enormer Druck da, es hat immer geheißen, der Neureuther packts nicht bei Großereignissen. Das war das anstrengendste, was ich bis jetzt im Leben gemacht hab, aber auch das schönste", erklärte ein immer noch seliger Neureuther im ZDF. Er erzählte, dass die Slalomfahrer oben im Starthaus den Trubel unten im Ziel hörten: "Ich hab mich gezwungen dazu, locker zu bleiben. Es sind immer Gedanken aufgekommen von meinen Fehlern in der Vergangenheit, die wollte ich diesmal unbedingt verhindern."

"Ich bin ein Kämpfer"

Während seines Laufs habe er nicht das beste Gefühl gehabt. Doch als er mitbekam, dass die Österreicher an der Strecke leise waren, wusste er, dass er gut unterwegs sein musste. Als er dann noch auf seine Eltern, die ehemaligen Skifahrer Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, angesprochen wurde, da stiegen dem 28-Jährigen die Tränen in die Augen. "Jetzt kommen die Emotionen hoch. Ich bin ein Kämpfer. Aber dass das heute geklappt hat, da haben viele Leute einen Anteil daran."

Auch Wolfgang Maier, der kantige Sportdirektor des Deutschen Skiverbands, schien feuchte Augen zu haben. "Für uns ist es ein extremes Erlebnis, es war ein Mega-spannendes Rennen", beschrieb er die Stimmung, "ich bin extrem glücklich darüber, dass der Felix sein Können mal auf den Punkt gebracht hat." Neureuther holte die vierte Medaille bei dieser Ski-WM für den DSV und die erste Einzelmedaille für die deutschen Männer seit 2001.

Der Slalom der Männer, er war seit Tagen als großer Höhepunkt angekündigt worden. Vor allem als emotionaler Höhepunkt, weil mit Marcel Hirscher ein Österreicher der große Favorit war. Sowohl Neureuther wie auch Maier zollten Respekt vor Hirscher, auf dem ein riesiger Druck lastete, dieses Rennen zu gewinnen und sein Heimatland glücklich zu machen. Wie man das aushält? "Indem man sich denkt, es ist nur ein Spiel. Es gibt Wichtigeres im Leben als hier Erster zu werden. Das ist nicht ganz so leicht, sich das einzureden, aber es war eine Möglichkeit, um das hier zu schaffen", erklärte Hirscher nach dem Rennen.

Für Stefan Luitz war dieser WM-Slalom ein Fortbildungstag, die Fahrten des dritten Deutschen reichten bei weitem nicht aus, um mit den Besten mitzuhalten, er landete auf Rang 21. "Es ist noch nicht auf der letzten Rille, es gibt noch viel Arbeit im Slalom", sagte er. Doch auch für ihn galt: Die Atmosphäre an der Planei war einzigartig: "Die Kulisse hier ist einfach Wahnsinn, man fährt in den Steilhang und hört schon die Leute jubeln."