Skispringen Punktlandung bei 149 Metern

In Willingen nicht zu schlagen: Die deutschen Springer Freund, Wellinger, Wank und Freitag (v.l.n.r.) freuen sich über ihren Sieg.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Die deutsche Equipe um Severin Freund setzt beim Teamspringen in Willingen ein Ausrufezeichen - und gewinnt knapp vor Norwegen. Freunds Dauerrivale Prevc landet schon nach 124 Metern.

Von Patrick Reichardt, München/Willingen

Nach einem weiteren fabelhaften Sprung riss Severin Freund die Faust nach oben und verteilte großzügig Küsschen in die Fernsehkamera. Sein Satz auf 149 Meter bedeutete nicht nur die klare Bestweite des Tages, sondern rettete dem deutschen Team den Tagessieg nach nur einem Wertungsdurchgang beim Mannschaftsspringen in Willingen - mit einem Vorsprung von gerade einmal 0,6 Punkten vor Norwegen. "Das ist eine coole Geschichte. Für Sevi war es super, mal so einen richtig weiten Sprung zu machen. Dieser Sprung gibt ihm sehr, sehr viel", sagte Bundestrainer Werner Schuster strahlend. Schuster hatte Andreas Wank, Andreas Wellinger, Richard Freitag und Freund nominiert. Nach dem Sieg in Klingenthal im November ging auch der zweite Teamwettbewerb der Saison an seine Mannschaft.

Als Freund bei der imponierenden Weite gelandet war - unter anderem 25 Meter weiter als sein Dauerrivale Peter Prevc -, ahnte er noch nicht, dass dies den Sieg bedeuten würde. Erst als der Nebel und der Wind in der Pause zwischen den Durchgängen zunahmen, entschied sich die Jury, den Wettbewerb abzubrechen. "Ich wollte die 150 knacken, aber es hat nicht ganz geklappt", scherzte ein gutgelaunter Freund. Nur ein halber Meter weniger beim DSV-Schlussspringer, und es hätte für Norwegen zum Sieg gereicht. "Das ist mein erster Teamsieg hier in Willingen, das ist sehr cool vor diesem Publikum", bekräftigte der Tournee-Zweite, der eine "super Mannschaft" lobte.

Gelungene Generalprobe für die Skiflug-WM

Der Wettbewerb in einmal mehr beeindruckender Kulisse von 16000 Zuschauern war die Generalprobe für die Skiflug-WM am Kulm (14. bis 17. Januar). Bei diesem Wettbewerb, der im Zwei-Jahres-Rhythmus wechselweise auf den fünf funktionstüchtigen Skiflugschanzen der Welt ausgetragen wird, gewann mal Norwegen, mal Österreich, mal Norwegen und dann wieder Österreich. In der Geschichte noch nie Gold gewann aber: Deutschland. Ein Bronzeplatz am Kulm 2006 und Silber vor vier Jahren in Vikersund sind die gesamte Ausbeute der DSV-Adler. Nun wollen Freund, selbst immerhin Skiflug-Titelverteidiger im Einzel, und seine Kollegen dies ändern. "Wir wollen die Chance nutzen, um Richtung Skiflug-WM zu kommen. Dann geht es wieder bei null los", sagte Schuster in Willingen. Die Teamkonkurrenz findet am Sonntag statt und bildet bei der WM traditionell den Abschluss der viertägigen Veranstaltung.

Obwohl das Springen im Hochsauerland zwischen zwei Großveranstaltungen zeitlich ungünstig liegt, verzichtete der 27 Jahre alte Freund nicht auf eine Teilnahme mit seinen drei DSV-Kollegen. Er hatte sich bei einem Trainingssprung in Innsbruck vor knapp einer Woche verletzt, doch an eine Schonung dachte Bundestrainer Werner Schuster gar nicht. "Das ist keine Option", hatte er schnell klargestellt und noch einmal auf Freunds besondere Stärke auf dieser Schanze verwiesen: "Das ist eine seiner Lieblingsschanzen." Zweimal hat der Top-Athlet von der WSV DJK Rastbüchl auf der Mühlenkopfschanze bereits gewonnen, seine Ambitionen auf einen dritten Erfolg sind angesichts seines Satzes bei der Teamkonkurrenz noch einmal gestiegen.

Dauerrivale Prevc landet bei nur 124 Metern

Nicht in der Teambesetzung an diesem Samstag befand sich der aufstrebende Lokalmatador Stephan Leyhe. Der gebürtige Willinger, seit dieser Woche 24 Jahre alt, ist dennoch einer, auf den Schuster am Kulm zählt. "Er muss uns bei der Skiflug-WM helfen", sagte der Bundestrainer über Leyhe. Das Einzelspringen am Sonntag (15.45 Uhr) in Willingen ist vor dem nächsten Großereignis die letzte Chance, sich noch einmal zu empfehlen und innerhalb des Teams in Stellung zu bringen.

Für Freund ist es auch das nächste Aufeinandertreffen mit dem Dauerrivalen aus Slowenien. "Peter Prevc hat einen Fehler gemacht, auch er ist nur ein Mensch", kommentierte Schuster dessen Sprung am Samstag. Prevc war tatsächlich nicht über 124 Meter hinaus gekommen, seine Slowenen wurden am Ende hinter Österreich Vierter.