Von Thomas Hahn

Erstes Weltcupspringen in Kuusamo, Finnland: Nach Diskussionen und geringen Korrekturen hoffen die Skispringer in der neuen Saison auf ausgeglichenere Duelle mit dem Wind.

Michael Uhrmann betrachtet die jüngsten Entwicklungen aus der Perspektive des Rückkehrers, und deshalb dankt er jetzt allen Skisprung-Göttern, dass sie seinen Sport im Sommer einigermaßen verschont haben. Wer erinnerte sich nicht an seine Geschichte, die vergangenen Februar der Ski-Nordisch- WM in Sapporo vorausging wie ein trauriger Prolog: angereist mit größten Hoffnungen nach einer Serie stattlicher Weltcup-Leistungen für den Deutschen Skiverband, beim Training gestürzt im Neuschnee von Okurayama und mit Mittelfußbruch in die Heimat zurückgeflogen, noch ehe das Großereignis richtig begonnen hatte. Monate in Krankenstand und Rehabilitation hat Uhrmann seitdem hinter sich gebracht, ehe er im Herbst ins Sprungtraining einsteigen konnte. Und bei so viel Rückstand hätte er es nicht gebrauchen können, umfassende Materialreformen bearbeiten zu müssen. Die Skimaße sind gleich geblieben, seine neuen Anzüge sind auch fast wie die alten - so kann er schon beim Weltcup-Auftakt in Kuusamo am Freitag mitspringen. Michael Uhrmann sagt: "Die Chance hätte ich nicht gehabt, wenn weitreichende Veränderungen gekommen wären."

Freiluftsport Skispringen - daran wird sich zumindest nichts ändern (© Foto: dpa)

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Was für den einzelnen gut ist, muss allerdings nicht gleich für den ganzen Sport gut sein. Jedenfalls ist noch in frischer Erinnerung, wie Norwegens finnischer Nationaltrainer Mika Kojonkoski in Sapporo am Fuße der WM-Schanze stand und für sich die Schlüsse aus einer Saison voller windverblasener Wettkämpfe zog: "Die Regeln, die verändert wurden, haben uns windanfälliger gemacht. Die Entwicklung muss umgedreht werden." Seine These: Seit der Weltskiverband Fis den Skispringern engere Anzüge verpasst hat, um die athletische Komponente der Weitenjagd zu betonen, ist das Skispringen mehr denn je zu einem Spielball des Wetters geworden. Die Fluggeschwindigkeit der Springer ist gestiegen, weshalb sich die Windkräfte stärker auswirken, und weil zudem die Leistungsdichte - wie gewünscht - größer geworden ist, macht der Wind eben auch leichter den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus. Das Skisprungproblem ist demnach nicht nur ein meteorologisches, sondern vor allem ein physikalisches. Kojonkoski gilt als progressiver Denker der Szene und er glaubt für viele Trainer und Springer zu sprechen, wenn er dafür plädiert, die Anzüge wieder weiter zu schneidern, um den Luftwiderstand des Materials zu erhöhen. "Das ist ein Gefühl", sagt er.

Das Wind-Problem beschäftigt alle, die mit Skispringen zu tun haben. Und das hat nicht nur mit dem heftigen Sturz zu tun, den der junge Jan Mazoch früh im Jahr in Zakopane hatte; der Tscheche fiel in ein Windloch, lag tagelang im Koma, ist mittlerweile aber wieder so weit hergestellt, dass er sich im zweitklassigen Continental-Cup für höhere Aufgaben empfehlen kann. Dass Erfolg und Misserfolg in der vergangenen Weltcup-Saison oft eine Frage von Böe oder nicht Böe war, ist nicht zu verbergen gewesen. Wer vom Skispringen lebt, fürchtet schlicht um die Position der Disziplin auf dem weiten Sportmarkt. Ihre Popularität steht auf dem Spiel, wenn der Wind die Weltelite wie im Casino durcheinanderwürfelt.

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