Skisport Gefährliche Abfahrt

"Fitter als in den vergangenen Jahren": Skifahrer in St. Anton.

Die Piste war flach, beide Männer trugen Helme: Der tödliche Unfall am Feldberg im Schwarzwald zeigt, wie risikoreich Skifahren trotz Sicherheitsmaßnahmen sein kann.

Von Carolin Gasteiger

Wie es genau zu dem schweren Unfall kommen konnte, kann am Montagvormittag noch niemand erklären. Zwei junge Männer, 29 und 30 Jahre alt, sind beim Skifahren auf dem Feldberg im Schwarzwald zusammengeprallt und gestorben. Das Unglück weckt Erinnerungen. An Michael Schumacher, der sich vor gut zwei Jahren beim Skifahren lebensgefährlich verletzte. An den thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, der im Januar 2009 auf der Piste mit einer Frau zusammenstieß, die an den Folgen des Zusammenpralls starb - oder an den holländischen Prinz Friso, der nach seinem schweren Skiunfall nicht mehr aus dem Koma aufgewacht war.

Alle Fälle zeigen: Skifahren ist eine Risikosportart, auch wenn die Zahl der verletzten Skifahrer weiter sinkt. In der vergangenen Skisaison wurden einer Statistik der Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) zufolge 38.000 bis 39.000 Deutsche nach einem Skiunfall ärztlich behandelt. Anders als in den Jahren zuvor hat sich dabei die Zahl der Kopfverletzungen leicht erhöht. Knieverletzungen kamen etwas seltener vor. Insgesamt sind die Zahlen rückläufig: Seit Beginn der ASU-Statistiken 1979/80 um 62 Prozentpunkte. Allerdings merkt Andreas König, Sicherheitsexperte des Deutschen Skiverbands, an: "Wenn was passiert, ist es meistens was Schlimmeres."

Was macht den Wintersport gefährlich? Die größten Risiken im Überblick:

Selbstüberschätzung

Auf ganzes Risiko

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Vor dem Unfall am Feldberg herrschten gutes Wetter und freie Sicht. Die beiden Skifahrer kollidierten auf einem ziemlich flachen Stück. Die Bergwacht sprach von einem Anfängerhang. Dass sich die beiden Fahrer trotzdem tödlich verletzt haben, könnte darauf hindeuten, dass sie mit hohem Tempo unterwegs waren. Das würde auch ins Bild der häufigsten Unfallursachen passen.

Bei vielen Unfällen spielt Selbstüberschätzung eine Rolle. Immer wieder heißt es, dass ein Helm zu riskanterem Fahren verleite. Innsbrucker Forscher konnten dies jedoch widerlegen: "Das Argument, dass der Helmgebrauch ein falsches Sicherheitsgefühl gibt und die Risikobereitschaft erhöht, konnte in einer neuen Studie (...) nicht bestätigt werden. Vielmehr scheint es, als ob vor allem gute Skifahrer den Helm benützen", zitiert der österreichische Standard aus ihren Ergebnissen. Der Unfall am Feldberg zeigt einmal mehr, dass auch ein Helm nicht komplett vor schweren Verletzungen schützt.

Es kann auch die immer ausgefeiltere Ausrüstung sein - frisch präparierte Carving-Ski mit scharfen Kanten - die dazu verleitet, die eigenen Grenzen zu ignorieren.

Besonders Anfänger neigen dazu, sich zu viel zuzutrauen. Wer vorausschauend fährt, darf sich auf die Piste trauen. Wer dagegen trotz mangelnden Fahrkönnens mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist, macht die Situation gefährlich - für alle. Null Kontrolle, rudernde Arme und schlackernde Beine gefährden nicht nur den Skifahrer selbst, sondern auch die anderen auf der Piste.

In jedem Fall sollten Skifahrer ihre Geschwindigkeit dem Fahrkönnen anpassen und nur so schnell unterwegs sein, dass sie im Ernstfall noch gut reagieren können. DSV-Sicherheitsexperte König zufolge passieren die meisten Unfälle "aus Eigenverschulden". Wenn Skifahrer unaufmerksam auf der Piste unterwegs sind, begehen sie Fahrfehler und stürzen. Besonders am Nachmittag, wenn Konzentration, Ausdauer und Reaktionsfähigkeit nachlassen, kann das zu Unfällen führen.

Außerdem sollten Skifahrer die international geltenden FIS-Regeln befolgen. Dazu zählt unter anderem, Abstand zu halten, nach oben zu schauen, bevor man in eine Piste einfährt und nur am Pistenrand stehenzubleiben.