Jessica Hilzinger Skifahrerin aus Liechtenstein fährt jetzt für Deutschland

Ist eine Slalom-Spezialistin und fährt zukünftig für den DSV: Jessica Hilzinger

(Foto: Gepa/imago)
  • Skifahrerin Jessica Hilzinger gibt in Aspen ihr Weltcup-Debüt im Slalom für den DSV.
  • Bisher fuhr die 18-Jährige für Liechtenstein.
  • Hilzinger gilt als Rohdiamant.
Von Gerald Kleffmann

Ihre Kilometer auf den Landstraßen, Autobahnen und in Flugzeugen hat sie nicht gezählt, aber Jessica Hilzinger ist viel herumgekommen in den vergangenen Monaten, das weiß sie ohnehin. "Mir macht das nichts aus", sagt die Schülerin des Internats Oberstdorf und lacht am anderen Ende der Telefonleitung. Gerade hat sie ihr Weg in die USA geführt, in Vail war sie, zum Training, nun ist sie in Aspen, die 18-Jährige sieht einer ehrenwerten Aufgabe entgegen: Am Wochenende wird sie ihre ersten Weltcup-Slaloms mit dem Leibchen des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) bestreiten, im Mai hatte sie sich von Liechtenstein, der Heimat ihrer Mutter, losgesagt und sich der Heimat ihrer Vaters angeschlossen. "Bis jetzt ist alles super, ich wurde herzlich aufgenommen", sagt sie.

Endlich ist Miriam Gössner eine normale Biathletin

Sie wurde als Strahlemädchen bekannt und vergoss nach einer Verletzung viele Tränen. Jetzt geht Gössner mit starker Form in die Biathlon-Saison. Von Volker Kreisl mehr ... Porträt

Verwunderlich ist das nicht, zum einen gilt Hilzinger, die auf Europacup-Ebene diverse Siege einfuhr, als vielversprechendes Talent, sie sei "ein Rohdiamant", so wurde sie von Sportdirektor Wolfgang Maier vorgestellt. Zum anderen trägt ihr Charakter jene Züge, die bei den Alpin-Verantwortlichen gerne gesehen werden: Umgänglich, aber keineswegs unterwürfig ist Hilzinger, locker, aber auch ehrgeizig und zielstrebig. Vor allem diese Eigenschaften hatte sie unter Beweis gestellt, als sie den Verbandswechsel wagte.

Reibungslos war dieser nicht verlaufen, in Liechtenstein wollte man sie behalten, und vielleicht wäre es so gekommen, wenn sich aus Sicht Hilzingers manches anders entwickelt hätte. "Man hatte mir gesagt, dass man für mich ein professionelleres Umfeld schaffen wird", erzählt sie, "aber vieles klappte nicht, wie gesagt wurde." Der Liechtensteinische Verband hatte ihr eine Kooperation mit dem Schweizer Verband angetragen. Das lehnte Hilzinger ab, die sich mehr Chancen beim DSV erhofft. Auch deshalb wechselte sie 2014 vom Sportgymnasium Dornbirn nach Oberstdorf. Der Zeitpunkt ihres Wechsels ist tatsächlich günstig.

Nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch fehlt im DSV-Slalom-Team eine konstant gute Fahrerin, eine gar, die für Siege in Frage kommt. Positiv betrachtet heißt das aber auch, dass die interne Hierarchie flach ist und mehr Chancengleichheit in der Betreuung und Vorbereitung herrscht, und diesen Standortvorteil will sich Hilzinger, die "positiv zu denken" als eine ihrer Stärken sieht, zunutze machen.