Ski-WM: Maria Riesch Warum kamen so wenig Zuschauer?

Dieser WM-Start hatte wahrlich seine prekären Seiten für den DSV. Viktoria Rebensburg hatte das Rennen wegen einer fiebrigen Grippe ganz abgesagt und verbrachte den Tag im heimischen Bett in Kreuth. Stechert landete im Krankenhaus - und dann sah die Welt durch den Fernseher diese vielen leeren, blauen Stühle. Ein großer Teil der Haupttribüne blieb unbesetzt. Und da half es auch wenig, dass die Nebentribüne voll war und auch die Stehplätze rundherum gut gefüllt.

Es begann die Fahndung nach den Gründen. Riesch meinte ein wenig ratlos: "Vielleicht trauen sich die Leute zu Beginn noch nicht raus." Näher an der Wahrheit erscheint der Verdacht, dass der Termin am Dienstag um 11 Uhr für viele nicht sonderlich attraktiv war. Und dass ein Platz auf der Haupttribüne 90 Euro kostet.

Der Veranstalter indessen suchte andere Gründe und wollte sich die gute WM-Laune zumindest öffentlich nicht verderben lassen. Das Organisationskomitee (OK) meldete, dass etwa 8000 der insgesamt 10.000 Karten verkauft waren. OK-Chef Peter Fischer verwies darauf, dass einige Karten als VIP-Tickets über Dritte an Kunden weitergegeben werden, und wenn von 1000 Zuschauern mit VIP-Tickets 500 lieber bei der Suppe im Zelt blieben, könne der Veranstalter wenig dagegen tun. Die leeren Plätze mit Fans aufzufüllen, die nur Stehplatzkarten besitzen, sei schwierig: Das sehe zwar im Fernsehen besser aus, doch die VIP-Besucher bezahlen ihre Tickets teuer und hätten das Recht, ihren Platz leer zu lassen.

Maria Riesch immerhin hofft, ja bittet fast, dass ihre Bonzemedaille die Leute mobilisiert. "Das kommt schon noch jetzt, mit diesem Ereignis." Die Veranstalter hingegen rechnen vor allem bei den Rennen unter der Woche mit noch deutlich mehr blauen Sitzschalen. Gerade beim Super-G (Mittwoch, 11 Uhr) oder der Super-Kombination bei den Männern. "Wenn ich keinen deutschen Hero habe, ist es schwer, die Menschen aus der Region herauszubringen", sagt OK-Chef Fischer. Auch der neue Mannschafts-Wettbewerb sei schwer vermittelbar.

Da erschienen die Auftritte der lokalen Heldin wie eine ungewollte Rettungsaktion der ganzen Veranstaltung. Riesch gibt alles für ihre WM. Am Montag noch hatte sie den Pausentag mit allerlei Terminen und dem Auftritt bei der Eröffnungsfeier bestritten. Nach dem Super-G eilte sie von Mikrophon zu TV-Kamera, von Interview zu Sponsorenauftritt. "Mir macht das nicht viel aus, da bin ich resistent", sagte sie.

An der sogenannten Medal Plaza im Kurpark immerhin versammelten sich am Abend ausreichend Menschen, um Maria Riesch bei der Medaillenvergabe zu bejubeln. Der Platz war voll, die Laune gut. Und Stühle gab es ohnehin nicht.