Ski alpin Was nun, Mikaela Shiffrin?

Würde wohl auch mit nur einem Handschuh gewinnen: Mikaela Shiffrin.

(Foto: AFP)
  • Mit 22 Jahren gewinnt die Amerikanerin den Ski-Gesamt-Weltcup und dominiert den Slalom klar.
  • Um neue Ziele zu finden, redet sie sich manchmal ein, dass das alles nur ein Witz sei.
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Von Johannes Knuth

Manchmal, hat Mikaela Shiffrin einmal erzählt, rede sie sich ein, dass das gar nicht wahr sei: Diese Vorsprünge so massiv wie die Rocky Mountains, die sie in manchen Slaloms zwischen sich und die Konkurrenz legt; "dass das nur ein Witz war und die anderen mich im nächsten Rennen überholen". So bleibe sie stets wachsam, auch im Erfolg. Und den kennt sie mittlerweile ja zur Genüge. Sie hat drei WM-Titel im Slalom gewonnen, vier Mal die Slalom-Wertung, beim Saisonfinale in Aspen sicherte sie sich jetzt erstmals den Gesamtweltcup. Als dritte Amerikanerin nach Tamara McKinney und Lindsey Vonn.

Und nun?

Das ist halt das Blöde, wenn man mit 22 fast alle Erfolge erworben hat, die einem der Sport bietet: Was jetzt? Ach, sagte Shiffrin in Aspen, "ich werde meinem Zeitplan wohl niemals voraus sein". Ihr Projekt war immer, die Beste zu werden, die Vielseitigste, Konstanteste - da habe sie noch viel zu tun. Was bei ihr auch heißt, während der langen Winter an Schwächen zu arbeiten, sich nicht zu ernst zu nehmen, Überhöhungen zu entkräften. Was wieder Raum zum Wachsen lässt.

Wenn sie auf ihre historischen Taten angesprochen wird, sagt Shiffrin, halb im Spaß: "Schreiben wir nicht alle jeden Tag Geschichte?" Und auf die Frage, ob sie mal Lieder aufnehmen werde, bei ihrem Interesse für Musik: "Das wären die ersten, bei denen man sich die Ohren zuhalten müsste, um sie hören zu können."

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Ihre Erfolge seien ja kein Endpunkt, das hat Shiffrin zuletzt oft betont. Sondern erst der Beginn einer Reise, auf der Straße des Erfolgs, die gar zu Ingemar Stenmarks Rekord führen könnte: 86 Weltcup-Siege. Shiffrin besitzt 31, den 32. verpasste sie im Slalom in Aspen knapp (während Felix Neureuther jeweils Zweiter im Riesenslalom und Slalom wurde). Sie wächst so langsam auch in eine neue Rolle hinein, als prägende Fahrerin auf und neben der Piste.

Als sie zuletzt zu Hause im Supermarkt einkaufte, erzählten ihr drei Mitarbeiter, wie inspirierend sie Shiffrins Auftritte zuletzt fanden. "Das ist mir in den USA noch nie passiert", sagte sie, "das ist das, was Lindsey Vonn all die Jahre gemacht hat." Shiffrin fügte an: "Vielleicht kann ich jetzt meinen Teil dazu beitragen."