Ski alpin Vonn geht in die Falle

Lindsey Vonn: Hantiert auch mal mit Hammer

(Foto: dpa)
  • Am Freitag stürzt Lindsey Vonn bei der Abfahrt in La Thuile/Italien.
  • Die Amerikanerin fühlt sich von der Technik bestohlen, am Abend schlägt Vonn mit einem Hammer auf die Bindung ein, das Video sorgt für Diskussionen.
  • Am Samstagmorgen entschuldigte sie sich bei Head, dem Produzenten ihrer Skier ("ein riesiger Fehler").
  • Der Vorfall hat ein paar Kratzer ins Geschäftsverhältnis gezogen.
Von Johannes Knuth

Lindsey Vonn zuckte mit den Schultern, nein, sie mochte sich noch nicht anfreunden mit diesem dritten Platz am Sonntag, beim Super-G in La Thuile/Italien. Vonn hatte sich am Samstag in der Abfahrt als Zweite eingereiht, am Freitag, bei der ersten Abfahrt, war sie gestürzt. "Ich bin ein Wettkampftyp", so hatte die 31-Jährige ihren Arbeitsethos neulich beschrieben, frei übersetzt: Immer die Beste sein. Zweite oder dritte Plätze sind mit dieser Haltung nur bedingt kompatibel. Es dauerte also eine Weile, ehe Vonn am Sonntag eine entspanntere Beziehung zu ihrem Wochenende im Aostatal aufbaute: "Der dritte Platz ist in Ordnung. Es war ein schönes Wochenende", sagte sie. "Trotz allem."

Vonns Wochenende hatte mit einem Unfall begonnen, dessen Aufräumarbeiten sich bis in den Sonntag streckten. Am Freitag hatte sie im Steilhang mit der Schwerkraft gekämpft, ihr Außenski, auf den die Skirennfahrer die größte Kraft ausüben sollten, baumelte unkontrolliert in der Luft. Dann löste er sich aus der Bindung. Vonn stürzte, sie stand bald wieder, das Rennen war ihr aber entglitten. Wie die Führung in der Gesamtwertung.

Die Amerikanerin fühlte sich von der Technik bestohlen, die Bindung, polterte sie, habe den Ski zu früh freigegeben. Am Abend schlug Vonn mit einem Hammer auf die Bindung ein, jemand filmte sie, später schaltete sie das Video für ihre 1,2 Millionen Internet-Anhänger frei, ihrer Vermarktungsbühne. Sie habe bloß ihre Wut nach dem Rennen zeigen wollen, schrieb sie später, "aber ich weiß, dass man das Video falsch interpretieren kann". Falsch interpretieren?

Vonn, das muss man wissen, war eine der ersten Athleten, die früh verstanden, wie man die neuen, digitalen Felder bestellen kann. Olympia-Athleten in den USA sollen ihr Leben aufschlagen wie ein Buch, in dem die Öffentlichkeit blättert: Siege, Niederlagen, Streits, das verkaufen die Sender ans Publikum. Vonn begriff, dass sie diesen Nachrichtenstrom nicht stoppen, aber lenken kann. Sie setzte nachrichtenträchtige Botschaften in sozialen Netzwerken ab, damit bestimmte sie die Agenda, mit wenigen Klicks.

Wobei wenige Klicks den Ruhm eines Sportlers nicht nur mehren können, sie können ihn genauso flink zerkratzen. Vonn beteuerte am Samstag, dass ihre Emotionen sie fehlgeleitet hatten. Sie löschte das Video, das sich längst vervielfältigt und einen Platz bei Youtube gefunden hatte, dem digitalen Video-Museum. Am Samstagmorgen entschuldigte sie sich bei Head , dem Produzenten ihrer Skier ("ein riesiger Fehler").