Ski alpin Luft zum Atmen

Weiter geht's: Anna Fenninger wird auch im kommenden Winter in Garmisch antreten.

(Foto: Johannes Eisele/AFP)

Weil der Weltverband die Preisgelder erhöhen wollte, war der Fortbestand der Frauen-Rennen beim Weltcup in Garmisch akut gefährdet. Das Szenario ist nun abgewendet, es gibt einen Kompromiss.

Von Johannes Knuth

Peter Fischer hatte zuletzt ein paar betriebsame Sommertage hinter sich. Fischer steht dem Ski-Club Garmisch vor, auf seinem Schreibtisch hatte sich zuletzt einiges gestapelt. Fischer hatte sich mit anderen Ausrichtern von Ski-Weltcups zusammengesetzt, er war beim Deutschen Skiverband (DSV) vorstellig geworden, hatte sogar einen Brief an den Weltverband (Fis) verfasst, es ging immerhin um einiges: um den Fortbestand seiner Weltcup-Rennen in Garmisch-Partenkirchen. Ob er mit einer schnellen Lösung gerechnet habe? "Wenn ich ehrlich bin, nicht wirklich", sagt Fischer, dann schmunzelt er. Sportverbände bewegen sich manchmal ja wie Tiefseetanker - selbst wenn der Kapitän am Steuerrad dreht, dauert es eine Weile, ehe das Schiff seine Richtung ändert.

"Wir sind und waren immer an der Grenze des Etats", sagt Fischer - derzeit rund zwei Millionen Euro

Manchmal geht es dann aber doch etwas schneller als gedacht.

Der alpine Skizirkus hält derzeit jedes Jahr in Garmisch-Partenkirchen, zwei Mal sogar: für zwei Weltcup-Abfahrten bzw. Super-G-Rennen der Männer, außerdem für zwei Rennen der Frauen. Macht insgesamt vier Rennen, die Fischer und der SC Garmisch pro Saison ausrichten, das stemmen auf der Weltcup-Tournee nicht viele. Bis 2019 sind sie in Garmisch mit ihren vier Rennen im Kalender der Fis vorgemerkt, für jede Saison, und genau damit hatte Fischer bis zuletzt ein kleines Problem. Der Weltverband beschloss bei seiner Council-Sitzung im vergangenen Herbst, das Mindestpreisgeld für die alpinen Skirennfahrer bei Weltcups zu erhöhen, von 100 000 auf 120 000 Schweizer Franken; wirksam ab der kommenden Saison 2105/16.

Dieses Mindestpreisgeld wird den Fahrern nicht von der Fis überwiesen, sondern vom jeweiligen Veranstalter. Manche entrichten das Mindestgeld, manche ein wenig mehr; am lukrativsten sind Abfahrt und Slalom der Männer in Kitzbühel (je 225 000 Franken) sowie für die Frauen der Slalom in Flachau (181 000). Die Garmischer zahlten bislang nicht mehr, als sie mussten. "Wir sind immer an der Grenze unseres Etats", sagt Fischer, rund zwei Millionen Euro sind das derzeit. Als die Fis dann die Preisgelder anhob, war für Fischer die Grenze überschritten. Es waren nicht allein die zusätzlichen 20 000 Franken mehr, die ihn ärgerten. Anfang 2015 wurde die ohnehin starke Schweizer Währung noch stärker, das trieb den Wechselkurs - und die Kosten - weiter nach oben, so sehr, dass Fischer dem Bayerischen Rundfunk Mitte Juni steckte: Er rechne mit 140 000 Euro Mehrkosten, pro Jahr. Und: Er sehe kaum eine Chance, diese Mehrkosten aufzutreiben.

"Den Athleten ist das vergönnt, keine Frage", sagt Fischer, die Athleten halten ja ihre Knochen hin in diesem Hochrisikogewerbe, "aber die Veranstalter müssen auch überleben können", findet er. Fischer sprach also mit anderen Ausrichtern, schrieb Briefe, er sagte: Im schlimmsten Fall müsse man Rennen zurückgeben, womöglich jene der Frauen, dort sei das Sponsorenaufkommen eben niedriger.

Zumindest letzteres Szenario ist seit einigen Tagen abgewendet, wie Fischer auf Anfrage ausführt. Überhaupt klingt er in diesen Tagen recht entspannt, wenn die Wörter "Fis" oder "Weltverband" fallen. Vor kurzem erreichte ihn bereits eine Antwort auf seinen Brief. Der Dachverband teilte mit, dass er die Entscheidung des Councils revidiert habe und er die Preisgelder nur leicht erhöhen wird: Auf 110 000 Franken ab der Saison 2015/16, ab dem kommenden Oktober also. Ab 2016/17 gilt dann der ursprünglich geplante Mindestsatz von 120 000 Franken. "Das ist ein Kompromiss, ein gutes Zeichen", sagt Fischer, "das verschafft uns Luft zum Atmen."

Die Fis hat ein paar Ventile geöffnet - aber die grundsätzliche Problematik hat sie nicht gelöst

Er wird den Athleten ab kommender Saison noch immer mehr Geld überweisen - aber nicht mehr rund 140 000 Euro pro Jahr, wie ursprünglich befürchtet, sondern rund 98 000 Euro. "Die werden wir stemmen können, gemeinsam mit DSV", glaubt er. Und die Frauenrennen, die seien dank der neuen Konditionen "unumstritten".

Die Fis (die sich auf Anfrage zur Preisgeldfrage nicht äußerte) hat mit ihrer Entscheidung den finanziellen Druck gemindert, sie hat ein paar Ventile geöffnet - aber die grundsätzliche Problematik nicht gelöst. Viele Veranstalter klagen seit längerem über wachsende Kosten. Sie verfügen allerdings über wenig Spielraum, neue Sponsoren anzuwerben, sie müssen die Werbepartner des Weltverbands respektieren. Felix Neureuther, derzeit bester deutsche Skirennfahrer, hatte dem Weltverband deshalb vor kurzem nahegelegt, ein Teil des Preisgelds selbst zu übernehmen. Eine Antwort des Verbands darauf steht noch aus.