Ski Alpin Lindsey Vonn will bei Männer-Abfahrt starten

Falscher Ehrgeiz oder taktisches Manöver? Skirennläuferin Lindsey Vonn will an der Männer-Abfahrt im kanadischen Lake Louise teilnehmen und hat einen Antrag beim Internationalen Verband Fis gestellt. Experten rechnen ihr im Falle einer Erlaubnis keine Chance ein - trotzdem könnte die Amerikanerin von einem Start profitieren.

Lindsey Vonn nach dem Sieg beim Super-G in Beaver Creek im Dezember vergangenen Jahres.

(Foto: AFP)

Es gibt Sportarten, bei denen der männliche Körper von Natur aus keine Vorteile gegenüber dem weiblichen hat. Skifahren gehört nicht dazu. So verwundert, dass Lindsey Vonn, Olympiasiegerin und Spezialistin für die Speed-Disziplinen im alpinen Weltcup, bei der Abfahrt der Herren in Lake Louise an den Start gehen will.

Die 27 Jahre alte US-Amerikanerin richtete eine entsprechende Anfrage für das Rennen in Kanada (24. November 2012) an Renndirektor Günter Hujara vom Internationalen Skiverband (Fis). "Wir haben darüber gesprochen, aber es wurde noch keine Entscheidung gefällt", sagte Frauen-Renndirektor Alte Skaardal. "Es ist notwendig, in die Regeln zu schauen, um zu sehen, ob es möglich ist und einen Grund zu finden, warum es überhaupt möglich sein soll", sagte der Norweger. Eine Entscheidung will der Fis-Rat bei seinem nächsten Zusammentreffen im November fällen.

Interessant bei der Diskussion: Die Frauen bestreiten am selben Wochenende einen Slalom und einen Riesenslalom in Aspen (USA). Eine Woche später stehen zwei Abfahrten in Lake Louise auf dem Programm.

Die viermalige Gesamtweltcup-Siegerin Vonn hätte durch den Start bei den Männern demnach nicht nur Publicity, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrentinnen. Möglicherweise ist das der Hauptgrund für ihre Initiative.

"Sie kann das machen, das ist ihre freie Entscheidung. Aber für mich sieht das aus wie ein guter PR-Gag", kommentierte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier. Die Amerikanerin müsste für eine Starterlaubnis zunächst in unterklassigen Männer-Rennen sogenannte Fis-Punkte sammeln. Um die formale Startberechtigung zu erhalten, sind wohl zwei Platzierungen unter den Top 30 solcher Rennen notwendig. "Und das ist gar nicht so leicht", sagte Maier.

Chancen räumen Experten der dominanten Rennfahrerin der letzten Jahre in einem Männerrennen nicht ein. Sie rechnen mit einem Rückstand auf die Weltspitze von etwa fünf Sekunden.