Ski alpin "Ich bin mental so stark wie nie zuvor"

Gewinnt gerade fast alles: Aksel Lund Svindal (hier beim Abfahrtslauf in Wengen)

(Foto: AP)
  • Aksel Lund Svindal ist der beste Skifahrer des Winters. Nach seinem Sieg in Wengen ist er auch auf der Streif in Kitzbühel Favorit.
  • Er selbst sagt, er sei mental so stark wie nie zuvor.
  • Das liegt auch an einem Ausflug ins Silicon Valley. Dort fuhr er vergangenen Winter drei Wochen hin, um sich Gedanken über seine berufliche Zukunft zu machen.
Interview von Johannes Knuth

Svindal ist jetzt im Gesamtweltcup an erster Stelle

Sie haben ein Sprichwort in Norwegen, das einiges erzählt über ihre Beziehung zum Wintersport, es geht so: "Was hast du gemacht, als Bjørn Wirkola gesprungen ist?" Wirkola war Skispringer und Nordischer Kombinierer, bei der Ski-WM 1966 in Oslo gewann er zwei Wettbewerbe. Das erklärt, welche Auszeichnung es war, als die norwegische Zeitung Dagbladet vor ein paar Tagen fragte: "Was hast du gemacht, als das Wengen-Wochenende war?" Kjetil Jansrud, Aksel Lund Svindal und Henrik Kristoffersen gewannen an jenem, vergangenen Wochenende Kombination (Jansrud), Abfahrt (Svindal) und Slalom (Kristoffersen); 13 Weltcups haben die Norweger in diesem Winter bereits für sich entschieden. Vor allem Svindal ist in beeindruckender Verfassung. "Ich denke, ich bin mental tatsächlich so stark wie nie zuvor", sagt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Freitagsausgabe).

Sechs Siege hat der 33-Jährige aus Lørenskog in diesem Winter zur Bilanz der kleinen norwegischen Mannschaft beigetragen, vier Mal gewann er eine Abfahrt, zwei Mal im Super-G. Auch im Gesamtweltcup hat er sich an die erste Stelle geschoben, vorbei an Titelverteidiger Marcel Hirscher aus Österreich. Allein auf der Streif, der härtesten Abfahrtsprüfung, hat er noch nie triumphiert. Noch an diesem Samstag bietet sich ihm dazu die nächste Gelegenheit. Ich würde liebend gerne in Kitzbühel gewinnen, aber ich mache mir keinen Stress", sagt er, "mir ist jeder Sieg wichtig".

Skirennfahren ist ein Teamsport, so sieht Svindal das

Svindal hatte sich vor zwei Jahren beim Fußballspielen die Achillessehne gerissen, wenige Tage vor Anbruch des Winters. Er verpasste fast die gesamte Saison 2014/15. Letztlich scheint ihn das Sabbatical aber gestärkt zu haben. Im vergangenen Dezember reiste Svindal drei Wochen lang durchs Silicon Valley, die Hightech-Region in Kalifornien. Er sah, in welche Berufszweige er sich nach seiner Karriere wagen könnte, "das hat mich gelassener gemacht", sagt er. Nebenbei lernte er, in Gesprächen mit Managern und Firmengründern: "Die Leute sind der Schlüssel. Du musst welche finden, die schlau sind und denen du vertraust. Im Sport ist das ganz ähnlich."

Zu Beginn der aktuellen Saison, im November und Dezember, glaubt Svindal, "waren wir als Team so gut, wie ich es selten erlebt habe". Skirennfahren ist ein Teamsport, bis auf die zwei Minuten Fahrzeit im Rennen, so sieht der Norweger das. "Wenn ich mich wie ein Volltrottel verhalte oder irgendwelche Privilegien einfordere, dann hat der Teamkollege auf Weltranglistenplatz 100 das Recht, mich zurechtzuweisen. Deswegen harmoniert unser Team so gut. Wir sind alle gleich."

Den Ski-Airbag sieht Svindal kritisch

Beim Thema Sicherheit hat der 33-Jährige indes noch viel Verbesserungsbedarf ausgemacht. Die Reform der Riesenslalomskier, die der Welt-Skiverband Fis vor vier Jahren verschlankte und mit weniger Kurvenradius ausstattete, hält er für "zu extrem". Viele Fahrer klagen derzeit über Rücken- und Bandscheibenprobleme, vermutlich auch als Folge dieser Reform. Und auch den vor dieser Saison eingeführten Airbag sieht Svindal kritisch.

Die Entwicklung sei eine gute Sache gewesen, findet er, das schon, sie helfe aber nicht dort, "wo der Bedarf am größten ist". Bei den Knieverletzungen nämlich. Oder bei den Anzügen. "Derzeit schützen die Anzüge überhaupt nicht", sagt er. "Dabei ist es das Material, das unseren gesamten Körper umgibt."

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