Ski alpin Hirschers großer Tag

Vorausschauend im Schnee von Kranjska Gora: Marcel Hirscher gewinnt den Riesenslalom in Slowenien.

(Foto: Jure Makovec/AFP)

Der Österreicher gewinnt in Kranjska Gora seinen fünften Gesamt-Weltcup in Serie. Felix Neureuther verpasst erneut im zweiten Durchgang einen Platz auf dem Podest.

Marcel Hirscher sah nicht aus wie einer, der gerade Geschichte geschrieben hatte. Er pumpte wie ein Maikäfer, sein Gesicht war verzerrt vor Anstrengung. Der große Rivale fand seine Sprache als Erster wieder: "Ich kann Marcel zur fünften großen Kugel gratulieren", sagte Henrik Kristoffersen. Was der Norweger meinte: Der Kampf um den Gesamtweltcup der Ski-Rennläufer ist nach dem zweiten Riesenslalom in Kranjska Gora/Slowenien entschieden.

"Ich kann es noch gar nicht glauben", sagte Hirscher nach seinem Sieg am Fuße der Waschbrett-Piste Podkoren 3, "ich glaub` es erst, wenn ich es selber durchrechnen kann, mit allen Eventualitäten." Doch rechnen musste er gar nicht mehr: Nur noch drei technische Wettbewerbe stehen in diesem Winter aus, und Hirscher hat 333 Punkte Vorsprung auf Kristoffersen, der die vier restlichen Speed-Rennen nicht bestreiten wird. Den Riesenslalom-Weltcup hat Hirscher nebenbei auch schon gewonnen. "Die fünfte Kugel, das ist unglaublich", sagte Kristoffersen über Hirscher.

Was die Anzahl der Gesamtweltcup-Siege angeht, zieht der Österreicher mit Marc Giradelli (Luxemburg) gleich - seine fünf Siege aber hat er nacheinander geholt, das ist einzigartig. "Es ist schon etwas ganz Spezielles. Ich sage danke: Bei Laura (Hirschers Freundin, d. Red.), bei der Familie - die müssen mich aushalten", sagte Hirscher. Und der geschlagene Felix Neureuther sagte: "Das ist gewaltig. So sehr ich den Marcel auch manchmal verfluche, weil er vor mir ist... Nein, ich verfluche ihn ja nicht, es ist schön, mit so jemandem Ski fahren zu können, er holt immer alles aus uns raus."

Neureuther fällt schon wieder im zweiten Durchgang zurück

Neureuther gelingt derzeit viel, aber zu seinem Leidwesen eben nicht alles: Er fiel im Finale von Rang drei auf Rang vier zurück, hinter Hirscher, den Franzosen Alexis Pinturault und Kristoffersen. Zum neunten Mal nacheinander konnten die deutschen Männer im Riesenslalom oder Slalom aus einer Top-3-Platzierung nach dem ersten Lauf keine Podestplatzierung herausfahren. "Wenn man Dritter ist nach dem ersten Lauf, will man aufs Podium, das war auch mein absolutes Ziel", sagte Neureuther und ergänzte: "Ich bin einfach nicht so engagiert gefahren, wie ich es hätte können, das ärgert mich. Da wäre mehr drin gewesen."

Es war allerdings auch nicht einfach. Das Rennen war wegen Nebel, Schneefall und der eisig-harten Waschbrettpiste im ersten Lauf extrem anspruchsvoll, Neureuther behauptete sogar: "Das war sicher der schwerste Riesenslalom, den ich je in meinem Leben gefahren bin." Stefan Luitz (Bolsterlang) fiel dabei vom achten auf den neunten Rang zurück, Fritz Dopfer (Garmisch) vom elften auf den 15. Dominik Schwaiger (Königssee) konnte sich leicht verbessern: von Rang 30 auf Rang 29. Am Sonntag kann Kristoffersen dem schier unwiderstehlichen Hirscher immerhin den Slalom-Weltcup wegnehmen - er hat 131 Punkte Vorsprung.

"Henrik kann sich nur selber schlagen, so realistisch muss man sein", meinte Hirscher und sagte zum Abschluss seines großen Tages: "Jetzt könnte ich ja dann eigentlich daheim bleiben."