Vor zwei Wochen ließ sich der Schweizer Skirennfahrer Carlo Janka heimlich am Herzen operieren - kurz darauf hat er wieder gewonnen. Ein Herzspezialist erklärt nun, wie das möglich ist.
Sepp Brunner sagt, an diesem Tag in Garmisch-Partenkirchen, dem Mittwoch der ersten Woche der Ski-WM Anfang Februar, da ist Carlo Janka bewusst geworden, wie groß sein Problem wirklich ist. An jenem Mittwoch war das Super-G-Rennen, eine Minute und 40 Sekunden Hochgeschwindigkeit, Janka ist Siebter geworden, danach ist er im Ziel gestanden, den Kopf gesenkt, erschöpft, am Ende.
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Gerade noch im OP-Saal, jetzt schon wieder auf der Abfahrtsstrecke: Carlo Janka beim Training auf der Olympiastrecke von Lillehammer 1994. (© REUTERS)
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"Er hat gesagt", erzählt Brunner, "ab der Mitte des Rennens bin nicht mehr ich mit den Ski gefahren, sondern die Ski mit mir." Da, fährt Brunner fort, haben sie gewusst, der Trainer Sepp Brunner und der Skirennfahrer Carlo Janka: "Jetzt wird es gefährlich."
Carlo Janka ist damals zwar noch bis zum Riesenslalom geblieben, aber dann ist er zurück in die Schweiz gefahren, nach Zürich, zu Professor Reto Candinas in die Klinik Im Park. Am 23. Februar ist er dort am Herzen operiert worden.
Am 5. März, zehn Tage nach der Operation, fuhr Carlo Janka beim Riesenslalom in Kranjska Gora. Und gewann.
Sepp Brunner sagt, ja, er sei auch überrascht gewesen, schließlich habe Janka zwischen OP und diesem Rennen nur einen Tag trainiert. Dass Carlo Janka zehn Tage nach einer Herz-OP wieder ohne zu zögern mit Vollgas ein Skirennen fuhr, das, findet Brunner, zeige die Außergewöhnlichkeit dieses jungen Mannes: Carlo Janka aus Obersaxen in Graubünden, mit 24 Jahren bereits Gesamtweltcupsieger, Olympiasieger und Weltmeister.
An diesem Wochenende finden in Kvitfjell in Norwegen zwei Abfahrten statt, am Freitag und am Samstag, am Sonntag folgt ein Super-G. Nichts im Skirennsport ist anstrengender als eine Abfahrt, aber Carlo Janka will bei allen Rennen starten, auch beim Weltcup-Finale kommende Woche in Lenzerheide. Er kann noch eine kleine Kristallkugel gewinnen: die für den Saisonbesten im Super-G.
Die Frage aber bleibt: Wie kann einer so kurz nach einer Herz-OP wieder Leistungssport betreiben? Und gewinnen? Christian Schlegel, Dr. Schlegel, Spezialarzt für pysikalische Medizin und Reha in Bad Ragaz südlich von Vaduz, sagt: "Bei der OP ist kein Gewebe verletzt worden, es ist keine Wunde am Herzen entstanden." Schlegel ist als einer der Teamärzte des Schweizer Skiverbandes Jankas betreuender Arzt, wenn man etwas über die Krankheitsgeschichte von Carlo Janka wissen will, fragt man ihn.
Janka klagte seit zwei Jahren immer wieder über Erschöpfung, sein Puls war oft erhöht, in dieser Saison war er häufig eine halbe Stunde nach einem Rennen noch über 160 Schläge schnell. Im Sommer war Janka bei mehreren Ärzten und Therapeuten, kurz nach Weihnachten wurde er mit einem Messgerät versehen, zwei Elektroden unterhalb des Brustbeines, die rund um die Uhr seine Herzfrequenz aufzeichneten. Er trug das Gerät permanent, auch während der Rennen, und im Januar war die Ursache gefunden.
Das Herz ist, vereinfacht formuliert, mit einem Leitungssystem versehen, die Leitungen gehen vom Vorhof in die Kammern und sind zuständig für die Kontraktionen des Herzmuskels. Bei Carlo Janka haben sich zusätzliche und überflüssige Leitungen gebildet, die den Herzrhythmus störten; warum, ist nicht klar, es könnte an einem Virus liegen, den Janka vor einiger Zeit hatte.
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