Skandal in der Sportförderung Der Magdeburger Kontaktpfleger

Der Handball-Manager Bernd-Uwe Hildebrandt bündelte den Sport in Sachsen-Anhalt in seiner Person - nun soll jede Menge Geld verschwunden sein.

Von Claudio Catuogno, Magdeburg

Bernd-Uwe Hildebrandt ist eine Weile nicht hier gewesen, im Jagdzimmer im Haus der Athleten, das er doch extra nach seinen Wünschen hat herrichten lassen, für 26.000 Euro. Er wäre hier, in der idyllischen Athletenpension am Elbufer, auch nicht mehr sonderlich willkommen. Jahrelang ist Bernd-Uwe Hildebrandt, 49, die wichtigste Figur in der Sportlandschaft Sachsen-Anhalts gewesen. Inzwischen ist er das prominenteste Aktenzeichen bei der Magdeburger Staatsanwaltschaft. Hier, in "seinem" Jagdzimmer, bei Kaminfeuer und Zigarrenrauch, soll er ein Betrugsnetzwerk gesponnen haben, für das sich nun die Ermittlungsbehörden interessieren. Schon jetzt zeichnet sich einer der größten Skandale im ostdeutschen Sport seit der Wiedervereinigung ab.

Chef beim SC Magdeburg, Vorsitzender der Handball-Bundesliga, Leiter des Olympiastützpunktes, Reitklubpräsident, Gestütsbesitzer, Unternehmer

Bis zum März dieses Jahres war Bernd-Uwe Hildebrandt einer jener Multi-Funktionäre, die mit fast magnetischem Eifer die Ämter an sich ziehen. Chef der Bundesliga-Handballer beim SC Magdeburg. Vorsitzender der Handball-Bundesliga. Leiter des Olympiastützpunktes Magdeburg/Halle (OSP) und des Hauses der Athleten. Beim Landessportbund (LSB) Geschäftsführer der "gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung des Leistungssports" (gGFL), die zwei Sportinternate betreibt sowie Bau und Verwaltung öffentlicher Sportstätten verantwortet. Reitklubpräsident, Gestütsbesitzer, Unternehmer. Im Gestrüpp seiner Firmen und Gesellschaften ebenso zuhause wie in den obersten Kreisen der Stadt- und Landespolitik. Es ist die Geschichte eines Königs, der nun nicht mehr König sein darf.

So wirkte der Sport Sachsen-Anhalts von außen betrachtet: wie sein Reich. Der König Hildebrandt trat nicht ein, er erschien. Er fragte nicht nach, er entschied. Am Ende vereinigte er fast alle Schaltstellen des Sports in Sachsen- Anhalt in seiner Person. Permanent saß er in mehreren Funktionen am Tisch, verhandelte mit sich selbst, war ermächtigt, mit sich selbst Geschäfte abzuschließen. Was andere einen Interessenkonflikt nennen, nannte er gesellschaftliche Verantwortung. Doch dabei, so die Vermutung der Staatsanwaltschaft, soll jede Menge öffentliches Geld verschwunden sein.

Es war im März, als Kripo und Steuerfahndung zu gezielten Hausdurchsuchungen an 14 Orten anrückten, unter anderem in Hildebrandts Privatwohnung und auf seinem Anwesen bei Stendal. Bei Heimspielen des SC Magdeburg seien jahrelang die Zuschauerzahlen kleingerechnet worden, hieß es damals - um einen Teil der Einnahmen nicht zu versteuern. Auch auf diese Weise habe es der SCM 2002 bis zum Champions-League-Titel gebracht: mithilfe eines durch Schwarzgeld aufgeblasenen Budgets. Hildebrandt sprach von einer Intrige, trat bei den Handballern zurück, wurde vom Olympiastützpunkt entlassen. Sein Amt bei der Handball-Liga ruht seither. Doch Hildebrandt selbst ruht nicht. Er poltert gegen jene, die beim SCM nun die Aufräumarbeiten leisten, unterstützt mysteriöse Umsturzpläne gegen das neue Präsidium und meldet sich, seit Magdeburg in der Liga in die zweite Tabellenhälfte gerutscht ist, auch öffentlich zu Wort ("da sind ein Haufen Amateure am Werk"). Zu den konkreten Vorwürfen bezüglich seiner Buchführung sagte er der SZ: "Das ist absurd, da ist alles korrekt gelaufen, und ich habe von der Steuerfahndung bis heute nichts mehr gehört."