Tim Donaghys Geständnis erschüttert die Basketball-Profiliga NBA: Der Unparteiische hat seit Jahren auf Spiele gewettet und Insiderinformationen weitergegeben.
Tim Donaghy stürzt die amerikanischen Basketball-Profiliga NBA in eine tiefe Krise. Am Mittwoch bekannte sich der 40-jährige Schiedsrichter schuldig, seit vier Jahren auf NBA-Spiele zu wetten - darunter auch Partien, die er selbst leitete. Zudem gestand er, seit Dezember 2006 Insiderinformationen weitergegeben zu haben. Donaghy drohen bis zu 25 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 500.000 Dollar; ein Urteil soll erst im November gefällt werden. Bereits am 9.Juli war Donaghy zurückgetreten, nachdem ein erster Verdacht bekannt geworden war.
NBA-Chef David Stern sieht das saubere Image seiner Liga in Gefahr. (© Foto: AFP)
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Donaghy sagte vor einem Bundesgericht in Brooklyn aus, er habe vor NBA-Spielen insbesondere Details über die eingesetzten Schiedsrichtergespanne, deren Beziehungen zu Spielern und Trainern sowie über den Gesundheitszustand von Spielern an professionelle Wetter herausgegeben. Anhand dieser Informationen wurden dann Wetten auf die Spiele platziert. In den Gerichtsunterlagen sind zwei Fälle aus dem vergangenen Dezember belegt, in denen Donaghy telefonisch und in codierter Sprache Tipps an Spieler gab und am nächsten Tag dafür entlohnt wurde. "Ich war in der einzigartigen Position, den Ausgang von NBA-Spielen vorhersagen zu können", sagt Donaghy vor Gericht.
Spielsucht und Tabletten
Für jeden Tipp soll der Profi-Schiedsrichter, der seit 13 Jahren in der NBA aktiv ist, zunächst 2000 Dollar erhalten habe. Später stieg sein Honorar auf 5000 Dollar pro erfolgreiche Wette. Der Familienvater soll verschuldet gewesen sein. Dabei entlohnt die NBA ihre Unparteiischen nicht schlecht: Donaghy verdiente in der vergangenen Saison rund 260.000 Dollar. Zwei Mitangeklagte - einer davon ein Buchmacher und ehemaliger Schulkamerad Donaghys - stritten am Mittwoch jede Verwicklung in die Affäre ab. Donaghy selbst sagte vor Gericht aus, er sei wegen Spielsucht in Behandlung und nehme zudem Antidepressiva. Er stammt aus einer Schiedsrichter-Familie: Donaghys Vater war Referee im amerikanischen College-Basketball, sein Onkel leitete NBA-Spiele.
Die Profiliga rühmte sich jahrelang ihres Kontrollsystems für die Unparteiischen. Liga-Chef David Stern bezeichnete seine Schiedsrichter in der Vergangenheit als die "am meisten bewerteten, untersuchten, statistisch analysierten und betreuten Angestellten der Welt". Trotz ihrer in der Tat akribischen Kontrollen für Schiedsrichter war die NBA Donaghy nicht auf die Schliche gekommen. Ein Grund dafür ist, dass die fraglichen Wetten nicht auf Sieg oder Niederlage platziert wurden, sondern auf die insgesamt erzielte Punktzahl oder die Höhe eines Sieges. Insbesondere Ersteres lässt sich leicht manipulieren: Pfeift ein Schiedsrichter viele Fouls, gibt es auch viele Freiwürfe - das steigert in der Regel die Höhe eines Ergebnisses. Donaghy war dafür bekannt, die Regeln sehr streng auszulegen. Verdacht erregende Fehlentscheidungen waren also gar nicht nötig, um Spielausgänge zu manipulieren. Es reichte vollkommen, ein Spiel von Anfang bis Ende ausgesprochen regelkonform zu leiten.
Der strenge NBA-Commissoner Stern bangt nun um den Ruf seiner Liga. Stern pflegte in der Vergangenheit das saubere Image der NBA, indem er verletzten Spielern verbot, in legerer Kleidung zu Spielen zu erscheinen. Prügeleien oder verbale Ausraster bestraft Stern zügig und unnachgiebig. Am Mittwoch gab die Liga eine Pressemitteilung heraus, in der sie ankündigte, die Kontrolle ihrer Schiedsrichter zu überprüfen, um "die Integrität des Spiels" zu schützen. Zu Sterns Erleichterung scheint Donaghy ein Einzeltäter zu sein, im Moment deutet nichts auf weitere Wettbetrüger unter den 60 NBA-Schiedsrichtern hin. Alles andere brächte die Liga in große Bedrängnis - jede Saison werden knapp 250 Millionen Dollar auf NBA-Spiele gewettet. Bereits im Juli hatte Stern Donaghy vorsorglich als "isolierten Kriminellen" bezeichnet.
Bis zum Saisonstart der NBA am 30.Oktober wird der Skandal kaum ausgeräumt sein. LeBron James, Profi der Cleveland Cavaliers und neues NBA-Aushängeschild, sieht die Affäre mit gemischten Gefühlen: "Das ist schlecht für den Basketball, aber wir sind Profis und müssen weitermachen." Und NBA-Veteran Jason Kidd von den New Jersey Nets vertraut darauf, dass die Grundlagen des Sports erhalten bleiben: "Sieg oder Niederlage - darüber entscheiden die Spieler."
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