Simon Schempp Wenn das Zugpferd not amused ist

Ob Simon Schempp beim Massenstart in Ruhpolding antritt, entscheidet er erst kurz vor dem Rennen am Sonntag.

(Foto: Barbara Gindl/dpa)

Wegen Halsschmerzen hat Deutschlands bester Biathlet die bisherigen Rennen in Ruhpolding verpasst. In der Gesamtwertung ist ihm Fourcade einteilt, doch Schempps übergeordnetes Ziel ist die WM.

Von Saskia Aleythe, Ruhpolding

Da hängt es also, das Plakat an der Ruhpoldinger Arena. Mehrere Meter hoch, mehrere Meter lang, im Fokus: Simon Schempp, mit dem Gewehr im Anschlag. Auch auf dem Veranstaltungsheft prangt sein Foto, aber das ist schon das Einzige, was vom derzeit besten deutschen Biathleten in den Chiemgauer Alpen zu sehen ist. Simon Schempp fehlt bei diesem ersten Weltcup im neuen Jahr, in mehrfacher Hinsicht schmerzlich.

Noch beim Training am Donnerstag war Schempp davon ausgegangen, im Sprint in Ruhpolding starten zu können, er meldete sich fit zurück - doch dann kamen die Halsschmerzen. Und am Freitagmorgen, nur Stunden vor dem Rennen, die Absage. Der 27-Jährige sei "not amused" gewesen, richtete DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach aus, "aber wenn man nicht zu 100 Prozent fit ist, muss man hier nicht antreten".

Schempp hat wohl eine Erkältung verschleppt, nun muss er die Ergebnisse der direkten Konkurrenten verkraften. Die präsentierten sich in Ruhpolding so stark, dass sich der Gewinn der großen Kristallkugel für ihn schon erledigt haben könnte. Und: Ohne Schempp sind die deutschen Männer beim Heim-Weltcup bisher kaum in Erscheinung getreten. Andreas Birnbacher holte mit seinem neunten Rang im Sprint bisher das einzige Top-Ten-Ergebnis.

Schempps Ziel sind Goldmedaillen bei der WM

Es ist ja immer ein Taktieren mit diesem Weltcup und der schon bevorstehenden WM: Kein Biathlet will sich im Alltagsgeschäft so verausgaben, dass er beim Saisonhöhepunkt sein Höchstniveau nicht mehr abrufen kann. Im März starten in Oslo die Weltmeisterschaften, da will Schempp nach seinen bisherigen drei Siegen in diesem Winter und zwei weiteren Podestplätzen ganz oben stehen.

Doch in Ruhpolding nicht dabei sein zu können, das schmerzt ihn auch: "Zuschauen und dann noch ausgerechnet beim Heimweltcup, tut doppelt weh", schrieb Schempp bei Facebook und postete ein Foto von sich neben dem Fernseher. Das Verfolgungsrennen seiner Kollegen hatte er sich im Warmen angeschaut. "Aber toller Fight beim letzten Schießen", kommentierte er noch, Simon Eder aus Österreich bezwang den Franzosen Martin Fourcade, der sich einen Fehler zu viel leistete für den Sieg.

Vor diesen Wettbewerben in Ruhpolding hatte Schempp nur zwei Kontrahenten vor sich gehabt im Gesamtweltcup: Fourcade und Ole Einar Björndalen aus Norwegen, mit einem überschaubaren Rückstand von 53 Punkten auf den Führenden. Gut für Schempp: Auch Björndalen setzte bisher in Ruhpolding aus. Schlecht für Schempp: Fourcade hat nun 150 Punkte Vorsprung auf ihn - und die starken Norweger Emil Hegle Svendsen und Tarjei Bö sind an ihm vorbeigezogen. Zwei Athleten, die vor der Heim-WM in Oslo nur schwer zu bezwingen sein werden.

Am Mittwoch geht es in Ruhpolding schon wieder weiter

"Ich habe auch schon Rennen ausgelassen, wenn ich krank war", sagte Fourcade, der die vergangenen vier Gesamtweltcups gewinnen konnte, "Simon kann noch aufholen, aber es ist jetzt sicher schwieriger geworden". Ob Schempp am Sonntag beim Massenstart antritt, soll kurzfristig entschieden werden - je nachdem, ob sich sein Zustand über Nacht entscheidend verbessert. Beim ersten Massenstart in Pokljuka schaffte es Schempp auf Rang vier.

Zumindest die Veranstalter müssen sich nicht grämen: 9000 Zuschauer kamen am Samstag zur Strecke, die Erfolge der deutschen Frauen hoben die Stimmung. Und das Plakat an der Ruhpoldinger Arena kündigt schließlich die Wettbewerbe an, die ab kommender Woche hier absolviert werden. Ruhpolding hat als Ersatz für Oberhof die gerade stattfindenden Rennen übernommen, Schneemangel führte zur Absage der Thüringer. Nach drei Tagen Pause soll es am Mittwoch weitergehen - die Chancen, dass Schempp in Ruhpolding noch live in Erscheinung treten wird, stehen gar nicht so schlecht.