Silvia Neid bei der Fußball-EM der Frauen Alles geben für die Trainerin

Silvia Neid ist in Schweden mittlerweile bestens gelaunt.

(Foto: AFP)

Silvia Neid musste sich in der ersten EM-Woche verletzende Fragen gefallen lassen. Die Antwort darauf haben die Trainerin und ihr junges Team nun gegeben. Mit viel Einsatz, taktischer Disziplin - und zuletzt sogar schönen Spielzügen.

Ein Kommentar von Kathrin Steinbichler

Irgendwann in dieser Nacht von Göteborg ist Silvia Neid eine Frage gestellt worden, die sie kurz stutzig machte. Ein schwedischer Journalist wollte wissen, ob sie denn einen Ratschlag habe für ihre Trainerkollegin Pia Sundhage, wie es die im EM-Halbfinale unterlegene schwedische Nationalmannschaft demnächst wieder besser machen könne. "Ich glaube nicht, dass Pia meinen Rat braucht", antwortete Neid, "sie ist ein bisschen älter und viel erfahrener als ich, und vor allem ist sie eine gute Trainerin.

Sie weiß schon, was sie tut, und wird mit Schweden 2015 bei der WM mit Sicherheit wieder eine gute Mannschaft stellen." Als sie das sagte, lächelte die Bundestrainerin nicht, trotz der ansonsten sichtbar guten Laune nach dem Sieg. Sie war verblüfft.

Deutsche Fußballerinnen im EM-Finale Der Coup von Göteborg

Die deutschen Fußballerinnen haben Gastgeber Schweden im EM-Halbfinale gestürzt. Das Tor erzielt Dzsenifer Marozsán, danach muss sich das DFB-Team zahlreichen Angriffen der Schwedinnen erwehren. Im Endspiel kann die junge Mannschaft von Silvia Neid den Titel ein weiteres Mal nach Deutschland holen.

Es ist kaum eine Woche her, da war Silvia Neid mit ganz anderen Fragen konfrontiert. Da ging es nicht darum, ob ihre Expertise gefragt ist, sondern darum, ob ihre Expertise ausreicht. Ihre Fachkenntnis wurde öffentlich in Frage gestellt, nachdem Deutschland beim 0:1 im letzten Gruppenspiel gegen Norwegen die erste EM-Niederlage seit 20 Jahren hinnehmen musste.

Die Mannschaft - wenig eingespielt

"Ich weiß, dass die Mannschaft viel mehr kann, als sie hier bislang zeigt. Aber das sind junge Spielerinnen, denen muss man auch Fehler zugestehen", hatte Neid immer wieder gesagt, und es war klar: In diesem Turnier, mit dieser jungen Mannschaft, würde es mehr als vielleicht je zuvor darauf ankommen, dass sie als Trainerin Einfluss nimmt. Nicht nur bei der Zusammenstellung der Mannschaft und beim Trainieren ihrer Fertigkeiten, sondern auch im Umgang mit den Spielerinnen.

Trainerin Silvia Neid bei der Frauen-EM Nur Siege werden ihr Ruhe verschaffen

Bei der Heim-WM war im Viertelfinale Schluss, nun setzt Bundestrainerin Silvia Neid alles daran, bei der EM in Schweden den Titel zu holen. Die 49-Jährige achtet auf jedes Detail - und lässt deswegen in einem Industriegebiet trainieren.

Schließlich ist nach den vielen Ausfällen in der Vorbereitung gut die Hälfte der Mannschaft gerade mal Anfang 20 und das Team insgesamt wenig eingespielt. Unter solchen Bedingungen braucht es von der Trainerin umso mehr klare Vorgaben und ein festes taktisches Konzept, damit sich die Spielerinnen darin entwickeln und sicher fühlen können.

Ob Neid dafür die Richtige ist, war in der Vorrunde die immer wieder öffentlich diskutierte Frage. Die Antwort darauf haben Neid und ihr Team längst gegeben. Im Viertelfinale gegen Italien war plötzlich eine deutsche Elf zu sehen, die zwar nicht schön spielte, sich den Sieg aber mit Einsatz und taktischer Disziplin verdiente.

Im Halbfinale jetzt war eine deutsche Elf zu sehen, die neben diesen beiden Tugenden plötzlich auch noch Spielzüge zeigte. "Es ging heute darum, in der Defensive wie in der Offensive die richtigen Entscheidungen zu treffen", meinte Schwedens erfahrene Nilla Fischer, "und das haben wir, anders als die Deutschen, oft nicht gemacht."

Was Silvia Neid mit ihrer Mannschaft jetzt wohl im Finale vorhat? "Wir werden auf alle Fälle wieder alles geben", meinte Neid, und vielleicht sollte man darauf vertrauen: Auch sie ist eine, die weiß, was sie tut.