Silber bei Ski-WM für Felix Neureuther Tränen beim ersten Interview

"Das war das anstrengendste, was ich je macht habe", sagt Felix Neureuther, "und zugleich das schönste", und das umschreibt das Gesamtgefühl der deutschen Mannschaft schon ganz gut.

Es war später Nachmittag, als Felix Neureuther ins Schladminger Kongresszentrum kam, um noch mal darüber zu sprechen, wie er diesen Tag erlebt hatte, noch mal all die Fragen zu beantworten. "Das ist so speziell", sagte Neureuther. Er sagte "unglaublich", "der Wahnsinn", und so weiter. Die Emotion, die ein persönlicher Sieg erzeugt, und das war diese Silbermedaille für Neureuther ja: ein Sieg - diese Emotion trug Neureuther jetzt vor sich her, es gab ja keinen Grund, sie zu verstecken. Im ersten Fernsehinterview nach dem Rennen wischte er sich die Tränen aus den Augen, mehrmals, am Ende stammelte er.

Schladming war Neureuthers sechste WM, dazu kommen zwei Olympiateilnahmen, noch nie hat er eine Einzelmedaille gewonnen, obwohl er schon früh zu den talentiertesten Vertretern seines Sports gehörte. "Es hat immer geheißen, der Neureuther packt's nicht bei Großereignissen", sagt Felix Neureuther, und dass der Neureuther es jetzt doch gepackt hat, das, er atmet tief durch, "ach, das ist eine sehr, sehr große Genugtuung".

Dass er es packen kann, daran gab es auch innerhalb der Mannschaft vorsichtige Zweifel vor diesem Sonntag, hervorgerufen vor allem durch seinen ersten Durchgang im Riesenslalom am Freitag, in dem er den gleichen Fehler machte wie schon oft bei Großereignissen: höchst motiviert fahren, höchst aggressiv und mit höchster Fehlerquote.

Nach ersten Durchgängen hat Felix Neureuther bisher oft gesagt, er werde im zweiten Lauf voll angreifen, volle Attacke, solches Zeug, und deshalb waren die Zweifel diesmal spätestens nach dem ersten Durchgang verschwunden. Nach dem ersten Durchgang am Sonntag war Neureuther Zweiter, danach sagte er: Er werde sich "mit Marcel einen Fight liefern", von Attacke und vollem Angriff sprach er nicht. Felix Neureuther hat aus seiner Vergangenheit gelernt, endlich, das ist für ihn die wichtigste Erkenntnis dieses Sonntags.

Und jetzt? "Jetzt kommt Olympia in Russland", sagt Neureuther, "mal schauen, wie da die Stimmung wird." Und dann? "Kommt eine WM in Amerika, mal schauen, wie da die Stimmung wird, und danach", er überlegt kurz, "Olympia in Südkorea", nun: "mal schauen, wie da die Stimmung wird", Neureuther grinst. Schladming war einzigartig, für ihn vor allem.