Von Thomas Hummel

Werder Bremen bezwingt Hamburg 2:1 und ist mindestens erst einmal Tabellenführer der Fußball-Bundesliga.

Am lautesten klatschten die Bremer Fans bei einem Ereignis, das mit dem ungeliebten HSV wenig bis gar nichts zu tun hatte. Zehn Minuten vor Schluss kam Ivan Klasnic auf den Platz, zum ersten Mal im heimischen Weserstadion nach dessen Nierentransplantation. Es zeigte, dass Werder-Trainer Thomas Schaaf dem so schwer erkrankten Klasnic schon wieder voll vertraut, denn zu diesem Zeitpunkt war das brisante Spiel keineswegs entschieden. Doch die Gastgeber überstanden auch diese letzten Minuten und besiegten die Hamburger vor 42.000 Zuschauern mit 2:1. Bremen hat damit vorerst die Tabellenführung in der Bundesliga übernommen, bevor der FC Bayern am Sonntag wieder vorbeiziehen kann. Die Hamburger hingegen mussten in "einem Bundesligaspiel auf sehr hohem Niveau", wie Trainer Huub Stevens befand, die erste Niederlage seit dem 15. September hinnehmen.

Sanogo Bremen

Erfüllte sein Vorhaben gegen den HSV zu treffen: Boubacar Sanogo. (© Foto: AP)

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Trotz beginnendem Weihnachtsmarkt hatte es kaum ein anderes Gesprächsthema in der Stadt als das Fußball-Nordderby gegeben. Bei Menschen jeden Alters und Geschlechts quellten grün-weiße oder blau-weiße Schals aus dicken Mänteln heraus. 2000 HSV-Fans wollten gemeinsam vom Hauptbahnhof zum Stadion wandern, "um Stärke zu demonstrieren", wie ein Sprecher sagte. Angesichts der massenhaften Fan-Ansammlung legte eine ältere Dame in der Straßenbahn ihre Stirn in tiefe Falten, zog die Mundwinkel weitmöglichst nach unten und drehte mit ihrer Handfläche am Ohr wie Luca Toni beim Torjubel: "Werder gegen HSV - oh oh oh!"

Ein Besucher aus Oldenburg war derart elektrisiert, dass er sein Auto auf dem Parkplatz unabgeschlossen und mit laufendem Motor stehen ließ. Die Lager schmähten einander inbrünstig und besangen den bevorstehenden Sieg. Dabei hofften beide Seiten, dass ihre Klubs die Unwägbarkeiten in den Griff bekommen würden. Die Hamburger mussten 42 Stunden und 45 Minuten nach dem Uefa-Cup-Sieg gegen Rennes wieder auf den Rasen. Und obwohl Trainer Huub Stevens schon kurz nach der Partie am Donnerstag ein umfangreiches Regenerationsprogramm mit Hometrainer-Strampeln und einminütigem Eisbad angeordnet hatte, machte seine Mannschaft zunächst einen müden Eindruck.

Bremen indes hatte zwar mit einer besseren B-Elf unter der Woche bereits einen sehr starken Gegner (Real Madrid) besiegt, musste dieses Kunststück allerdings wiederholen. Immer noch fehlten Borowski, Frings, Wiese, Almeida, Fritz oder Wome. Immerhin war Regisseur Diego nach seiner Champions-League-Sperre wieder dabei, die Menschen freuten sich auf das so genannte "Spielgestalter-Duell" mit Hamburgs Rafael van der Vaart.

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