Serie A Berlusconi spricht aus, was alle denken

Präsident aus dem Off: Der frühere Klubchef Silvio Berlusconi ist im Umfeld des AC Mailand immer noch sehr präsent.

(Foto: AFP)
  • Obwohl der AC Mailand 230 Millionen Euro investiert hat, ist das Team vor dem Derby gegen Inter nur Siebter.
  • Ex-Präsident Berlusconi kritisiert den Klub, den er nur schweren Herzens abtrat, wie er sagt.
Von Birgit Schönau, Rom

Gut 230 Millionen Euro auf dem Transfermarkt gelassen, und dann das: Siebter Tabellenplatz, vor der Länderspielpause noch eine saftige 0:2-Klatsche zu Hause in San Siro vom AS Rom. Am Sonntag ist Derby gegen Inter, die sind sieben Punkte weiter, auf Platz drei. Inter gegen Milan, das war mal Berlusconi gegen Moratti, zwei Mailänder Familienclans, die sich die Macht in der Stadt und im Fußball teilten. Heute tritt bei der Stadtmeisterschaft China gegen China an, das letzte Derby wurde deshalb mittags um 12.30 Uhr angepfiffen, zur Primetime in Fernost. Hinter Inter stehen Zhang Jindong und sein Elektronikkonzern Suning. Die von Luciano Spalletti geleitete Mannschaft gilt als einer der Favoriten in der Meisterschaft. Bei Milan aber kriselt es, gerade wurde der Fitnesstrainer entlassen.

"Die haben kein Spiel, keine Idee"

Da wird man ja wohl noch etwas sagen dürfen als Presidentissimo a. D. und "Schöpfer der italienischen Fußballrenaissance", wie ihn einst sein Angestellter Arrigo Sacchi anschmachtete. Also spricht Silvio Berlusconi aus, was sowieso schon alle sehen: "Die Mannschaft funktioniert nicht." Und Berlusconi wäre nicht Berlusconi, wenn er nicht genau wüsste, woran das liegt. Nämlich erstens am Management: "Ich verstehe deren Transfermarkt nicht. Elf neue Spieler, was soll das? Für dieses schöne Geld hätte man auch einen Weltklassespieler kaufen können." In 31 Jahren als Besitzer hatte Berlusconi große Namen nach Mailand geholt, von den drei Holländern van Basten, Rijkaard und Gullit über die Brasilianer Kakà und Ronaldinho bis zum Superschweden Zlatan Ibrahimovic. Nicht zu vergessen die Italiener: Inzaghi, Maldini, Costacurta, Baggio.

Und heute? Gibt die glorreiche Associazione Calcio Milan 40 Millionen für den nicht mehr ganz taufrischen Abwehrspieler Leonardo Bonucci vom Konkurrenten Juventus aus. Dass Bonucci dazu gleich die Kapitänsbinde bekam, findet Berlusconi falsch. "Wozu haben wir Riccardo Montolivo? Der war dran." Wie sauer Montolivo ist, kann man zwar nicht sehen. Wie verstört Bonucci ist, aber schon. Der neue Milan-Kapitän zelebriert auf dem Platz ausgiebig seine Identitätskrise. Was bin ich noch mal, und wozu bin ich hier? Der weithin gefürchtete Leo Bonucci, vor dessen grimmigem Lächeln die Stürmer der Welt zitterten, ist zahnlos, harmlos, planlos, seitdem er das schwarz-weiße Juve-Trikot gegen das schwarz-rote von Milan getauscht hat. Und somit ein perfekter Repräsentant seiner neuen Mannschaft.

Der erfolgloseste Klub der Premier League

Sieben Pleiten und 0:17 Tore - Crystal Palace ist historisch schlecht in Englands erste Liga gestartet. Das liegt auch an der ständigen Neuausrichtung des Klubs. Von Julian Budjan mehr ...

"Gefällt mir nicht, wie die spielen. Die haben kein Spiel, keine Idee", kommentiert aus dem Off der alte Präsident, das heißt, so richtig off ist das gar nicht, bedient er sich doch wie in guten alten Zeiten des Corriere della Sera. Die bürgerliche Tageszeitung hat dem Ex-Fußballpräsidenten und Ex-Regierungschef viel Platz für seine Abrechnung mit den Neuen bei Milan eingeräumt. Dabei knöpft sich Berlusconi auch jemanden vor, den er selbst noch angeheuert hat - Vincenzo Montella, den Trainer. Der 43-jährige Neapolitaner macht in den Augen seines früheren Chefs wirklich alles falsch: "Erklärt mir mal, wie man Suso und Bonaventura dauernd auf die Bank setzen kann, wenn die beiden doch die besten Techniker sind. Und wieso man dauernd über die Außenbahnen spielen lässt, immer das gleiche Schema mit den Flanken in die Mitte!"

Er selbst habe Montella gar nicht holen wollen, berichtet Berlusconi dem Corriere. "Ich wollte, dass Cristian Brocchi bleibt. Aber ich war im Krankenhaus, zwischen Leben und Tod." Er hatte es am Herzen. "Und flugs hatten sie Montella engagiert." Anstatt ihm ewig dankbar zu sein, habe der Neapolitaner nur Widerworte gegeben. "Ich wollte ihn beraten, und er antwortete: Grazie, Präsident, aber die Aufstellung mache ich dann schon selbst." Unerhört!