Serena Williams Wie eine Schwangerschaft die sportliche Leistung steigern kann

Erwartet ein Kind und beendet ihre Saison: Tennisspielerin Serena Williams.

(Foto: AFP)
  • Serena Williams gewann im Januar die Australian Open - wie sich jetzt herausstellt, war sie seinerzeit im zweiten Monat schwanger.
  • Doch Schwangerschaft und Spitzensport schließen sich nicht aus.
  • Mediziner gehen davon aus, dass in den ersten Monaten einer Schwangerschaft die Leistungsfähigkeit steigt.
Von Florian Raz

Erst wird gerechnet, dann kommt die Überraschung: Serena Williams gibt bekannt, dass sie in der 20. Woche ihrer Schwangerschaft steht. Und damit irgendwie auch, dass sie bei ihrem Sieg des Australian Open im zweiten Monat schwanger war. Aber Schwangerschaft und Spitzensport, geht das überhaupt?

Die Antwort mag verblüffen, aber sie lautet: Na klar, geht das! Zumindest, was die ersten drei Monate einer Schwangerschaft betrifft. Und Williams ist auch nicht die erste Spitzensportlerin, die schwanger einen grossen Triumph errungen hat.

Anders, als der Laie im ersten Moment vermuten würde, muss eine frühe Schwangerschaft kein Nachteil sein, wenn es darum geht, körperliche Höchstleistung abzurufen. Ganz im Gegenteil: Die Herzleistung steigt in den ersten drei Monaten, es kommt zudem zu einer Zunahme des Blutvolumens, des Hämoglobins und der roten Blutkörperchen. Das alles führt zu einer erhöhten Sauerstoffzufuhr der Muskeln.

Bis zu 30 Prozent mehr Leistung

Es gibt Schätzungen darüber, wie groß dieser "Vorteil" sein könnte. Einige Mediziner gehen davon aus, dass die körperliche Leistungsfähigkeit um 10 Prozent gesteigert werden könne. Andere schreiben, die Muskelleistung könne gar um 30 Prozent zunehmen. Kommt dazu, dass die Muskeln geschmeidiger und die Gelenke beweglicher werden.

Natürlich gibt es Umstände einer Frühschwangerschaft, die dagegensprechen, sportliche Grosstaten zu vollbringen. Über die Hälfte der werdenden Mütter klagt über Übelkeit. Dazu leidet jede zehnte unter einer Schwangerschaftsdepression.

Und doch sind die positiven Nebenwirkungen einer frühen Schwangerschaft auf die körperliche Leistungsfähigkeit so groß, dass sie auf der Doping-Präventions-Website der Technischen Universität München beschrieben werden.

Das Mädchen aus der Gangsterstadt

Mit vier Jahren zieht Serena Williams in den berüchtigten Ort Compton, mit neun steht sie neben Ronald Reagan. Nun hat sie 23 Grand-Slam-Titel gewonnen und bastelt weiter an ihrer großen Geschichte. Von Jürgen Schmieder mehr ...

Immer wieder kursieren deswegen Gerüchte, Spitzensportlerinnen würden punktgenau vor Grossanlässen schwanger - und liessen den ungewollten Fötus danach abtreiben. Es gibt allerdings keine Beweise für dieses "Abtreibungs-Doping", das vor allem den Ländern des Ostblocks in den Zeiten des Kalten Krieges nachgesagt wird.

Zwar zeigte der TV-Sender RTL 1994 ein Interview mit einer Frau, die sich als die ehemalige Turnerin Olga Kowalenko ausgab. Diese berichtete, die sowjetischen Turnerinnen seien vor den Olympischen Spielen 1968 zu einer Schwangerschaft gezwungen worden. Doch Kowalenko bestritt danach vehement, dieses Interview gegeben zu haben, und gewann sogar Gerichtsprozesse gegen Zeitungen, welche die Geschichte weiterverbreiteten.

Auch in den Doping-Unterlagen der ehemaligen DDR, die nach dem Mauerfall 1989 intensiv untersucht wurden, gibt es keine Hinweise darauf, dass Schwangerschaften im Ostblock gezielt zur Leistungssteigerung missbraucht wurden.