Kollegen und Fans schätzten ihn sehr. Doch Robert Enke musste in seiner Karriere viele Rückschläge privater und beruflicher Natur verkraften. Am Dienstagabend nahm sich der Torhüter das Leben.
Am Morgen hat er noch kurz mit einem Freund telefoniert, aber Robert Enke hatte nicht viel Zeit. Er würde am Abend zurückrufen, sagte er, aber zu diesem Anruf kam es nicht mehr. Am Abend erreichte eine Nachricht die Republik, die so erschütternd war, dass man sie erst kaum glauben mochte. Robert Enke sei tot, hieß es, verstorben mit 32 Jahren. Kurz darauf wurde die Nachricht bestätigt, von Martin Kind, dem Präsidenten von Enkes Klub Hannover 96 und auch von Jörg Neblung, Enkes Freund und Manager.
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Nach außen wirkte er stark, doch offenbar war er viel labiler als alle dachten: Robert Enke. (© Foto: Getty Images)
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"Das ist ganz furchtbar"
Kurze Zeit später wurde dann ein knappes Kommuniqué eines Polizeisprechers übermittelt, und die Kargheit der Formulierung machte die unfassbare Nachricht noch unfassbarer: Es habe "einen tödlichen Unfall an einem Bahnübergang gegeben", sagte Stefan Wittke, Leiter der Pressestelle der Polizei Hannover. Wieder ein paar Minuten später erklärte Wittke, alles deute auf Selbsttötung hin. Enke wurde von einem Zug erfasst und dabei tödlich verletzt.
Am Abend bestätigte sein Manager Neblung: "Robert hat sich um kurz vor sechs Uhr das Leben genommen."
"Das ist ganz furchtbar", sagte Hannovers Präsident Martin Kind über jenen Vorfall, der sich in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Eilvese ereignet hatte. Robert sei zuletzt labil gewesen, sagte Kind der Deutschen Presse-Agentur, das sei der Öffentlichkeit nur nicht so aufgefallen. "Er hat das überlagert", sagte Kind, er sei sich aber "sicher, dass es nichts mit Fußball zu tun hatte".
Am Abend informierte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Nationalspieler, die sich am Dienstag in einem Hotel in Bonn zur Vorbereitung auf zwei Testländerspiele getroffen hatten. "Wir sind geschockt, uns fehlen die Worte", sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff.
Aus Leidenschaft karitativ
So erging es am Dienstagabend allen, die Enke kannten, einen klugen, souverän wirkenden Zeitgenossen, der stets eine angenehme Autorität ausstrahlte und sich leidenschaftlich für karitative Zwecke engagierte. Nur ganz enge Begleiter aus Hannover wussten zu berichten, dass der stets freundliche Profi zuletzt etwas einsilbiger und verschlossener gewirkt habe als sonst.
Er, der in seiner Karriere mit so vielen Rückschlägen sportlicher und privater Natur zu kämpfen hatte, musste zuletzt schon wieder eine Menge verarbeiten: Seit geraumer Zeit litt er unter einer rätselhaften, zunächst schwer diagnostizierbaren Viruserkrankung, die später als Bakterien-Erkrankung des Darmes angegeben wurde.
Die Krankheit ließ ihn neun Bundesliga-Spiele verpassen, aber was ihn deutlich schwerer traf: Sie warf ihn auch in der Nationalmannschaft zurück - kurz bevor er sich endgültig den Posten als Stammtorwart sichern konnte. Bundestrainer Joachim Löw hatte ihm einen Einsatz im WM-Qualifikationsspiel in Russland am 10. Oktober versprochen, jener Partie, die allgemein als Vorentscheidung im sogenannten deutschen Torwart-Wettstreit empfunden worden war. Enke musste absagen, wegen seiner Erkrankung. Ein Jahr zuvor hatte er auch das Hinspiel gegen Russland absagen müssen; wegen eines Kahnbeinbruchs. In beiden Spielen glänzte sein Vertreter, der Leverkusener René Adler.
Aber dies sind nur zwei Episoden aus dem an kleineren und größeren Unglücksfällen reichen Leben des hochveranlagten Torwarts Robert Enke, der als junger Mann erst ins Ausland gehen musste, um als Torwart Anerkennung zu finden.
Der schwerste Schicksalsschlag, der einen Menschen treffen kann
Aber all die Turbulenzen, die er in der Fremde erlebte, das Chaos bei Fenerbahce Istanbul, das Reservistendasein beim FC Barcelona, die Anonymität beim Zweitligisten CD Teneriffa, verblasste hinter dem schwersten Schicksalsschlag, der einen Menschen treffen kann. Im Jahr 2006 starb Enkes Tochter Lara im Alter von zwei Jahren an einem angeborenen Herzfehler.
Die Branche hat damals einen sehr tapfer wirkenden Sportsmann Robert Enke kennengelernt, der einen entscheidenden Teil der Trauerarbeit auf dem Fußballballplatz verrichtete. Er hat sich gleich wieder ins Tor gestellt, und die Branche hat ihn bewundert, weil sein Torwartspiel unter der Katastrophe nicht gelitten hatte.
Anvisierte Nummer 1 in Südafrika
Im Tor war der souveräne Robert Enke, und es machte ihm schon Freude, der Nation zu zeigen, wie sehr sie ihn bis dahin verkannt hatte. Er zeigte dem auf Kahn'sches Torwartspiel gepolten Land, wie ein moderner Torwart Fußball spielt, und am Ende schien seine wechselhafte Karriere doch noch jene Stabilität zu finden, die dieser Torwart verdient hatte. Andreas Köpke, der Bundestorwarttrainer, galt als Verfechter von Enkes Torwartspiel, und nicht wenige in der Branche glaubten, dass Enke immer noch gute Chancen hatte, bei der WM 2010 in Südafrika als Nummer 1 aufs Feld zu laufen.
Erst jetzt lässt sich ermessen, wie sehr die zahlreichen Rück- und Niederschläge im Torwart und Menschen gearbeitet haben müssen. Außenstehenden galt Robert Enke als stabil, erst recht, seit er und seine Frau Teresa im Mai ein zwei Monate altes Mädchen adoptiert hatten, deren Entwicklung beiden viel Freude bereitete. Nach außen wirkte alles normal im Leben des Profi-Fußballers: Für Mittwoch, zwölf Uhr, hatte er ein Interview mit zwei Journalisten vereinbart.
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(SZ vom 11.11.2009/ehr)
Entspannter Vierbeiner
Ich trauere um Robert Enke !
Hatte er nur noch die Kraft, sein Leben auf so schreckliche Weise fortzuwerfen ?
Ich würde gerne verstehen.
Mein Beileid gilt seinen Angehörigen !
...aber Tatsache ist, niemand, noich nicht einmal die engsten Angehörigen, können nachvollziehen, was in so einem Menschen in so einem Moment vorgeht. Ich habe über die Jahrzehnte zwei gute Freunde durch Selbstmord verloren, und für mich seht die Frage auch immer noch im Raum, ohne daß ich eine Antwort wüßte.
Und auch darüber, was man hätte tun können, vor allem, wenn einem klar war, daß der Freund in einer Krise ist, bin ich mir noch nicht im Klaren. Einfaches "da sein", das Gespräch suchen, positive Seiten des Lebens herausstellen, reichte nicht aus. Und ich weiß nicht, ob es geholfen hätte, darauf zu drängen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der zusätzliche Druck wäre vielleicht genau das falsche gewesen. Und Therapie hilft nur, wenn der Betreffende selber sieht, daß er es ohne "nicht schafft".
Womöglich hätte man weniger "drum rum" reden sollen, klar sagen, daß man sich ernste Sorgen macht, und darüber reden was ein Selbstmord für das Umfeld bedeutet. Den Betroffenen aus seiner Nabelschau herausreißen. Ihn mit der Frage konfrontieren, was ihm wichtig ist, wie er sich ein besseres Leben vorstellen könnte.
Ach, ich weiß es nicht. Hier scheitert der Hobby-Psychologe. Und die eigene emotionale Beteiligung verhindert, daß man Dinge objektiv sieht. Um so mehr wäre es nötig, daß die Gesellschaft Depressionen als ernstes, lebensbedrohendes Problem ansieht, und Hifen anbietet. Nur wenn das Thema enttabuisiert wird, werden die Betroffenen in der Lage sein, die Hemmschwelle zu überwinden, und Hilfe zu suchen. Wie Robert Enke's tragischer Tod zeigt, wäre dies dringend notwendig!
Ich bin fassungslos und traurig.
Seiner Familie wünsche ich alle Kraft der Welt.
Robert Enke wird mir fehlen, er war meine Nummer 1 im Tor der Nationalmannschaft.
Ich bin fassungslos und traurig.
Mach`s gut Robert Enke.
Mein Beileid an die Angehörigen von Robert Enke, den Lokführer und die vielen Menschen insbesondere an die Kinder, die diesen Menschen bewundert, ja sogar zum Vorbild hatten!
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