Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung Hoeneß zeigt Reue für "schweren Fehler"

Hoeneß und Adidas suchen die Öffentlichkeit. Der Bayern-Boss gibt sich in einem Interview einsichtig und sagt: "Ich will reinen Tisch machen." Und der Sportartikel-Konzern bestreitet, dass sein Ex-Chef, der Hoeneß Millionen lieh, etwas mit einem Deal der zwei Unternehmen zu tun hatte.

In der Diskussion über die Schweizer Millionen von Bayern-Präsident Uli Hoeneß suchen die Beteiligten die Öffentlichkeit. Der Sportartikelkonzern Adidas bestreitet, dass sein damaliger Chef Robert Louis-Dreyfus, der Hoeneß im Jahr 2000 die Summe von 20 Millionen Mark geliehen haben soll, in Verhandlungen über einen lukrativen Deal mit den Bayern eingebunden gewesen sein soll.

Auch Hoeneß selbst bemüht sich um Schadensbegrenzung. "Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen", sagte der Unternehmer und Bayern-Präsident der Sport Bild. "Ich will reinen Tisch machen. Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit."

Die politische Debatte um das Thema Steuerhinterziehung hat durch die Affäre wieder richtig Fahrt aufgenommen. Am vergangenen Samstag war bekanntgeworden, dass die Staatsanwaltschaft München II gegen den Fußball-Funktionär und Financial-Fairplay-Verfechter wegen Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Hoeneß hatte sich selbst angezeigt und muss nun viel geld nachzahlen. Einzelheiten wollte die Ermittlungsbehörde, die sich nach der Selbstanzeige in den Fall eingeschaltet hatte, aber nicht mitteilen. Nach SZ-Informationen hatte der ehemalige Adidas-Chef und Hoeneß-Freund Louis-Dreyfus dem damaligen Bayern-Manager im Jahr 2000 auf einem Konto der Schweizer Privatbank Vontobel 20 Millionen Mark für Spekulationsgeschäfte zur Verfügung gestellt - kurz bevor der FC Bayern eine "strategische Partnerschaft" mit Adidas vereinbarte. In dieser Zeit versuchte auch Adidas' Konkurrent Nike, mit europäischen Top-Klubs entsprechende Vereinbarungen zu schließen.

Bayern-Sponsor Adidas äußerte sich nun zu dem Deal und einem möglichen Zusammenhang mit Louis-Dreyfus Geldtransfer an Hoeneß. In einer Pressemitteilung heißt es: "Aus gegebenem Anlass gibt der adidas Konzern bekannt, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende der adidas AG, Robert Louis-Dreyfus, nicht in die Verhandlungen über eine strategische Partnerschaft mit dem FC Bayern München involviert war." Bereits zum 1. Januar 2000 habe sich der Konzernchef aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Sein Stellvertreter Herbert Hainer habe dieses übernommen, schon bevor er am 8. März 2001 den Chefposten ganz von Luis-Dreyfus übernommen habe. Zu den angeblichen Wetten der beiden Freunde gibt Adidas lediglich bekannt: "Etwaige private Geschäfte zwischen Robert Louis-Dreyfus und Uli Hoeneß kann der Adidas-Konzern nicht kommentieren." Hoeneß' Anwalt hatte der SZ am Montag gesagt: "Ich habe Herrn Hoeneß empfohlen, derzeit keine Anfragen zu beantworten. Er folgt diesem Rat."

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