Aber dann kamen drei Richter des Welt-Sportgerichtshofs Cas ins Spiel, reisten von Lausanne nach Shanghai, bildeten ein Ad-hoc-Panel - und erteilten dem Brasilianer die Startfreigabe. Ihre Urteilsbegründung? Wird nachgereicht, wenn die WM längst Geschichte ist.
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Im Mai waren bei Cielo und drei weiteren brasilianischen Schwimmern Rückstände des Wirkstoffs Furosemid gefunden worden. Das Mittel kann eingesetzt werden, um Gewicht zu reduzieren, oder um Spuren von Dopingmitteln zu verschleiern. Deshalb ist es verboten. Cielos Erklärung lautete: Einige der Koffeinkapseln, die er seit Jahren von einem Arzneimittelhersteller in seiner Heimatstadt Santa Bárbara d'Oeste beziehe, und die er auch an Teamkameraden weitergebe, müssten verunreinigt gewesen sein.
Der brasilianische Verband CBDA glaubte ihm diese Geschichte und beließ es bei der mildesten Sanktion überhaupt: einer Verwarnung. Eine andere Athletin, Daynara De Paula, hatten die gleichen Funktionäre für das gleiche Vergehen noch sechs Monate gesperrt. Warum nicht auch Cielo? Die Verbandsärztin, eine ehemalige Triathletin, plauderte den Grund ziemlich arglos aus: "Die Jungs haben in zwanzig Tagen eine WM!"
Es ist der alte Konstruktionsfehler, dass im Sport die Verbände ihre eigenen Athleten sanktionieren - von deren Erfolge sie zugleich profitieren. Und in Brasilien tun sich die Offiziellen derzeit besonders schwer mit dem Eingeständnis, dass sie offenbar ein grundsätzliches Problem haben: Neun Schwimmer des Landes sind in den vergangenen 18 Monaten mit Positivtests aufgefallen. Und nun also: verunreinigte Koffeinkapseln?
Die Apotheke Anna Terra jedenfalls, die das Malheur verschuldet haben soll, weist den Vorwurf entschieden zurück, in ihren Laboren könne es zu Verunreinigungen kommen. Zur Not werde man auch Prozesse nicht scheuen, um herauszubekommen, wie Cielo die angebliche Verunreinigung bewiesen habe.
Die Cas-Richter werden also gute Argumente anführen müssen dafür, dass sie einen Grundpfeiler des Anti-Doping-Kampfs gekappt haben mit diesem Urteil: das Prinzip, wonach jeder Sportler selbst dafür verantwortlich ist, was in seinen Körper gelangt. Die Sportgeschichte jedenfalls ist voll von Athleten, die wegen Furosemid im Körper eine Zwangspause einlegen mussten.
César Cielo sagt: "Ich bin durch diese Geschichte nur stärker geworden." Warum ein Schwimmer wie er täglich eine Koffeinkapsel schluckt, diese auch ziemlich interessante Frage ist bisher zurückgestanden hinter all dem juristischen Kleinklein. In dieser Woche jedenfalls will der Brasilianer noch seine WM-Titel über 50 und 100 Meter Freistil verteidigen. Es wird wohl noch einige Tränen geben in Shanghai.
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(SZ vom 26.07.2011/koka)
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Hey, hat der Typ Verona bei Beckmann gesehen?
Doping? Was ist das?