US-Schwimmstar rehabilitiert sich für Biedermann-Pleite mit neuem Weltrekord über 200 Meter Schmetterling. Auch eine Deutsche stellt eine neue Bestmarke auf - verliert sie aber gleich wieder.

Daniela Samulski mit Weltrekord-Krimi, WM-Neuling Hendrik Feldwehr nur knapp an einer Medaille vorbei: Deutschlands Schwimmer sorgen bei den Weltmeisterschaften in Rom weiter für Aufsehen. Die Essenerin Samulski legte am Mittwoch im Halbfinale über 50 Meter Rücken in 27,38 Sekunden einen Weltrekord vor - und verlor ihre Bestzeit nur eine Minute später an die Russin Anastasia Zuewa, die noch 1/100 Sekunde schneller war. Samulski kündigte für das Finale an diesem Donnerstag Revanche an: "Dann muss ich ihn mir wohl zurückholen." Dem Vierten Feldwehr fehlte über 50 Meter Brust 1/10 Sekunde zu Bronze. "Da bleibt ein bitterer Beigeschmack", sagte der 22-Jährige. Die Rekordflut und mangelnde Doping-Kontrollen bei der WM haben indes den Weltverband in Erklärungsnot gebracht.

Michael Phelps Schwimm WM Rom dpa

Freier Oberkörper, trotzdem neuer Weltrekord: Michael Phelps über 200 Meter Schmetterling. (© Foto: dpa)

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Sieben Weltrekorde am Mittwoch erhöhten die Zahl der Weltbestzeiten zur WM-Halbzeit bereits auf 22. Vor zwei Jahren in Melbourne waren es am Ende nur 15. Mit zweimal Gold und zweimal Silber hat das deutsche Team die Vorgabe schon erfüllt. Dabei startet Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen erst an diesem Donnerstag in ihre Einzel-Rennen. "Wir sind in der Weltspitze zurück", sagte Bundestrainer Dirk Lange.

"Ich bin froh, mit persönlicher Bestzeit im Finale zu sein. So schlecht kann ich nicht gewesen sein", sagte Samulski nach ihrem Rekord-Krimi im Halbfinale, "morgen wird es spannend. Ich freue mich. Im Finale werden die Karten neu gemischt." Silber zum Auftakt mit der Staffel hatte Samulskis Selbstbewusstsein gestärkt. "Mit einer Medaille im Gepäck schwimmt es sich leichter."

Feldwehr war beim Weltrekord des Südafrikaners Cameron van der Burgh (26,67) über 50 Meter Brust in 26,95 Sekunden nahe dran an einer Medaille. "Ich ärgere mich ein bisschen, mit der Zeit von gestern wäre ich Dritter geworden", sagte der Essener, der im Halbfinale Europarekord geschwommen war. "Ich denke, morgen kann ich mich über den vierten Platz freuen." Yannick Lebherz (Darmstadt) verfehlte über 200 Meter Lagen nach deutscher Bestmarke (1:58,94) im Vorlauf als Halbfinal-13. den Endlauf. Bitter enttäuscht war der Hamburger Steffen Deibler, der als 22. über 100 Meter Freistil schon im Vorlauf scheiterte.

Michael Phelps meldete sich einen Tag nach der bitteren Niederlage gegen Paul Biedermann über 200 Meter Freistil mit Weltrekord als Sieger über 200 Meter Schmetterling zurück. In 1:51,51 Minuten ließ der 14-malige Olympiasieger aus den USA der Konkurrenz nicht die Spur einer Chance. Dabei trug Phelps keinen der neuen Ganzkörper-Hightech-Anzüge, die die Schwimmer so hoch immer Wasser liegen lassen, sondern schwamm mit freiem Oberkörper nur mit Plastikhose.

Federica Pellegrini verzückte Italiens Schwimm-Fans über 200 Meter Freistil mit ihrer zweiten Gold-Medaille und schlug in 1:52,98 Minuten wie schon am Vortag mit Weltrekord an. Die Amerikanerin Mary Descenza schwamm in 2:04,14 Minuten schon im Vorlauf über 200 Meter Schmetterling Weltrekord. Annika Mehlhorn aus Baunatal zog mit deutscher Rekordzeit (2:06,45) in das Halbfinale ein, scheiterte dort aber als Zehnte.

Über 800 Meter Freistil pulverisierte der Chinese Zhang Lin den vier Jahre alten Weltrekord der lebenden australischen Schwimm-Legende Grant Hackett förmlich. Lin blieb in 7:32,12 Minuten 6,53 Sekunden unter der bisherigen Bestmarke von Hackett. Der Italiener Federico Colbertaldo verbesserte seinen Europarekord aus dem Vorlauf um 45 Hundertstel auf 7:43,84 Minuten musste sich aber hinter Lin, dem Tunesier Oussama Mellouli (7:35, 27) und dem Kanadier Ryan Cochrane (7:41,92) mit Platz drei begnügen.

Die Fina ist unterdessen beim Anti-Doping-Kampf unter Druck geraten. Offensichtlich werden in Rom nur Urin-Tests, aber keine Blutproben vorgenommen. "Wenn das so stimmt, dann muss man sagen, dass dies nicht den heutigen Anforderungen an Dopingtests entspricht", sagte der Nürnberger Pharmakologe und Doping-Experte Professor Fritz Sörgel, "da muss man ja schon fast den Radsport loben." Sörgel machte deutlich: "Ohne Bluttest sind die populärsten Doping-Formen wie Eigenblutdoping und Epo-Doping nicht zu erfassen. So fängt man keinen Doping-Sünder."

Doppel-Weltmeister Paul Biedermann warnte vor Pauschalverdächtigungen und Bundestrainer Lange nahm die Fina in die Pflicht: "Wir wollen nichts schönreden und gerade deshalb brauchen wir Glaubwürdigkeit bei den Kontrollen. Dem Sportler kann man nichts vorwerfen, aber der Weltverband muss handeln."

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(dpa/hum)