Schweinsteiger in Chicago Ankunft des Fußballgottes

  • Die Erwartungen bei Chicago Fire an Weltmeister Bastian Schweinsteiger sind riesig.
  • "Ihr wisst gar nicht, wie viel mir das bedeutet, dass so viele Leute gekommen sind", ruft Schweinsteiger den Fans zu.
  • Schweinsteiger könnte schon am Samstag gegen Montreal Impact erstmals für Fire spielen.
Von Jürgen Schmieder

Nein, die Aufregung in Chicago war dann doch nicht so gewaltig wie am 18. März 1995, als der Basketballspieler Michael Jordan seine Rückkehr zu den Chicago Bulls mit einem Fax an die Profiliga NBA verkündete, auf dem nur stand: "I'm back!" Ich bin zurück.

Als Bastian Schweinsteiger am Mittwochvormittag zum Training des Fußballvereins Chicago Fire erschien, lief er locker ein paar Runden, spielte einige Pässe und scherzte mit Kollegen. Dann präsentierte er eine Grätsche, die international anerkannte Fußballerbotschaft: "I'm here!" Ich bin jetzt da.

Zur ersten Pressekonferenz waren Reporter eingeladen - und die eigenen Klubfans

Am Nachmittag wurde er auf einer Pressekonferenz vorgestellt, zu der nicht nur Reporter eingeladen waren, sondern auch Fans des Klubs - und die erschienen wie schon am Tag zuvor am Flughafen in Massen. Die Aufregung mag nicht so groß sein wie bei Jordan, sie ist dennoch gewaltig. "Ihr wisst gar nicht, wie viel mir das bedeutet, dass so viele Leute gekommen sind", ruft Schweinsteiger den Fans zu: "Ich glaube, dass ich noch viel zu geben habe. Ich will mich jetzt so schnell wie möglich an die Liga und die Kollegen gewöhnen. Weil jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht gerne verliere oder unentschieden spiele."

Schweinsteiger ist, bei allem Respekt für Andrea Pirlo (New York City FC) und Kaká (Orlando City), der bedeutsamste Zugang, den sich die Profiliga Major League Soccer je geleistet hat. Selbst jene Amerikaner, die sich nur alle vier Jahre anlässlich der WM für Fußball interessieren, haben noch diese Bilder im Kopf, wie Schweinsteiger im Finale gegen Argentinien mit blutverschmiertem Gesicht auf dem Rasen sitzt, wie er die Kapitulation verweigert und wie er später mit getackerter Narbe den Pokal in die Höhe reckt.

"Ich will der Mannschaft und dem Klub helfen"

Auf der Pressekonferenz ist genau dieses Bild - der abgekämpfte Schweinsteiger mit WM-Pokal - auf zwei überdimensionalen Plakaten neben der Bühne zu sehen. Schweinsteiger wird, das war bei seiner Ankunft am Flughafen auf einem Banner zu lesen, als "Fußballgott" gesehen. Als höheres Wesen, von dem sich Verein wie Liga mehr erwarten als ein Lächeln und Pässe aus dem Gelenk. "Ich will der Mannschaft und dem Klub helfen. Natürlich ist es mein Wunsch, eines Tages den Titel zu gewinnen", sagt Schweinsteiger.

"Der Verein hat sich alleine durch die Ankunft von Schweinsteiger verändert", sagt Fire-Trainer Veljko Paunovic: "Sie hätten das Training heute sehen soll, wie sich jeder Spieler reingehängt hat." Chicago Fire ist ein notorisch erfolgloser Klub, der zuletzt vor 19 Jahren die Meisterschaft gewann und in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils auf dem letzten Platz landete. Derzeit liegt Fire auf Platz sieben der Eastern Conference und würde die Ausscheidungsrunde verpassen.

Schweinsteiger soll seinen Sport etablieren in einer Stadt, die die erste Meisterschaft der Cubs (Baseball) nach 108 Jahren gefeiert hat und derzeit auf den vierten Titel der Blackhawks (Eishockey) in acht Spielzeiten hofft. Die noch immer den Bulls (Basketball) huldigt und in zwei Jahren das 100-jährige Bestehen der Bears (Football) zelebrieren wird. Der Fußballgott soll für nichts weniger sorgen als Begeisterung für Fußball, diesen Verein und diese Liga. Bereits am Samstag gegen Montréal Impact soll Schweinsteiger auf dem Platz stehen. Er ist jetzt da.

Mourinho hat sich mit dem Falschen angelegt

Der ManUnited-Trainer hat Schweinsteigers Status offenbar unterschätzt - und ihn so ungewollt in den Heiligenstand erhoben. Kein Zweifel: In Chicago wird der Weltmeister alles daran setzen, "Großartiges zu schaffen". Kommentar von Thomas Hummel mehr...