Schwedens Stürmer Ibrahimovic König Zlatan regiert weiter

Zlatan Ibrahimovic hat die Attitüde eines Regenten, sein Auftreten pendelt zwischen Gangsterboss und Primadonna. Selbst Cristiano Ronaldo polarisiert bei weitem nicht so stark. Nun ist er mit Schweden ausgeschieden, das Land darf aber weiterhin auf seinen Zlatan hoffen. Oder mit ihm untergehen.

Aus Kiew von Thomas Hummel

Zlatan Ibrahimovic ging spazieren. Er schlenderte über den schönen Rasen und es fehlten nur ein paar Flipflops, eine Sonnenbrille und ein Handtuch über den Schultern und er wäre der perfekte Wochenend-Flaneur am Comer See gewesen. Doch hier war das Stadion Olimpiyskyi in Kiew, hier war EM, doch Ibrahimovic schlenderte.

Polarisierender Typ: Schwedens Zlatan Ibrahimovic.

(Foto: dapd)

Vorne im Ecke hatte er einen Zweikampf verloren, er war dabei hingefallen. Bis er aufstand, lief der Konter der Engländer, doch das sollten die anderen regeln. Waren ja noch zehn Schweden auf dem Platz, die würden das schon schaffen. Und die anderen Schweden schafften das auch, stoppten den Gegner und wollten nun selbst wieder nach vorne.

Kim Källström führte den Ball durchs Mittelfeld auf der Suche nach einer Anspielstation vorne. Ah ja, da ist er ja, Zlatan Ibrahimovic, unser Bester. Doch der bummelte immer noch 20 Meter im Abseits herum, Ibrahimovic nahm nicht mehr am Spiel teil. Der 30-Jährige aus dem Stadtteil Rosengard in Malmö ist der seltsamste Spieler dieser Europameisterschaft.

Sein Spiel hat die Attitüde eines Königs, sein Auftreten pendelt zwischen Gangsterboss und Primadonna. Selbst ein Cristiano Ronaldo polarisiert bei weitem nicht so stark wie dieser große Kerl aus Schweden mit dem schwarzen Zopf, dem Kinnbärtchen und den riesigen Tätowierungen auf dem Rücken.

Er hat die feinsten Füße, die ein Mensch von 1,95 Meter Größe jemals gehabt hat, dazu den mächtigsten Oberkörper des Turniers. Auf dem Feld ist der schwedische Stürmer der beste Teilzeitarbeiter Europas, rammt zwei Gegenspieler auf dem Weg und donnert den Ball auf das Tor, um sich danach minutenlang im Abseits zu entspannen. Während die Mitspieler hinten den Dreck wegräumen.

Das Kuriose dabei ist: Die Schweden nehmen das hin, finden ihren Zlatan gut. "Er hat heute wirklich gut gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung, die er in den zwei Spielen gebracht hat", sagte Trainer Erik Hamrén nach dem 2:3 gegen England und dem Aus bei diesem Turnier.