Amerell reagierte ratlos über Kempters Berufung: "Jetzt zeigt sich, ob die Präsidiumsmitglieder nur Marionetten des Präsidenten und des Herrn Fandel sind", sagte er, "man muss fragen, wer mit Kempter unter einer Decke steckt, wenn der mit solcher Gewalt geschützt werden muss".

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Für das Festhalten der DFB-Spitze an Kempter - den auch die Profiliga lieber aus dem Verkehr sähe, solange Prozesse anhängig sind - finden sich Motive. Sollte Kempter fallen, sollten sich gar Mails bewahrheiten, die er früh an Amerell geschickt hatte und in denen er bekundete, er wolle die Affäre beim DFB stoppen - dann würde nicht nur der Referee fallen. Zwanziger hat ja sein Amt von Kempters Wahrhaftigkeit abhängig gemacht.

Das Präsidium kann diese Wahrhaftigkeit nun an neuem Material überprüfen. Amerell hat allerlei Widersprüche vorgelegt, die sich aus Kempters Aussage beim DFB und Monate später beim Staatsanwalt ergeben. Selbst für Hocke gibt es da Neues: "Im Detail kannte ich das bisher nicht." Im Kern zu klären ist für den Spitzenfunktionär nun die DFB-Erklärung, man habe "Amerell damals zu den Vorwürfen nicht anhören können, weil der frühzeitig vom Funktionärsamt zurückgetreten war".

Hocke sagt zwar, er sei "überzeugt, dass damals alles rechtens war, und ich hoffe, dass es im Präsidium auch so geklärt wird". Indes kennt nicht mal der DFB-Vize jene Regel, die es unmöglich gemacht haben soll, Amerell zu Nötigungsvorwürfen anzuhören, die tief ins Persönliche gehen. Ein Anhörungsverbot dürfte es kaum geben, und Amerell hatte selbst darauf gedrängt, gehört zu werden. Auch ist er bis heute Verbandsmitglied. Hocke will Freitag "gegebenenfalls nachfragen, was genau diese rechtliche Basis war, wegen der man ihn damals nicht anhören konnte".

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(SZ vom 30.07.2010/leja)