Von Von Andreas Burkert

Es ist still geworden um den früheren Beinahe-Kanzler, seitdem er Mitte 2002 recht unehrenhaft aus der Regierung Schröder verabschiedet wurde. Nun bewirbt sich Rudolf Scharping als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.

München - "Was macht eigentlich: Rudolf Scharping?", fragte sich erst kürzlich das manager-magazin, und natürlich fand sich in der Geschichte noch einmal ein Hinweis auf die hierzulande mit großem Interesse aufgenommenen Badefotos des früheren Verteidigungsministers mit seiner Gräfin Pilati.

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Es ist still geworden um den früheren Beinahe-Kanzler, seitdem er Mitte 2002 recht unehrenhaft aus der Regierung Schröder verabschiedet wurde. Für die Sozialdemokraten sitzt er noch im Bundestag, ansonsten besitzt er an der Fletcher School in Medford bei Boston eine Gastprofessur und baut zurzeit mit Partnern eine Wirtschaftsberatungsfirma auf.

Doch wenigstens seine alten Freunde aus dem Radsport haben sich im Herbst an ihn erinnert, als sich der Verband in einer Führungskrise befand und die Suche nach einem neuen Präsidenten begann.

"Ich stehe zur Verfügung"

Seit Monaten gilt Scharping als erster Anwärter auf die Nachfolge von Sylvia Schenk. Der Internetdienst Radsport-News.com nannte ihn Anfang Dezember "den prominentesten Namen" der Bewerberliste, nur hatte Scharping, der interne Favorit auf das Amt, bisher zu alledem geschwiegen. Doch gestern sagte er dem sid: "Ich stehe zur Verfügung."

Offenbar hat Scharping gelernt aus seinem bisweilen naiven Verhalten, das ihn letztlich seine politische Karriere gekostet hat. Der 57-jährige Berufspolitiker nutzte die letzten Wochen dazu, die Verhältnisse im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) auszuloten, und vor allem mochte er sich nicht öffentlich erklären, so lange er sich nicht seiner Wahl sicher sein konnte. Das hat sich nun geändert.

Im Oktober hatte der BDR eine Findungskommission eingesetzt, die geeignete Kandidaten für die Nachfolge Schenks akquirieren sollte. Die frühere Leichtathletin aus Frankfurt war im September zurückgetreten, nachdem sie einen vermeintlichen Dopingverdacht gegen den Bahnfahrer Christian Lademann öffentlich gemacht hatte.

Der Vorfall galt als Gipfel eines heftigen Machtkampfes von Schenk mit dem gleichfalls heftig kritisierten Sportdirektor Burckhard Bremer (der schließlich aus dem BDR-Präsidium abgezogen wurde und entmachtet ist).

Angesichts dieser Turbulenzen wünschte sich Scharping vom Chef der Findungskommission und BDR-Vize Dieter Kühnle ein klares Votum, schließlich bedeutet das Sportamt für den Pfälzer Hobbyradler so etwas wie ein Comeback in der Öffentlichkeit.

Kühnle hat inzwischen alle Landesfürsten kontaktiert, gestern sagte er der SZ: "Die Mehrheitsverhältnisse sind klar, 14 der 16 Landesverbände haben sich für Scharping ausgesprochen."

Die Wahl Scharpings beim Verbandstag am 19. März in Saarbrücken gilt demnach als sicher, an der Basis ist er ohnehin gut bekannt. Bei den großen Erfolgen von Jan Ullrich und Erik Zabel hat man ihn ehedem stets bei den Ehrungen im Bild gehabt, wie er seine Idole herzte, als habe auch er gewonnen.

In der Nähe zum Telekom-Rennstall (Scharping: "Mit manchen bin ich befreundet") sieht Dieter Kühnle jedoch kein Problem, "das Team Gerolsteiner gab es eben damals noch nicht", meint er, "er ist ein guter Moderator, der auf alle zugeht."

Auch die mögliche Gegenkandidatur von Max Benz, 35, einem in der Radszene bekannten Hotelier aus dem Schwarzwald, sorgt Kühnle nicht. Der Landesverband Baden will Benz ins Rennen schicken.

Kommissions-Chef Kühnle nennt Benz zwar einen "fähigen, sehr aktiven Mensch", allerdings, so die Meinung beim BDR, fehle ihm die Erfahrung.

Kühnle hofft, Benz ziehe seine Kandidatur noch zurück; "wenn man sich blamiert, hat doch keiner was davon", sagt er ziemlich unmissverständlich. Kühnle kann sich stattdessen für Benz "einen Platz im Präsidium" vorstellen.

Am heutigen Donnerstag kommt die Kommission noch einmal in Frankfurt zusammen - sie wird dem Führungsgremium um den zurzeit interimistisch eingesetzten Präsidenten Fritz Ramseier Scharpings Wahl ans Herz legen. Die Landesvorsitzenden treffen sich am 19. Februar mit dem BDR, "und ich hoffe, dass ich dann die Unterstützung finde", sagt Scharping.

Seine Ziele hat er am Mittwoch schon einmal formuliert, der SZ sagte er, er verstehe sich "auch als Türöffner, denn ohne Sponsoren geht im Sport nichts".

Zudem wolle er dafür Sorge tragen, "dass es dem Radsport nicht so geht wie dem Tennis, wenn Jan Ullrich oder Erik Zabel einmal an ihr Karriere-Ende kommen."

Und Scharping betonte, er würde sich für ein Anti-Dopinggesetz einsetzen - wogegen sich sein Parteigenosse und Innenminister Otto Schily bislang stets ausgesprochen hat.

"Es bedarf bei diesem Problem der Anstrengung des Staates", sagte Scharping, "und ich bin mir übrigens nicht sicher, ob Schily immer noch bei seinem strikten Nein ist."

Dieter Kühnle meint übrigens, Scharpings Poolfotos seien doch gar kein Thema mehr. "Ich habe mich umgehört, der ist nicht so verbrannt wie der Lafontaine."

Kühnle freut sich außerdem, dass der designierte Präsident neuerdings in Frankfurt wohnt, nur wenige Kilometer entfernt von der Verbandszentrale. Kühnle findet, Scharping sei für den BDR "ein Glücksfall".

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