Von Philipp Selldorf

Der FC Schalke 04 spielt heute bei Atlético Madrid um den Einzug in die Champions League - Farfáns Wunderheilung läßt auf einen Einsatz hoffen.

Gelsenkirchen/Madrid - Mit 22 Spielern trat Schalke 04 am Dienstag die Reise nach Spanien zum Champions-League-Qualifikationsspiel bei Atlético Madrid an, vier von ihnen werden die Partie gemäß den Kadervorgaben der Uefa allerdings als Zuschauer auf der Tribüne erleben. Vier weitere Profis haben die Expedition erst gar nicht mitgemacht, darunter der im Sommer verpflichtete niederländische Nationalspieler Orlando Engelaar, der zwar wieder moderat trainiert, dessen Knieverletzung aber noch keinen Einsatz zulässt - schon gar nicht an einem Abend von so elementarer Bedeutung.

Training vor falschen Vereinsfarben - die Schalker Spieler im Estadio Vicente Calderón in Madrid. (© Foto: dpa)

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Schalke startet mit hauchdünnem 1:0-Vorsprung, und in Gelsenkirchen wie Madrid wird die Partie als Finale mit existentiellen Folgen verstanden: Der Sieger kommt in den Himmel, in die Champions League, der Verlierer in die Hölle, den Uefa-Cup. Angesichts der rauen Kampfhandlungen beim Hinspiel empfiehlt es sich für beide, für solide sitzende Schienbeinschoner zu sorgen.

Farfans schnelle Genesung und ein Olympia-Rückkehrer

An diesem Maßstab muss sich Trainer Fred Rutten orientieren, wenn er seine Elf nominiert und die sieben Spieler, die den Platz auf der Bank erhalten. Die zuletzt recht dünne Auswahl hat sich durch die Heimkehr des brasilianischen Olympiers Rafinha erweitert, und nachdem die eigentlich längerfristig abgemeldeten Jefferson Farfán und Jermaine Jones am Montag ein spezielles Training absolvierten, setzte sogar verbreitet Wunderglaube ein. Farfáns unerwartet beschleunigte Genesung erklärte Manager Andreas Müller jedoch mit dessen "Indianerblut".

Ob der beim ersten Treffen mit Atlético an der Schulter verletzte Peruaner tatsächlich spielfähig ist, bleibt offen bis zum Nominierungsschluss. Jones, den seine Kollegen als rasenden Abfangjäger im Mittelfeld schwer vermissen, wird wohl nur einen der Tribünenplätze erhalten. Vielleicht tröstet es ihn, dass er dann in der Nähe des großen Diego Maradona sitzen wird, der als Ehrengast angekündigt ist. Die außerordentlich abergläubischen Atlético-Fans sehen es mit Argwohn: Als Maradona im Vorjahr beim Pokalrückspiel gegen Valencia zuschaute, schieden die Hausherren prompt aus.

Bei einem Treffer winken 15 Millionen Euro

Die wesentliche strategische Frage ist aber nicht, ob Trainer Rutten den vorübergehend abtrünnigen Rafinha gnädig in die erste Auswahl aufnimmt, ob Asamoah, Krstajic oder Farfán in die Startelf rücken, sondern ob die Mannschaft mit allen Mitteln das 1:0 zu verteidigen sucht - oder ob sie selbst die Initiative zum Toreschießen ergreift. Ein einziger Treffer könnte bereits himmlische Wirkung haben, denn dann müsste Atlético drei Tore erzielen. Den Schützen könnte Schalke dann in Gold aufwiegen: Mindestens 15 Millionen ist der Einzug in die Hauptrunde wert. Die Betonung liegt auf mindestens.

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(SZ vom 27.08.2008/JBe)