Schalker 2:0 in Darmstadt Beweise auf der Maulwurfswiese

Die unter Schönspielverdacht stehende Schalker Mannschaft zeigt in Darmstadt, dass sie auch mit Kampf gewinnen kann. Es ist auch ein Sieg für den kritisierten Trainer André Breitenreiter.

Von Tobias Schächter, Darmstadt

André Breitenreiter gönnte sich nicht einmal die Andeutung eines Wortes der Genugtuung. Wobei: So offensiv wie der Trainer des FC Schalke 04 Fragen nach der Bedeutung des 2:0-Sieges in Darmstadt auswich, umso mehr entstand der Eindruck, dass da tief in ihm drin doch eine große Befriedigung saß.

Breitenreiter hatte eine harte Woche hinter sich: Ob der vom SC Paderborn gekommene Trainer nicht zu klein für das große Schalke sei und ob er die Spieler überhaupt noch erreiche, wurde nach der 1:3-Heimpleite zum Rückrundenauftakt öffentlich diskutiert. Sein Selbstvertrauen sei größer als sein Fachwissen und damit ecke er immer mehr an, wurde kolportiert. "Rufschädigung" nannte Breitenreiter die Berichte vom Fernsehsender Sky, den er in Darmstadt vor und nach dem Abpfiff boykottierte. Nach dem am Ende hochverdienten Sieg gegen einen überforderten Aufsteiger sagte er: "Es war wichtig, in die Erfolgsspur zurückzukommen und sich die Punkte zurückzuholen, die wir am vergangenen Wochenende verloren haben." Kein Wort in Richtung seiner Kritiker, auch nicht auf Nachfrage. Breitenreiter will das Thema klein halten, Erfolge sprechen lassen.

Bis zum 1:0 wirkt Schalke ratlos

Am allerbesten solche wie in Darmstadt, wo die unter Schönspielverdacht stehende Schalker Auswahl bei strömendem Regen auf einem Platz, der an eine Maulwurfswiese erinnerte, keinen "Schönheitspreis" (Breitenreiter), aber ein Kampfspiel gewann. Mittelfeldspieler Johannes Geis sah die Leistung als Beweis dafür, dass die Schalker Mannschaft eine Einheit sei. Und überhaupt, so Geis: "Wenn der Trainer uns nicht erreichen würde, könnten wir so ein Spiel nicht abliefern."

Ein Spiel auf schwierigen Rasenverhältnissen. Marcel Heller (l.) erreicht vor dem Schalker Eric Maxim Choupo-Moting den Ball.

(Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Zur Wahrheit gehört aber auch: Bis zum 1:0 kurz vor der Pause durch Max Meyer wirkte Schalke ratlos gegen intensiv verteidigende Darmstädter. Doch nach der Führung waren dann die Hessen ratlos - und nach dem 0:2 kurz nach der Pause von Leroy Sané war die Partie entschieden. Die mit Ballbesitz völlig überforderten Lilien konnten dem Spiel keine Wende mehr geben, auch weil Schalke an diesem Tag so schnell von Offensive in Defensive umschaltete wie selten zuvor in dieser Saison.

Ohne die Klasse von Leroy Sané wäre der Sieg nicht möglich gewesen

"Wir haben den Gegner fast mit seinen eigenen Waffen geschlagen", freute sich Breitenreiter. Allerdings: So schwach wie am Samstag hat Darmstadt selten gespielt. Und: Ohne die außergewöhnliche Klasse von Leroy Sané wäre der Sieg nicht möglich gewesen. Die Laufwege dieses Talents und seine Eleganz in Ballbehandlung und Bewegungsabläufen machten den Unterschied. Beim 1:0 bereitete er mit einem energischen Sprint über den halben Platz und einem Doppelpass mit Goretzka Meyers Tor mit einer Hereingabe von der Torauslinie vor. Und beim 2:0 nahm er einen tollen Pass von Meyer nach einem Diagonalsprint in vollem Lauf fast mit der Hacke mit und schoss dem unsicheren 98-Torwart Christian Mathenia dann den Ball aus zwölf Metern durch die Beine.

Schema & Statistik

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Sané zeigte sich "zufrieden" mit seiner Leistung. Eigentlich, erklärte er, habe man auf diesem Platz "nicht Fußball" spielen können. Wer das dann aber so macht wie er und Meyer in manchen Szenen, der beherrscht sein Handwerk. Als Sané in der 89. Minute den Platz vorzeitig verließ, applaudierten auch Darmstädter Fans. Meyer wurde kurz zuvor mit einem dicken Knöchel ausgewechselt, erklärte aber hinterher, dass er nicht glaube, schwer verletzt zu sein.

Schalke ist jetzt Fünfter. Mittelfeldspieler Johannes Geis sagte erleichtert, er wolle sich lieber nicht ausmalen, was los gewesen wäre, "hätte man dieses Spiel verloren". Durch den Erfolg aber haben die Gelsenkirchener den Anschluss an die Champions-League-Plätze gehalten - und das sei doch "enorm wichtig", sagte Geis.