Schalke 04 und Armin Veh Alltäglicher Wahnsinn

Das Gerede über eine Verbindung nach Schalke hat Armin Veh in den Verhandlungen mit Eintracht Frankfurt nicht geschadet. Nun hat er sich für die Fortsetzung seiner Arbeit bei seinem Klub entschieden. Die Schalker sehen dagegen nun wie Verlierer aus.

Ein Kommentar von Philipp Selldorf

Neulich wäre Thomas Tuchel während des Fernsehens fast vom Sofa gefallen. Zwar war die SZ nicht anwesend, als der furchtbare Unfall vermieden wurde, dennoch verfügt diese Zeitung über eine glaubhafte Quelle: Tuchel selbst hat darüber berichtet. Nun ließe sich einwenden, dass Tuchel geschwindelt haben könnte, als er sagte, er habe beinahe einen dieser Haushaltsunfälle erlitten, von denen es pro Jahr in Deutschland rund 2,7 Millionen gibt, weshalb die Behörden warnen: Die eigenen vier Wände sind der gefährlichste Ort überhaupt. Dass aber Tuchel nicht geschwindelt hat, das darf man ihm ruhig glauben.

Die Sache trug sich nämlich so zu: Er lag zu Hause auf dem Sofa und guckte Sportfernsehen, als dort behauptet wurde, er rede mit Schalke 04 über ein Engagement in der kommenden Saison. Dabei ist der Mainzer Trainer seit Monaten damit beschäftigt, Kontakte zu Schalke zu dementieren. Und jetzt, als er meinte, nun habe es aber jeder kapiert, kam diese Meldung, die sich auf "Gerüchte" berief. Tuchel bat daraufhin verzweifelt um Klarstellung, und Schalkes Manager Horst Heldt tat ihm den Gefallen: "Es hat keinerlei Gespräche oder sonstigen Kontakt gegeben", sagte er.

Dass Heldt hingegen in Verbindung mit Armin Veh stand, ist kein Gerücht, sondern eine Tatsache, die er unter Hinweis auf die Freundschaft zum Frankfurter Trainer selbst bestätigt hat. Aber hat er ihm auch ein Angebot gemacht? Einen unterschriftsreifen Vertrag vorgelegt? Vier Millionen Euro Gehalt offeriert? All das ist zuletzt mit journalistischem Anspruch in namhaften Sportmedien behauptet worden, stimmt laut Heldt aber trotzdem nicht. Man darf ihm das sogar glauben. Nicht obwohl, sondern weil er sein Interesse an Veh nie geleugnet hat.

Nun hat sich Veh für die Fortsetzung seiner Arbeit in Frankfurt entschieden, das Gerede über eine Verbindung nach Schalke hat ihm in den Verhandlungen mit seinem Klub möglicherweise nicht geschadet. Den Schalkern nutzt das nichts, sie sehen jetzt wie Verlierer aus, obwohl sie sich allenfalls passiv in den Wettbewerb begeben hatten. Und es ist klar, dass der Klub aus Gelsenkirchen jetzt erst recht das Ziel von Spekulationen und Gerüchten sein wird, was den amtierenden Chefcoach Jens Keller allerdings nicht zu stören braucht, weil er es gewohnt ist, als Trainer mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum betrachtet zu werden. Für ihn sind diese Debatten nicht mehr als der alltägliche Wahnsinn.

Wer jetzt garantiert ins Gespräch kommt: Roberto di Matteo, Marc Wilmots, Mike Büskens. Und natürlich Thomas Tuchel.

Mindestens so feinfüßig wie Lewandowski

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