Nach Manuel Neuer wurde es turbulent: Schalke 04 erlebt eine seltsame Torwartsaison. Weil Lars Unnerstall verletzt ist, steht künftig der frühere Nationalkeeper Timo Hildebrand im Tor. Der spielte vor kurzem noch in der Regionalliga - und hofft nun auf die Fortsetzung seiner Karriere.
Vor elf Jahren, als Schalke 04 für eine Zigarettenlänge deutscher Meister war, hat es das schon mal gegeben. Damals, mit Emile Mpenza und Ebbe Sand in der Angriffsspitze, schoss Schalke mehr Tore als jedes andere Bundesligateam, 65 waren es nach 34 Spieltagen. Am Sonntag beim 4:0 gegen Wolfsburg erzielte Klaas-Jan Huntelaar den Jubiläumstreffer der Saison: Nummer 50 im 22. Spiel ist zurzeit die nationale Bestmarke und lässt die Aussicht zu, dass der Klubrekord aus dem Jahr 1977 (77 Tore) fallen könnte. Schützenkönig Klaus Fischer, Huntelaars Vorfahre, würde es bestimmt nicht übelnehmen.
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Wieder im Fokus: Timo Hildebrand. (© AFP)
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Beim nächsten Bundesligaspiel richtet sich der Blick zunächst allerdings weniger auf den immer hungrigen Huntelaar, der am Sonntag frustriert das Haus verließ, weil ihm statt der möglichen vier oder fünf Tore bloß zwei gelungen waren. Sondern auf den Mann am anderen Ende der Aufstellung, denn Timo Hildebrand, Schalkes neue Nummer eins, dürfte in der Partie beim FC Bayern eher im Blickpunkt stehen als sein Gegenüber Manuel Neuer.
Noch haben sich viele Leute nicht mal den Namen des bisher diensthabenden Schalker Torwarts merken können, da muss Trainer Huub Stevens wieder umdisponieren. Lars Unnerstall, der Vertreter des am Kreuzband verletzten Ralf Fährmann, hatte am Sonntag seinen Posten während der Pause aufgegeben, die Schmerzen zwangen ihn dazu. Der 21-Jährige wurde sofort in die Uniklinik nach Münster gebracht, wo man ihm die Diagnose einer Schultereckgelenksprengung stellte. Es hieß, er müsse vier bis sechs Wochen pausieren.
Für Hildebrand, 32, kam der Einsatzbefehl so unvermittelt, dass ihn sein erster Weg nicht auf den Rasen führte, sondern an einen stillen Ort. Zum Zweck der Besinnung gibt es zwar auch eine Kapelle in der Gelsenkirchener Arena, aber Hildebrand suchte lieber die Toilette auf, wie er später erzählt hat. "Ich war angespannt, ist ja normal", berichtete er, "das ist halt was ganz anderes, wenn man auf einmal reingeworfen wird."
Hildebrand war Nationalspieler, Meister mit dem VfB Stuttgart, hat in Valencia und Lissabon gearbeitet, aber das sind alles Erlebnisse aus einem anderen, verblassten Torwartleben. In Schalke hat er wieder ganz von vorn begonnen. Als er im vorigen Oktober nach Fährmanns Verletzung den Soforthelfer-Job in Gelsenkirchen aufnahm, bedeutete das die Erlösung aus der Stellungslosigkeit. Das Engagement war eine unverhoffte Verheißung, aus dem Nichts schien ihn ein gnädiges Schicksal in das Tor eines Spitzenklubs befördert zu haben.
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