Schalke plant Tempofußball, doch das eigene Mittelfeld bremst.
Man kann den Trainern der kommenden Gegner von Schalke 04 nur empfehlen, sich zur Vorbereitung intensiv mit deren 1:0-Sieg gegen den ASNancy zu befassen.
Sören Larsen zeigt, wohin es für Schalke 04 gehen soll. (© Foto: Reuters)
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Schalke hatte ja für die neue Saison attraktiven Hochgeschwindigkeitsfußball angekündigt, mit Tempo soll der Ball aus der eigenen Hälfte zu den schnellen Stürmern vor das gegnerische Tor befördert werden.
Sieht man einmal vom Auswärtsspiel in Aachen ab, haben die Schalker das auch ganz gut hinbekommen, der defensivstarke Vierte der französischen Ligue1 war nun der erste Gegner, der die gepriesene Spielweise des Trainers Mirko Slomka verhinderte. Allein damit brachten die Franzosen die Schalker Welt bereits ins Wanken.
"Der Gegner stand extrem gut", sagte Slomka, er sprach von einem "zähen Spiel", und wären die Lothringer etwas kaltblütiger gewesen, hätten sie eine ihrer drei, vier Möglichkeiten in der letzten halben Stunde genutzt, und den Schalker Verantwortlichen ein paar Sorgenfalten mehr aufgenötigt.
Ist doch das Erreichen der Gruppenphase des Uefa-Cups, also der zweiten Runde, für den Klub von gravierender Bedeutung. "Wenn wir in der ersten Runde ausscheiden, müssen wir die Mannschaft verändern", hatte Manager Andreas Müller gedroht, die Garantie-Einnahmen aus der Gruppenphase sind fest einkalkuliert - und nach Sören Larsens spätem Siegtreffer (86.) gibt es weiterhin eine gute Chance, einer Umstrukturierung des Kaders zu entkommen.
Zu selten im Strafraum
Sorgen müssen sich die Schalker trotzdem machen angesichts der Erkenntnis, dass ein kompakter Defensivverbund das Kardinalproblem dieser Elf erneut deutlich werden ließ. Seit Jupp Heynckes 2003 das Traineramt in Gelsenkirchen übernahm, spielt die Elf einen ansehnlichen Kombinationsfußball, hat meist eine beeindruckende Ballbesitzquote, schafft es aber zu selten, gefährlich in den Strafraum zu dringen.
"Wir haben trotzdem Geduld bewahrt", drehte Trainer Slomka dieses Defizit ins Positive. Doch es zeigte sich, dass die neu verpflichteten, schnellen Stürmer Peter Lövenkrands (von Glasgow Rangers) und Halil Altintop (aus Kaiserslautern) allein ein Spiel nicht beschleunigen können.
Das muss im Mittelfeld geschehen, wo Lincoln, Fabian Ernst und Zlatan Bajramovic den schwierigsten Part der Mission Tempofußball übernehmen sollten. Aber besonders der Brasilianer Lincoln zeigt keine Konstanz bei der Umsetzung dieses Plans. Er will das Spiel gerne vor sich liegen sehen wie ein Puzzlespieler seine Einzelteile, Slomkas Strategie wartet aber auf einen Lincoln, der das Spiel an sich vorbeisausen lässt, und ihm dann nur seinen kleinen, bisweilen genialen Stubbs gibt.
"Wir waren in unserem Passspiel nicht schnell genug, da müssen wir andere Lösungsmöglichkeiten finden", sagte Slomka, wissend, dass es nicht leicht werden wird, dem launischen Lincoln diese Idee nahe zu bringen.
Pfiffe bei Rückpässen
Fast schon erfreut sind die Schalker deshalb, dass das Rückspiel auswärts stattfindet, "da werden wir unsere Schnelligkeit ausspielen müssen, Nancy braucht ja ein Tor", meinte Marcelo Bordon. Auch die Partie bei Hertha BSC Berlin am Sonntag kommt den Schalkern nicht ungelegen: "Die spielen Fußball, das wird einfacher", sagte Torschütze Larsen. Vermutlich ist auch er froh darüber, dass die Mannschaft nicht immer vor ihrem bemerkenswert kritischen Schalker Publikum spielen muss.
45000 Zuschauer waren nur gekommen - Negativrekord für ein Pflichtspiel seit Eröffnung der Arena -, und die pfiffen auffallend oft gegen die eigene Elf. Selbst gewonnene Zweikämpfe, nach denen zur Ballsicherung zurück zu Torwart Rost gespielt wurde, wurden mit Pfiffen kommentiert - das Londoner Publikum des FC Chelsea hatte am Dienstag in der Champions League exakt solche Aktionen mit Applaus honoriert. Slomka sagte vorsichtig: "Vielleicht haben die ein bisschen früh gepfiffen."
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