Bei der Suche nach einem neuen Trainer wird nach der Absage des enttäuschten Christoph Daum beim FC Schalke 04 nun Felix Magath als Favorit gehandelt.

Laut Medienberichten steht der 49 Jahre alte Teammanager beim Bundesliga-Konkurrenten VfB Stuttgart aus Unzufriedenheit mit der Personalpolitik vor dem Absprung. Die Stuttgarter Zeitung zitierte Magath mit der Aussage: "Ich gehe davon aus, dass ich das Ländle diese Woche nicht mehr verlasse." Und in der nächsten Woche? "Wo ich da sein werde, kann ich noch nicht sagen."

Anzeige

Daum, der als heißer Kandidat für die Nachfolge den in die belgische Politik wechselnden Schalker Teamchefs Marc Wilmots galt, hat dem Revierclub inzwischen eine deutliche Abfuhr erteilt. "Ich habe Rudi Assauer klipp und klar gesagt, dass ich nicht zur Verfügung stehe", sagte der noch bei Austria Wien unter Vertrag stehende Daum genervt von dem ständigen Hick-Hack der letzten Wochen.

"Ich habe leider mit Herrn Assauer ein paar, wie ich meinte, sehr freundschaftliche Gespräche geführt. Er hätte genug Chancen gehabt, einige Dinge auszuräumen. Stattdessen hat er immer wieder neue, diskreditierende Dinge vorgebracht. Er hat mit meinem Namen gespielt", warf Daum dem Schalke-Manager falsches Spiel vor.

"Rehhagel wird nicht Schalkes Trainer"

Neben Daum und Guus Hiddink (Eindhoven) ist auch Klaus Toppmöller offenbar aus dem "Kreis der Verdächtigen" ausgeschieden. Der ehemalige Leverkusener Trainer tendiert zu einem Engagement im Ausland. Weitere Spuren führen in die Niederlande, wo die Liste vom arbeitslosen Louis van Gaal über Johan Neeskens (Nijmegen) bis zu Martin Jol (Waalwijk) reicht. Ebenfalls ein Thema sollen Christian Groß (Basel) und Jupp Heynckes (Bilbao) sein.

Dass sogar Griechenlands Nationalcoach Otto Rehhagel in Frage komme, der sich mit Schalkes Ersatztorhüter und Co-Trainer Oliver Reck in einem Gelsenkirchener Hotel getroffen hatte, dementierte Reck: "Es war ein privates, rein persönliches Gespräch. Rehhagel wird garantiert nicht Schalkes Trainer."

Geldsorgen in Stuttgart

So führt die heißeste Spur derzeit nach Stuttgart, wo der ins Schalker Anforderungsprofil passende Magath (Assauer: "Wir holen einen gestandenen Trainer, der deutsch spricht") trotz der großen Erfolge unzufrieden mit der finanziellen und damit auch der sportlichen Perspektive ist.

"Ich hatte in den letzten Wochen immer die Hoffnung, dass es der Vereinsführung gelingt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch ohne die Champions League zu verbessern - doch diese Hoffnung ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Ich kann mit niemandem verhandeln, wenn ich nicht weiß, wie viel Geld der Verein investieren will", klagte Magath, der wiederum auch als Daum-Nachfolger bei Austria Wien gehandelt wird.

Vertrag noch nicht verlängert

Beim VfB besitzt Magath noch einen Vertrag bis 2004, eine von ihm angestrebte vorzeitige Verlängerung um drei Jahre ist bislang nicht erfolgt. Dennoch bekräftigte der Ex-Nationalspieler noch am Mittwoch, dass es "nicht der Zeitpunkt" sei, "über einen Wechsel nachzudenken".

Von den Schalker Verantwortlichen kommt weiterhin nichts Erhellendes. "Wir vermelden nur noch Vollzug", sagte Assauer, der sich an öffentlichen Spekulationen nicht beteiligen will. Und Teammanager Andreas Müller wiederholt gebetsmühlenartig das Anforderungsprofil: "Wir brauchen einen sehr starken Trainer, der wieder Disziplin in die Truppe bringt."

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/dpa)