Schalke 04 Tedesco gelingt das, woran seine Vorgänger alle gescheitert sind

Man muss bloß auf Fährmanns Torwartspiel schauen, um den Einfluss des Trainers zu erkennen. All die Jahre hat der Schalker Schlussmann die Leute mit seinen fantastischen Reaktionen auf der Linie und seinen Vier-Augen-Duellen mit gegnerischen Stürmern begeistert. Womit er sie nicht begeistert hat, das waren die Pässe, die er zum Aufbauspiel beisteuerte. Meistens sahen sie aus wie Befreiungsschläge, was sie in Wahrheit auch waren. Noch schlimmer aber war, dass ihn seine Vorderleute trotzdem ständig anspielten. Diesem Problem hat kein Trainer entgegenwirken können, ob er Keller, Stevens, di Matteo, Breitenreiter oder Weinzierl hieß. Tedesco hat es irgendwie hinbekommen, und wenn Fährmann jetzt darüber schwärmte, "dass der Trainer in so kurzer Zeit so viele Spieler entwickelt hat", dann meint der 29-Jährige damit auch sich selbst.

Es gibt einige solcher Reform-Fälle im Schalker Team: Benjamin Stambouli, vormals als Mitläufer verrufen, ist durch seinen Umzug aus dem Mittelfeld in die Dreierkette in Ansehen und Wert gestiegen; Jewgeni Konopljanka galt als Riesenflop und ist jetzt ein sehr passabler Flügelflitzer; und aus dem undefinierten Talent Max Meyer hat Tedesco einen schneidigen Aufräumer und Strategen gemacht, indem er ihn aus dem offensiven ins defensive Mittelfeld versetzte, wo er nun vor der Abwehrlinie für Ordnung und Ballsicherheit sorgt. Meyer spielt noch nicht so gut, dass er nun gleich zum FC Barcelona wechseln müsste, aber der Einfluss seines Spiels wächst kontinuierlich. Vieles hat man dem 22-Jährigen bisher nachgesagt - Konstanz gehörte nicht dazu.

"Sehr viel Ahnung von Fußball"

Linksverteidiger Bastian Oczipka fühlt sich durch Tedesco an den Trainer erinnert, den er im Vorjahr bei Eintracht Frankfurt hatte. Auch Niko Kovac habe "diese gewisse Energie" eines jungen Mannes, sagt er, "einen Tatendrang, etwas leisten zu wollen". Tedesco habe "sehr viel Ahnung von Fußball", betont Oczipka eine Eigenschaft, die man von Absolventen des Fußball- Lehrer-Kurses erwarten darf. Aber es gehört zur speziellen Fachkompetenz dieses Diplominhabers, dass er auf Schalke die Vorzüge kultiviert, die seinem Kader innewohnen. "Gas geben, laufen, Mentalität zeigen", zählt Oczipka auf, "die Grundtugenden". Wenn jetzt alle darauf hinweisen, dass Schalkes Erfolgsserie sogar ohne den besten Spieler, Leon Goretzka, gelungen sei, dann liegt da wahrscheinlich ein Irrtum vor. So gut Goretzka ist: Der wichtigste Mann ist zurzeit der Abwehrchef Naldo. Er garantiert Schalkes Null, die so stabil steht wie einst in Huub Stevens' Zeiten.

Tedesco hält sich aus solchen Wertungen natürlich raus. Erst recht, wenn es um seine eigenen Verdienste geht. "Die Spieler ziehen gut mit", sagt er, "die Jungs sind das Wichtigste, nicht der Trainer."

Sogar ein Gegentor weniger als München

Stuttgart hält als einzige Mannschaft mit dem FC Bayern mit - zumindest in der Heimtabelle. Ein Mann mit Maske soll nun dafür sorgen, dass es beim VfB auch auswärts klappt. Von Matthias Schmid mehr...