Schalke vs BVB Triumph der Blaublütigen

Schuss mit unbändiger Wucht: Schalkes Naldo traf zum 2:0.

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
  • Beim 2:0 im Revierderby gegen Dortmund zeigt Schalke 04, warum das Team dieses Jahr wohl verdient Zweiter in der Bundesliga werden dürfte.
  • Die Dortmunder spielen viel zu abwartend und müssen sich Sorgen um die Champions-League-Quali machen.
Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Kurz vor viertel nach fünf am Sonntag bebte in Gelsenkirchen-Erle zweimal die Erde. Einmal, als die Fans des FC Schalke 04 das Tor zum 2:0 für ihre Mannschaft gegen Borussia Dortmund bejubelten, das andere Mal, als der Ball im Netz eingeschlagen war. Naldo hatte ihn beim Freistoß aus 25 Metern mit einer Wucht abgefeuert, dass er mutmaßlich in Überschallgeschwindigkeit ins Ziel flog. Dieses Tor bedeutete für Schalke den hochverdienten Sieg gegen die verehrten Nachbarn und für den überaus enttäuschenden BVB das frühe Ende eines misslungenen Sonntagsausflugs. Schalkes Sieg war eine erstaunlich klare Angelegenheit.

Ein besonderer Gast schmückte den Festtag des Revierfußballs. Der Besucher reiste aus Madrid an und erzeugte bei seinen Gastgebern ein Hochgefühl, als sei Seine Majestät persönlich zugegen, und in gewisser Weise stimmt das ja auch: Raúl Gonzalez Blanco, 37, entstammt dem edlen Geschlecht derer von Real Madrid, fühlt sich seit seinen beiden Jahren im Ruhrgebiet (2010 - 2012) aber auch den Blaublütigen aus Gelsenkirchen zugehörig: "Schalke ist meine Familie", gab er vor dem Anpfiff bekannt. Aus der Mannschaft, die er in seiner aktiven Zeit erlebte, ist nun lediglich noch Torwart Ralf Fährmann aktiv, den Raúl daher umso freundlicher begrüßte.

Der Gast aus Spanien durfte einverstanden sein mit der Vorstellung, die seine deutschen Anverwandten in der ersten Halbzeit boten. Als die Teams zur Pause in die Kabinen gingen, fragte sich wohl mancher Stadiongänger, der zuletzt in Gelsenkirchen mit kargen 1:0-Erfolgen vorlieb nehmen musste, warum die Hausherren nicht öfter so viel Schwung, Spielfreude und Angriffslust auf den Rasen gebracht hatten. Schalke offenbarte ein Offensivspiel mit Niveau, was nicht zuletzt daran lag, dass zwei Protagonisten der vergangenen Wochen nicht auf dem Platz standen: Statt Breel Embolo (verletzt) und Franco di Santo (Bank) trieb unter anderen der schon fast vergessene Ukrainer Jewgeni Konopljanka das Angriffsspiel an. Auf dem linken Flügel machte er Piszczek das Leben zur Pein.

Die Borussen taten sich dagegen schwer mit produktivem Offensivspiel. Lediglich ein Freistoß von Marco Reus wurde Fährmann gefährlich. Auf dem Angriff lag aber auch nicht der Schwerpunkt der Dortmunder Bemühungen, im Vordergrund stand nach alter Peter-Stöger-Schule die Sicherung der Defensive - das gelang zwar nur mit Mühe, aber es gelang. Torwart Roman Bürki leistete zu diesem Zweck einen herausragenden Beitrag, als er in der 6. Minute einen scharf platzierten Fernschuss von Alessandro Schöpf abwehrte.

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Sehenswert fand der Augenzeuge Raúl sicher auch die Duelle, die sich Mittelstürmer Guido Burgstaller mit Ömer Toprak lieferte. In Sachen Einsatzfreude stand Burgstaller seinem weltberühmten Vorfahren nicht nach, er ließ keinen Zweikampf aus und verschaffte sich immer wieder überraschende Freiräume; technisch allerdings sind dem Österreicher ein paar Grenzen gesetzt, die Raúl nie kannte.