Schach So tickt der Herausforderer von Magnus Carlsen

Sergej Karjakin: Hat auch Brüche in seiner Biographie.

(Foto: dpa)

"Selbst ein Bauer kann zur Dame werden" - dieser Werbespruch weckte einst Sergej Karjakins Interesse am Schach. Nun darf der Russe gegen Norwegens Magnus Carlsen ins Duell der Mittzwanziger.

Von Johannes Aumüller

Zum dritten Mal bestreitet der Titelträger Magnus Carlsen im November einen Schach-WM-Kampf. Seine beiden bisherigen Duelle absolvierte er gegen den indischen Routinier Viswanathan Anand, jetzt bekommt er erstmals einen neuen Gegner: den Russen Sergej Karjakin, der sich mit einem Erfolg in der finalen Runde am Montagabend den Gesamtsieg im Moskauer Kandidatenturnier sicherte.

Karjakin ist wie Carlsen Jahrgang 1990, und die beiden Biographien ähneln sich durchaus. Mit fünf begann er mit dem Sport, nachdem er im Fernsehen einen Werbefilm gesehen hatte, in dem es hieß: "Selbst ein Bauer kann zur Dame werden." Fortan ging's zum Schachunterricht, die Urgroßmutter spielte leider nur Dame, und der kleine Sergej mangels Gegnern auch mal gegen sich selbst. Vater und Mutter gaben ihre Jobs auf, um die Karriere zu unterstützen. Und spätestens mit zwölf fiel Karjakin dann auf, weil er als bis dahin jüngster Spieler der Historie den Großmeister-Status erwarb.

Einer stufte ihn hoch ein: Carlsen

Anders als bei Carlsen hatte seine Biographie aber durchaus Brüche. 2009 wechselte er aus dem ukrainischen in den russischen Verband, weil er sich dort bessere Bedingungen erhoffte - und auch vorfand. Lange ging es aufwärts, doch der absolute Durchbruch schien ihm verwehrt zu bleiben. Manche sagten, ihm fehle der nötige Biss. Unter den acht Großmeistern in Moskau war Karjakin der Teilnehmer mit der zweitschlechtesten Weltranglistenplatzierung. Kaum jemand sah ihn als Favorit, einer allerdings stufte ihn hoch ein: Carlsen, der Weltmeister. Dieser sollte Recht behalten.

Nun gilt Karjakin beim WM-Kampf als Außenseiter, aber es gibt Schach-Experten, die seinen Stil als besonders unangenehm für Carlsen einschätzen. In Moskau verteidigte er stark, bot zähe Endspiele und spielte quasi fehlerlos. Ein Konkurrent nach dem anderen vergab dicke Chancen: Fabiano Caruana, Lewon Aronjan, auch der Niederländer Anish Giri, der oft besser stand und es fertig brachte, alle 14 Partien remis zu spielen. Wenn aber Karjakin einen Vorteil hatte, gab er ihn nicht mehr.

Die sportpolitische Geschichte hinter Karjakins Triumph, ein geschenkter Laptop als Dankeschön für ungewöhnliches Sekundantentum und eine bemerkenswerte Anekdote mit einer Schachspielerin - lesen Sie den kompletten Text über Karjakin mit SZ Plus:

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