Schach Magnus Carlsen brüllt vor Ärger

Niederlage in Doha: Magnus Carlsen bei der Schnellschach-WM.

(Foto: AFP)

Ein übler Springer-Zug führt zur Niederlage des Norwegers bei der Schnellschach-WM. Seine Emotionen zeigen: Die schnellen Schachversionen gewinnen an Renommee.

Von Johannes Aumüller

Magnus Carlsen war stark verärgert. Aufgebracht rannte der beste Schachspieler der Welt vom Brett weg, und als er in seiner Lounge angekommen war, schrie er so unglaublich laut, dass es Ohrenzeugenberichten zufolge noch im Spielsaal jeder hören konnte. Der Grund für den Zorn: ein übler Springer-Zug in Runde elf der Schnellschach-WM, wegen dem er die Partie verlor - und die Chance auf den Titel dahin war.

Den Veranstaltern des Turniers dürfte es gar nicht so unrecht gewesen sein, dass sich ihre Zimmer als wenig schalldicht erwiesen. Denn auch wenn Carlsen generell als schlechter Verlierer gilt, so bewies sein Frust durchaus eines: dass er wie die anderen Könner des Figurensports das Schnellschach ernst nimmt. Und das war nicht immer so in der Schachszene.

Ein Zsch. Eine Hand. Ein Ällerbätsch.

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Einerseits gibt es Schach mit verkürzten Bedenkzeiten schon ewig, bereits der Kubaner Capablanca war vor 100 Jahren ein Meister dieser Disziplin. Andererseits genoss es stets ein Schmuddelimage. Schnellschach (25 Minuten Bedenkzeit pro Partie und Spieler) oder gar Blitzschach (fünf Minuten) empfinden Puristen als Verstoß gegen den Kern des Spiels, weil es verstärkt Fehler provoziert. Doch in den vergangenen Jahren stieg das Renommee. Bei Titelkämpfen im regulären Schach dienen die Speed-Varianten als Tiebreak bei Gleichstand, wie vor einem Monat, als Carlsen in New York gegen Sergej Karjakin gewann.

Der Weltverband Fide führt inzwischen eigene Weltranglisten für die schnellen Disziplinen. Und seit geraumer Zeit richtet er offizielle Weltmeisterschaften aus, wie gerade in Doha: Die Schnellschach-Serie gewann der Ukrainer Wassili Iwantschuk, das Blitz-Turnier endet an diesem Freitag.

Dieser Trend hat durchaus seine Berechtigung. Die schnelle Form des Schachspiels lässt sich nicht nur gut vermarkten; sie passt auch zum Verhalten vieler Laien-Aktiven, die im Internet vor allem Blitz spielen. Und inhaltlich ist die Fehlerzahl gewiss höher, sind aber auch noch mal andere Kompetenzen gefragt als in einer regulären Partie - etwa das blitzschnelle Erspähen von taktischen Möglichkeiten.

Dabei ist es im Schach anders als in der Leichtathletik, wo 100-Meter-Sprinter und Marathonläufer zwei gänzlich verschiedene Welten bilden. Die erweiterte Weltspitze besteht in Blitz-, Schnell- und regulärem Schach jeweils aus den nahezu gleichen Akteuren, wenngleich sich bei einigen gewisse qualitative Unterschiede in den einzelnen Varianten zeigen. Aber die Königsdisziplin bleibt ohnehin das reguläre Schach mit langer Bedenkzeit. Da kann das Blitzen noch so populär werden.

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