Óscar García Salzburgs Trainer träumt von Deutschland

Impulsiver Katalane: Óscar García, Meistertrainer der Fußballer von Red Bull Salzburg.

(Foto: Mathias Mandl/imago/GEPA pictures)
  • Als erster RB-Trainer hat Óscar García den Meistertitel verteidigt und in insgesamt 45 Spielen 100 Punkte gesammelt.
  • RB Salzburg verliert einige Spieler und auch der Etat soll gekürzt werden.
  • Der Spanier träumt von einem Wechsel in die Premier League oder Bundesliga.
Von Javier Cáceres 

Die echte Meisterfeier steht zwar noch aus. Doch die ersten und damit wohl authentischsten Emotionen, die wurde der Trainer von Red Bull Salzburg schon am Wochenende los. Seine Augen füllten sich mit Wasser, als Óscar García in der Heimat anrief und der Familie berichtete, dass es nun vollbracht sei. Drei Spieltage vor Schluss stand Salzburg als neuer österreichischer Fußballmeister fest; zum vierten Mal in Serie.

Damit nahm eine Spielzeit ein versöhnliches Ende, die für Óscar García, 44, mit einer großen Enttäuschung und einigem Ärger begonnen hatte. "Wir hatten uns sehr viele Hoffnungen gemacht, vor allem in Europa etwas Großes leisten zu können", erinnert sich Óscar, wie er seit seiner Zeit als Profifußballer beim FC Barcelona (69 Spiele) genannt wird. Doch das Ziel, im neunten Anlauf in Serie endlich die Champions-League-Qualifikation zu bewerkstelligen, wurde gegen Dinamo Zagreb "um drei Minuten" verfehlt, im Rückspiel mussten die Österreicher nach dem 1:1 in Kroatien in der Verlängerung das 1:2 hinnehmen.

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Spieler wie Keita oder Upamencano gehören in andere Ligen

Überdies musste Óscar ohnmächtig zusehen, wie ihm Schlüsselspieler verloren gingen: Der brasilianische Defensivmann Bernardo wurde über Nacht zu RB Leipzig transferiert, so wie kurz zuvor Naby Keita. "Jetzt haben wir vielleicht zwei Lieferings, Liefering A und Liefering B", ätzte Óscar in Anspielung auf Salzburgs Farmteam, den zweitklassigen FC Liefering.

Mittlerweile redet er mit größerer Gelassenheit über jene Tage. Er weiß: Spieler wie Keita oder auch der im Winter nach Leipzig gewechselte Upamecano könnten "kaum längere Zeit in Österreich" bleiben, wegen ihrer Qualität gehörten sie in andere Ligen. "Keita und Upamecano hatten auch Offerten von vielen anderen Klubs", sagt García, der im Winter auch noch Offensivkraft Jonathan Soriano verlor. Nun hat er als erster RB-Trainer den Titel verteidigt, und unterwegs schneller 100 Punkte als Trainer in Österreich gesammelt (45 Spiele) als weiland der einstige Rekordhalter Roger Schmidt (47 Spiele).

Ende Mai kann noch die Verteidigung des ÖFB-Pokals und damit die Erneuerung des Doubles folgen, es wäre das 24. Pokalspiel in Serie ohne Niederlage. Im Halbfinale besiegten die Salzburger Admira Wacker mit 5:0 - in einem Spiel, "in dem meine Mannschaft meinem fußballerischen Ideal in dieser Saison wohl am nächsten kam".

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Mannschaft war der Doppelbelastung nicht gewachsen

Welches das ist, hat mit seiner Vita zu tun, und diese führt unweigerlich zu einem der größten Namen der Weltfußball- Geschichte: Johan Cruyff. Er war es, der Óscar 1992/93 beim FC Barcelona in die erste Mannschaft holte, und der ihn dann nach Albacete ausleihen ließ, damit er Spielpraxis bekomme. Später kehrte Óscar nach Barcelona zurück. "Das Beste an Johan war, dass er dich lehrte, den Fußball zu verstehen, das Spiel mit dem Ball, warum die Dinge auf dem Platz geschehen. Und das versuche ich meinen Spielern nun auch zu vermitteln. Nur wenn ein Spieler weiß, warum etwas geschieht, wird er auf dem Platz eine Lösung finden."

Dass es zu Saisonbeginn bei RB Salzburg nicht so lief, hatte auch damit zu tun, dass die junge Mannschaft der Doppelbelastung nicht gewachsen war, zeitweise hatte sie neun Punkte Rückstand. In der Rückrunde schwang sich Salzburg zu tyrannischer Dominanz auf, kein Team holte mehr Punkte, weil es die nicht verhandelbaren Prinzipien Óscars nun auslebte.

"Ich will eine mutige Mannschaft, die viel Ballbesitz hat, möglichst im gegnerischen Feld. Es ist gut, dass die Verteidiger sich den Ball zuspielen, wenn es darum geht, die Verteidigung über den Ballbesitz zu organisieren, sich mal auszuruhen. Aber ich möchte, dass meine Mittelfeldspieler und Stürmer den Ball haben, weil wir dann viel größere Optionen haben, Chancen herauszuspielen. Weil das der Fußball ist, den ich selbst am liebsten sehe, und weil es mir als Trainer die meiste Ruhe verschafft, wenn die Gegner 70, 80 Meter von unserem eigenen Tor und wir nur 20 Meter vom gegnerischen Tor entfernt sind."