Zweite Liga Paderborn-Vorfall: Spieler suspendiert - Effenberg darf bleiben

Der SC Paderborn rief heute eine Krisensitzung wegen des Vorfalls im Trainingslager ein.

(Foto: dpa)
  • Der SC Paderborn suspendiert seinen Spiel Nick Proschwitz. Trainer Stefan Effenberg bleibt aber im Amt.
  • Der Spieler soll im Trainingslager in Belek eine Frau sexuell belästigt haben.
  • Die aber sagt: Das stimmt gar nicht. Auch andere Zeugen widersprechen den bisherigen Darstellungen des Vorfalls.

Was ist denn nun passiert? Hat er, oder hat er nicht? Hat Nick Proschwitz, Spieler des Fußball-Zweitligisten SC Paderborn, im Trainingslager sein Geschlechtsteil gezeigt und eine Frau sexuell belästigt? Am Sonntag hieß es: Hat er. An diesem Montag sagt die Frau, um die es geht: Stimmt nicht. Trotzdem trifft sich der Fußballklub zu Krisengesprächen.

Am Montagabend gab der Verein dann bekannt: Nick Proschwitz wird suspendiert. Stefan Effenberg bleibt Trainer. "Mir ist völlig egal, wie tief die Hose hing. Als Spieler des SC Paderborn, als Gast in einem muslimisch geprägten Land, ist dafür einfach kein Platz. Ich verurteile und verabscheue dieses Verhalten", sagte Paderborns Präsident Wilfried Finke. "Der Spieler Nick Proschwitz wird das Trikot des SC Paderborn nicht wieder überstreifen." Dies sei, so Finke, das Ergebnis seiner intensiven Recherche zu den Vorfällen im Trainingslager des SCP.

Was war passiert? Am Sonntag berichteten die beiden Zeitungen Neue Westfälische und Westfalenblatt von dem Vorfall. In einer Hotelbar im türkischen Belek soll sich Proschwitz vor einer Frau entblößt haben, die als Mitarbeiterin einer Agentur das Trainingslager des SC Paderborn mitorganisierte. Sie meldete sich an diesem Montag bei der Nachrichtenagentur dpa und dementierte, dass sie sexuell belästigt worden sei: "Als ich gestern Morgen aufstand, wusste ich nicht, dass ich in der Nacht zum Samstag angeblich sexuell belästigt worden bin. Ich erfuhr es erst aus der Zeitung", sagte die Frau. "Sexuell belästigt worden, das sei hier noch einmal definitiv gesagt, bin ich zu keinem Zeitpunkt. Belästigt hat mich erst die falsche Berichterstattung", zitiert die Agentur die Frau. "Davon, dass ein Paderborner Spieler eintrat, in zwei Metern Abstand an seiner Hose zog und sofort wieder ging, nahmen wir kaum Notiz."

Weitere Disziplinlosigkeiten im Hotel

Zeugen der Szene an der Bar widersprechen dieser Darstellung: Proschwitz soll vor der Frau seine Hose herunter gezogen haben und sie etwa 20 Sekunden lang unten gelassen haben. Die Frau habe daraufhin nicht sichtbar reagiert, sie sei jedenfalls nicht aufgesprungen oder habe geschrien. Allerdings soll es über diesen Vorfall hinaus mehrere Disziplinlosigkeiten im Hotel gegeben haben. Blumenkübel seien in den Hotelpool geflogen, einige Spieler sollen offenbar stark alkoholisiert gewesen sein.

Laut der Zeitung Neue Westfälische soll es zwischen der Agentur, dem SC Paderborn und Hotelmanagement nach der Nacht ein Krisengespräch gegeben haben. Dabei habe man sich geeinigt, außer dem Vorfall mit den Blumenkübeln sei nichts weiter geschehen. Paderborn steht nach 19 Spieltagen auf dem 16. Tabellenplatz. Der Bundesligist der vergangenen Saison ist akut abstiegsgefährdet. Anfang Oktober übernahm Stefan Effenberg den Klub. Es ist die erste Trainerstation des Ex-Nationalspielers.