Eiskunstlauf-WM Savchenko und Massot triumphieren auch bei der WM

Aljona Savchenko und Bruno Massot während ihrer Gold-Kür bei der Eiskunstlauf-WM in Mailand.

(Foto: AFP)
  • Die Paarläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot gewinnen bei der Eiskunstlauf-WM in Mailand Gold - fünf Wochen nach ihrem Olympiasieg.
  • Die beiden gelingen in der Kür und in der Gesamtleistung Weltrekorde.
  • Offen ist noch, ob Savchenko und Massot ihre Wettkampfkarriere fortsetzen werden oder ins leichtere Show-Fach wechseln.
Von Barbara Klimke, Mailand

Beim zweiten Mal fielen sie nicht mehr um. Sie sanken nach der Schlusspose nur auf die Knie, hielten sich an den Händen und küssten dann das Eis. War der Olympiasieg noch ein Kraftakt gewesen, eine enorme Willensleistung, um einen fast aussichtslosen Rückstand aufzuholen, so ließen sich Aljona Savchenko und Bruno Massot nun in Mailand von einer Welle der Dankbarkeit zu ihrem ersten gemeinsamen Weltmeistertitel tragen.

"Wir haben das Maximum unserer Herzen gegeben", sagte Massot, als er sich noch in der Halle an das Publikum wandte. Viele ihrer Freunde und Familienmitglieder hätten vor fünf Wochen auf die lange Reise nach Südkorea verzichten müssen, erklärte er. In Mailand sind sie auch für ihren treuen Anhang gelaufen. Womöglich sogar zum letzen Mal auf dieser Bühne.

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Ob Aljona Savchenko, 34, und Bruno Massot, 29, ihre Wettkampfkarriere nach dem Doppel-Gold fortsetzen werden oder doch ins leichtere Show-Fach wechseln, wurde Donnerstagnacht noch nicht entschieden. Bevor sie sich zu ihrer Zukunft äußern, stehen ein paar Tage Bedenkzeit an. Zunächst ging es darum, in Mailand eine Saison zu beenden, die geradezu triumphal verlaufen war. Noch einmal zauberten sie ihre Kür, ein Kunstwerk zur Musik des Naturfilms "La terre vue du ciel" ("Die Erde von oben gesehen"), aufs Eis, und diesmal setzte der Beifall bereits zur Mitte des Programms ein.

Am Ende erhoben sich die 5000 Zuschauer im Mediolanum Forum südlich der Stadtgrenze Mailands, um einem Werk zu applaudieren, das der Brite Christopher Dean als Verbindung von Eis-Artistik und Ballett choreografierte und das auf dem besten Wege ist, ein Klassiker des Kufenlaufs zu werden wie Torvill/Deans "Boléro" von 1984. Die Preisrichter verliehen erstaunliche 22 Mal die Note 10,0 für die Components - früher hätte man B-Note gesagt. Für die Kür erhielten Savchenko/Massot 162,86 Punkte, für die Gesamtleistung 245,84 Punkte: beides Weltrekord. Silber sicherte sich das russische Duo Jewgenija Tarassowa/Wladimir Morosow vor den Franzosen Vanessa James/Morgan Ciprès.

"Eine fantastische Vorstellung", schwärmte Udo Dönsdorf, der Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union, kurz vor Mitternacht. Nie habe er ein Paar mit "solcher mentalen Stärke" erlebt. Denn seit dem Olympiasieg vor fünf Wochen hat sich das Duo nicht einen Tag Ruhe gegönnt. Sie flogen schwer erkältet aus Südkorea nach Europa zurück, verbrachten exakt sieben Stunden bei ihren Partnern zu Hause, wie Aljona Savchenko auf der Pressekonferenz erzählte, dann brachen sie zu einer zehntägigen Tournee von "Art on Ice" in der Schweiz auf.

Nur fünf Tage Zeit blieben Trainer Alexander König anschließend in Oberstdorf, um Savchenko/Massot auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten und sie von der "Glücksphase" in die "Konzentrationsphase" überzuleiten - nicht die einfachste Aufgabe, wie er sagte: "Ich habe ihnen geraten, den Schalter umzulegen, denn eine WM ist kein Selbstläufer." Tatsächlich traten einige Olympiasieger wie der Japaner Yuzuru Hanyu und die Eistänzer Tessa Virtue und Scott Moir in Mailand gar nicht erst an. Massot/Savchenko haben nun ihrerseits das Kunststück fertiggebracht, als erstes Paar seit Natalja Mischkutjonok/ Artur Dmitrijew (GUS) 1992 das Gold-Double bei Olympia und WM zu gewinnen.

"Wir anderen hätten uns dabei alle Ohren gebrochen"

Für Aljona Savchenko ist es sogar bereits der sechste WM-Titel, fünf Mal hatte sie bis 2014 mit ihrem früheren Partner, Robin Szolkowy, bei Siegerehrungen von ganz oben in die Menge gewunken. Sie darf sich nun als die beste Eiskunstläuferin fühlen, die Deutschland je hatte. Über welche außerordentlichen Fähigkeiten diese Ausnahmeathletin verfügt, bewies sie noch einmal am Mittwoch im Kurzprogramm, als dem Paar die einzige kleine Unsicherheit während der WM unterlief: Beim dreifachen Wurf-Flip wurde sie auf eine ungünstige Flugbahn katapultiert - und landete nur dank ihrer immensen Erfahrung und Routine sicher auf einer Kufe.

"Da war sie wie eine Katze", bemerkte Trainer König voller Anerkennung: "Wir anderen hätten uns dabei alle Ohren gebrochen." Donnerstagnacht hat Aljona Savchenko sehr zufrieden ihre Medaille in das dafür vorgesehene Kästchen gelegt und an ihrer Wasserflasche genippt - während Bruno Massot glücklich und erschöpft mit einem kleinen Becher Rotwein feierte. Ob es noch eine große Party gebe, wurden sie gefragt. "Große Party?", sagte Massot entgeistert. Und erklärte dann: "Nur ein großes Bett!"

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