Der Sport, das Fernsehen und eine Sprachregelung: Um die Zuschauer anzulocken wird Sport im TV gerne als Unterhaltung oder Klamauk inszeniert.
Die Fachzeitschrift Molecular Psychiatry veröffentlichte im vergangenen Jahr die Ergebnisse einer Langzeitstudie zweier berühmter Forschungszentren. Die Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass der Einsatz von Erythropoietin, auch als Epo bekannt, bei Personen, die unter Verfolgungswahn, Halluzinationen, Identitätsverlust, sozialem Rückzug und einem Verlust zuvor vorhandener kognitiver Fähigkeiten leiden, segensreich wirken könne. Die von Dop-Sportlern benutzte Substanz sollte als "potenzielles Hirn-Doping'' getestet werden, "das den Menschen hilft, die es tatsächlich brauchen'', erklärte eine Wissenschaftlerin.
Saatmann und Kluge: die Tour-Stimmen von Sat1 (© Foto: dpa)
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Epo auf Rezept bei Identitätsproblemen oder Halluzinationen - das wäre vielleicht für alle Beteiligten auf dem Tour-Karussell der Ausweg aus einer tiefen Sinnkrise. Der mit teutonischem Furor verkündete Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen aus der unsauberen Tour war eine späte, aber richtige Entscheidung. Ein auf Lug und Trug gegründetes System muss an der ökonomischen Basis getroffen werden. Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl - weil im Nebel bleibt, welche Konsequenzen auch für andere Großereignisse gezogen werden müssen.
Prinzipiell gilt: Leistungssport ist ein hochkommerzielles System, bei dem Fernsehmacher und Sportveranstalter in gegenseitiger Abhängigkeit miteinander verbunden sind. ARD und ZDF haben schon vor langer Zeit den Sport als Ware entdeckt, die ihnen im Wettbewerb mit den Privatsendern Vorteile verschafft. Auch dank der Triumphe von Jan Ullrich wurden die zwischenzeitlich enteilten Privaten wieder eingeholt. Durch Sportübertragungen erreichen auch altersstarre Anstalten ein jüngeres Publikum. Verzichteten die Sender auf Sport aus moralischen oder anderen Gründen, fragten sich viele, wofür sie Gebühren zahlen.
Um die Zuschauer anzulocken wird Sport im TV gerne als Unterhaltung oder Klamauk inszeniert. Fernsehsender sind in vielen Sparten "Medienpartner'' und "Co-Vermarkter'' geworden - so hat es die ARD jahrelang bei der Tour vorgemacht. Bei vielen Berichterstattern ist die Distanz zum Gegenstand verloren gegangen. Wer kann noch innerhalb und außerhalb des Betriebs zwischen Eventmanagement und Ergebnis unterscheiden?
Ein bisschen kurios wirkt es jetzt, wenn das Fernsehen ganz kritisch sein will. Vom Du zum Sie war für manchen Sportjournalisten ein langer Weg. Anstand und die Etikette, so ist zu vermuten, werden auch wieder verschwinden.Die Sprachregelung dieser Tage bei allen Fernsehgewaltigen lautet, dass es - mit Blick auf die Tour - "keinen Automatismus'' gebe: Also kritisch, konstruktiv und ein bisschen Heldenmythos bei Großereignissen wie Olympischen Spielen in Peking muss schon sein, sonst schaltet das Publikum genervt zur Konkurrenz. Außerdem soll erst mal einer beweisen, dass beim Gewichtheben, in der Leichtathletik, beim Schwimmen undsoweiterundsofort systematisch gedopt wird.
Und Sat 1? Dieser Sender richtet sich immer selbst.
(SZ vom 21.7.2007)
Der Indendant von SAT 1 brachte es in der Beantwortung der Anwürfe des öffentlich-rechtlichen Besserungsfernsehens für erziehungsreistente Erwachsene auf den Punkt, resp. Knopf. "Wer es nicht sehen will, kann ausschalten". Was er damit sagt ist, dass es nicht Aufgabe von Medien ist, Propaganda zu treiben und Hetzkampagnene gegen Einzelne oder sogar im Rahmen des § 130 StGB (Volksverhetzung) zu führen. Ich verweise dabei auch gegen die permanenten Verstösse (m.E.) dieser "Anstalten" gegen § 131 StGB (Gewaltdarstellung).
Die Frage ist, was ist gravierender und schwerwiegender? Selbst Verstöße gegen das Strafrecht in erheblichen Umfange zu begehen, um eine als gerecht und richtig betrachteten Angelegenheit zu fördern, oder ein Verstoß gegen das Vertragsrecht im Rahmen sportrechtlicher übereinkünfte?
Bei Doping geht es nicht um Strafrecht, sondern um Vestöße gegen selbsterklärte Regeln. Mehr nicht. Eine solche moralinsauere und eifernde Kampagen zu führen, ist völlig disproportional. Nicht ausgewogen.
Fernsehen soll berichten (wie alle Medien), Fernsehen soll unterhalten (wenn es der Druchschnitts-Zuschauer im Altenheim eben nicht mehr selbst kann). Fernsehen kann abgeschaltet werden, wenn es in sektiererischen Eiferertum und unerträglichen Oberlehrergehabe verfällt. Printmedien (ein Geschäft wie Profisport) findet dabei immer noch eine Niesche von Gleichgesinnten, die sie in den abstrusesten Meinungen unterstützen können.
Das Staatsfernsehen hingegen finanziert sich durch Zwangsgebühren, die man leider nicht abschalten kann. Ich halte es nicht für das Recht des Staatsfernsehens, nur über Entwicklungen und Ereignisse zu berichten, die einzelnen Redakteuren als geschönte Wirklichkeit genehm sind. Es ist ein unglaublicher Vorgang der Zensur, wenn ein Fernsehsender mit der ganzen geballten Medienmacht nur noch tendenziös und teilweise verleumderisch berichtet.
so auch das der Doper,nur sollte man ihnen kein Forum bieten.Selbst wie ARD bei Ullrich tief in die Tasche greifen?Und sich treuherzig "verarschen" lassen."Hab noch nie gedopt oder betrogen!"Wenn Otto Normalo lernt ,das Knöpfchen zu bedienen,kein "Bock" auf gedopte Irre-(von wegen Heros),die sich die Gesundheit ruinieren, und Betrüger, die des Geldes wegen schanmlos den Zuschauer und die Mitstreiter "bescheisen", und die(Medien, Pharmaindustrie, Mediziner), die den Schwindel mitmachen, weil sie mitprofitieren , endlich die Kehrtwendung machten (wers glaubt wird selig), wäre eine Umkehr möglich!!??Solange bleibt die Glotze kalt bei Olympia, Wm,Em ,Dm und wie die Veranstaltungen des "Dauerbetrugs" auch alle heißen mögen, wo es nicht um Sport, sondern in erster Linie um das liebe Geld geht!
"Um die Zuschauer anzulocken wird Sport im TV gerne als Unterhaltung oder Klamauk inszeniert."
Nicht nur bei Sat1wird dieser Satz so gelesen:
"Um die Zuschauer anzulocken werden Nachrichten im TV gerne als Unterhaltung oder Klamauk inszeniert."
Außer bei Sat1, die müssen jetzt die ganze Unterhaltung und den ganzen Klamauk *in einer einzigen Nachrichtensendung* um 18:30h unterbringen...
@haaselot
Frage an Radio Eriwan: "Darf man Mitmenschen als Oberschicht bezeichnen?"
Sport, Programmverantwortliche, ÖR, Ehmig, Tour de France, Eventmanager, Sponsoren.....Dank an Herrn Leyendecker. Ohne ihn könnten wir alle hier nicht so ausfühlich diskutieren.
Vielen Dank für viele aufdeckende und erklärende Artikel. Deshalb bleibe ich der SZ treu !
Paging