Von Eva-Maria Träger

Die neue Panini-Kollektion zur EM 2008 ist da - ein Rückblick auf die Geschichte der Sammelbilder.

Das Lächeln ist schief, die Haare triefen vor Schweiß, der Blick geht an der Kamera vorbei ins Leere - schön sind die Aufnahmen der Fußballer auf den Panini-Stickern selten. Meist wirken sie so, als habe ein Amateur ohne Sinn und ästhetischen Verstand einfach drauf los geknipst. Vielleicht ist diese Authentizität das große Geheimnis der kleinen Aufkleber: Kein Make-up, kein künstliches Licht, keine Staffage, nur der Mann, als bebender Held, im Kampfanzug, vor der Arena. Hochglanz passt da nicht.

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Panini-Bilder sind seit fast 50 Jahren heißbegehrte Sammelobjekte. (© Foto: imago)

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Die puristische Produktstrategie funktioniert seit fast fünfzig Jahren hervorragend: Seit der ersten Stickerserie, die Panini 1961 auf den Markt brachte, boomt das Geschäft. In den letzten vierzig Jahren, so die Unternehmens-Website, sind über 20 Milliarden Sticker produziert worden. Zur WM 2006 wurden allein in Deutschland fast zweieinhalb Millionen Alben und mehr als 150 Millionen Aufklebertütchen verkauft. Als die neue Serie zur EM 2008 vor allen anderen Ländern Anfang des Monats in der Schweiz auf den Markt kam, standen Sammler in der Nacht vor dem ersten Verkaufstag Schlange vor den Kiosken.

Der Siegeszug durch Europa

Woher kommt die Lust am Bild? Neu ist sie nicht. Als Sammelbilder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts populär wurden, gab es noch keine so ausgeprägte visuelle Kultur wie heute. Die Fotografie entwickelte sich gerade erst, Film und Fernsehen waren noch nicht erfunden, selbst die Briefmarke als Kleinstbild galt als innovativ, war sie doch erst 1840 in England eingeführt worden. Die Gelegenheiten, sich Bilder anzuschauen, beschränkten sich auf Kirchen und private Gemäldesammlungen Adeliger. "Gebrauchsgrafiken" fürs Volk gab es, wenn überhaupt, nur als Andachtsbildchen.

Die sich mit der Industrialisierung verbessernde Drucktechnik ermöglichte erstmals eine günstige Produktion: Bilder in Massen für Massen. Mit Entwicklung der Konsumgesellschaft schwappte eine Welle der Ästhetisierung nach Europa, die Menschen liebten kleine, hübsche Dinge. Mit seiner Idee, den Kunden kostenlos bunte Kärtchen zuzustecken, füllte der Begründer des ersten Pariser Kaufhauses Au Bon Marché, Aristide Boucicaut, 1870 also eine echte Marktlücke. Das Resultat waren kolossale Umsatzsteigerungen. Das Sammelbild trat seinen Siegeszug durch Europa an.

In Deutschland warb ab 1872 der Fleischextrakt-Hersteller Liebig mit bis heute begehrten Bildern für sein Produkt. Das erste erfolgreiche Sammelalbum kreierte die Schokoladenfirma Stollwerck fünfzehn Jahre später. Die Hefte mit kleinen, die Bilder flankierenden Texten erfüllten dieselbe Informationsfunktion wie (damals noch rare) Illustrierte - nur, dass der Leser selbst für die Bebilderung sorgen musste.

Auf der nächsten Seite: Der Sammelvorgang ist ein beruhigendes Ritual - und auch die Nationalsozialisten nutzten die Beliebtheit der Bildchen für ihre Zwecke.

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