Marat Safin hat die riesigen Hoffnungen auf den ersten einheimischen Tennis-Triumph bei den Australian Open seit 1976 zerstört und sich im dritten Anlauf den Titel in Melbourne gesichert.
Als er den australischen Tennistraum beendet hatte, reckte Marat Safin jubelnd den Arm in den Nachthimmel von Melbourne, nahm die Glückwünsche seines Gegners entgegen und verabschiedete sich in die Katakomben der Rod Laver Arena. Mit einem 1:6, 6:3, 6:4, 6:4 über Lokalmatador Lleyton Hewitt hat der russische Riese im dritten Anlauf erstmals die Australian Open gewonnen.
Probleme beim Stemmen des Pokals: Marat Safin. (© Foto: dpa)
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"Ich war so nervös zu Beginn des Matches. Ich musste an die Finals denken, die ich hier schon verloren habe. Ich konnte einfach nichts dagegen tun", meinte Safin. 2002 gegen den Schweden Thomas Johansson und im vergangenen Jahr gegen den Schweizer Roger Federer war er in seinen Melbourne-Finals eins und zwei unterlegen. Beim dritten Versuch und zum 100. Geburtstag der Ausralian Open kürte er sich nun zum zweiten russischen Sieger von Melbourne nach Jewgeni Kafelnikow 1999.
Es ist sein zweiter Titel bei einem Grand-Slam-Turnier nach den US Open vor fünf Jahren. "Das ist so ein großer Sieg. Aber ich muss weiter an mir arbeiten", meinte Safin bescheiden, obwohl er nun auch Platz eins im Champions Race der ATP übernommen hat.
Großer Showdown
Für die Australier geht die Wartezeit weiter. Mit Hewitt haben die Gastgeber nun ihr drittes Finale in Folge verloren, nachdem Pat Cash 1987 und 1988 jeweils den Kürzeren gezogen hatte. "Ich habe nicht so schlecht gespielt heute. Marat war einfach zu gut", meinte Hewitt und tröstete seine Landsleute mit der Ankündigung: "Ich werde beim nächsten Mal versuchen, den Schritt weiter zu gehen." Eine längere Leidenszeit haben nur die Briten hinter sich, die seit Fred Perry 1936 auf einen Heimsieg in Wimbledon warten.
Schon Stunden vor dem ersten Nachtfinale in der Geschichte der Australian Open liefen im Fernsehen die Bilder von Hewitts Weg zum großen Showdown und seinen ersten Schritten auf dem Tennisplatz. Seine Mutter Cherilyn und sein Vater Glynn kamen zu Wort, Kinder auf der Straße spielten Hewitts Jubelgesten nach und imitierten seinen typischen Anfeuerungsruf "Come on".
Bereits vor drei Jahren hatten die Australier ihren Liebling auf eine Briefmarke gedruckt, und er war Sportler des Jahres. Nur den Traum vom langersehnten Heimsieg konnte auch er seinen Landsleuten nicht erfüllen.
Mit dem Singen der Nationalhymne stimmten sich die 16.000 Zuschauer in der Rod Laver Arena schließlich auf das Match ein, und der 1,93-m-Mann Safin schien zunächst schwer beeindruckt von der Kulisse. Nichts lief bei dem Halbfinal-Bezwinger von Roger Federer zusammen, kaum ein erster Aufschlag kam ins Feld, und die Duelle von der Grundlinie beendete er meist mit einem leichten Fehler.
"Im ersten Satz habe ich kein Tennis gespielt. Mein erster Aufschlag kam einfach nicht. Und dann bin ich nicht gut und nicht selbstbewusst. Ich habe nur gehofft, dass ich wieder zurückkomme", erklärte Safin. Hewitt dagegen wirkte entschlossen und bis aufs Äußerste motiviert. Nach 23 Minuten ging der erste Durchgang schließlich an den Australier.
Safin schimpfte und kämpfte sich tatsächlich zurück ins Spiel, und mit dem Break zum 2:1 im zweiten Satz erwachte er dann endgültig zu neuem Leben. Ein Break in Satz drei und ein weiteres gleich im ersten Spiel des vierten Satzes - der Russe wurde immer sicherer und zeigte einige Zauberbälle. Nach 2:45 Stunden hatte er sich drei Matchbälle erarbeitet. Als Hewitt den Rückschlag ins Aus setzte, lächelte Safin in sich hinein und zeigte sich als stiller Triumphator ohne großen Gesten.
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(sid/sueddeutsche.de)
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