S04 schafft 2:2 in Mainz Schalker Lebenszeichen in schweren Zeiten

Zwei Treffer in Mainz: Schalkes Michel Bastos rettete S04 ein Remis. 

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Zweimal zurückgelegen und doch nicht verloren: Der FC Schalke stoppt mit einem hart erkämpften Remis in Mainz seine Negativserie und freut sich, mit Michel Bastos einen torgefährlichen Neuen gefunden zu haben. Der FSV vergibt nach guter Leistung am Ende allzu lässig einen Erfolg.

Von Jonas Beckenkamp

Dass Horst Heldt auf Schalke schon einfachere Tage erlebt hat, ist keine allzu kühne These. Angesichts der Krise des Gelsenkirchener Bundesligisten, an der Heldt derzeit als Sportdirektor veritablen Anteil hat, dürften nur wenige mit dem 43-Jährigen tauschen wollen.

Ein Sieg in den vergangenen zehn Spielen, ein umstrittener Trainerwechsel von Huub Stevens zu Jens Keller, eine überaus fragwürdige Personalpolitik und zuletzt eine alarmierend leblose Vorstellung des Teams beim 0:4 in München, die selbst die treuen Schalke-Fans zu Spott animierte.

Dass die sportlichen Aufgaben für den gebeutelten Ruhrpottklub nicht leichter werden, trug in diesen Tagen ebenfalls zur miesen Grundstimmung bei. Am 22. Spieltag erwartete den Tabellenzehnten der FSV Mainz - ein Team, das sich eher nach oben als nach unten orientiert und eine Elf, die zumeist genau mit den Eigenschaften punktet, die den Schalkern allzu oft fehlten: Wille, Schwung und Leichtigkeit.

Dieses Mal aber zeigten die Gelsenkirchener immerhin Ansätze von gutem Fußball und so stand es nach 90 mitreißenden Minuten verdientermaßen 2:2 (1:1). Schalke hatte gekämpft und darf sich bei Doppeltorschütze Michel Bastos (41. und 82. Minute) bedanken, dass es nicht schon wieder eine Pleite setzte. Bei den Mainzern dürften sie sich nach Treffern von Andreas Ivanschitz (27.) und Zdenek Pospech (63.) über einen verschenkten Sieg ärgern.

"Es ist ein Wahnsinn dass wir nicht gewonnen haben, eigentlich müssen wir in der zweiten Halbzeit 3:1 oder 4:1 führen und dann geben wir es so aus der Hand," sagte Ivanschitz, der stärkste Mainzer. Ähnlich sah es auch sein Trainer Thomas Tuchel: "Wir hatten hochkarätige Chancen, haben sie aber nicht gemacht. Deshalb müssen wir mit einem Ergebnis leben, das so nicht verdient ist." Weitaus glücklicher äußerte sich Schalke-Coach Keller: "Für uns war sehr wichtig, dass wir immer wieder zurückgekommen sind. Auch unsere Laufbereitschaft war viel höher als zuletzt. So wie die Mannschaft gearbeitet hat, bin ich heute zufrieden."

Noch vor der Partie ging es bei den Königsblauen eigentlich nur um eine Frage: Wer sollte bei Schalke überhaupt dagegenhalten gegen diese heimstarken Mainzer? Immer noch schwächen den mit viel Geld aufgemöbelten Kader prominente Ausfälle: Stürmer Klaas-Jan Huntelaar fehlte weiterhin mit einer komplizierten Augenverletzung, Ersatzmann Ciprian Marica erholt sich noch von einer Knie-OP und wie fit die grippegeplagten Jefferson Farfan und Marco Höger waren, musste sich auf dem Platz erst zeigen. Insgesamt gingen die Gäste also mit durchaus suboptimalen Voraussetzungen ins Spiel - und ohne echten Angreifer: In der Offensive half sich Keller mit Farfan als kurzfristig umgeschulter Aushilfskraft aus der Not.

In Mainz kennen sie solche Sorgen derzeit nicht. Und selbst wenn es sie gäbe, blieben immer noch die Taktik-Fuchsereien von Tuchel. Der schien sein Team zunächst wieder einmal richtig eingestellt zu haben. Mainz funktionierte als Kollektiv, während Schalkes Einzelkönner sich auf dem Weg nach vorne immer wieder verhedderten. Dass es nicht früh 1:0 stand, lag allein an Keeper Timo Hildebrand, der nach einer Ecke einen Kopfball von Nikolce Noveski von der Linie patschte (7.).

Die Richtung des intensiv geführten Spiels blieb folglich dieselbe: Wesentliches trug sich zumeist im Mittelfeld zu, wo der FSV sein defensives Schwarmsystem geschickt einsetzte und viele Bälle eroberte. Eine dieser Aktionen brachte schließlich Nicolai Müller auf der rechten Seite in Position, der gleich drei Schalker stehen ließ und mit so viel Übersicht nach innen passte, dass ihm dafür ein Gesellentitel in Präzisionsarbeit gebührt. Nutznießer dieser formschönen Vorarbeit war Ivanschitz, der aus elf Metern keine Mühe hatte, ins Tor zu treffen (27.). Nun stand es wirklich 1:0.