Ryder Cup Was ist euch der Ryder Cup wert?

Der 51-jährige Kanadier, der sich mit dem Handeln um TV-Rechte einen Namen gemacht hatte, preschte ins Establishment und stellte offenbar eine simple, aus seiner Sicht pragmatische Frage: Was ist euch der Ryder Cup wert?

Aus dem Feilschen nach Ablauf von Fristen und der Absicht, sich notfalls mit Platzhirsch BMW anzulegen, machte Pelley kein Geheimnis. "Wir kennen seine Vision", sagte Kaussler für seine Verhältnisse vielsagend. Pelley trat in der Tat mit ehrgeizigen Zielen an.

Er möchte mehr Preisgeld auf Europas Turnieren verteilen. "Er will eine Alternative zu den US-Events bieten", so Kaussler. Provokativ monierte Pelley etwa, dass die BMW PGA Championship in Wentworth mit fünf Millionen Euro Preisgeld "nicht flagship-würdig" sei. Man darf annehmen, dass ihn auch eine mögliche Verlegung des Münchner/Kölner BMW-Turniers mit zwei Millionen Euro Preisgeld nach Bad Saarow nicht vom Sitz gerissen hätte; der Gastgeber des Ryder Cups in diesem Bieterverfahren ist verpflichtet, vor dem Ereignis ein Turnier zu stemmen.

Golfen mit Fußbällen

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Das, was die Italiener bieten, lässt Pelley frohlocken. Das Preisgeld der Italian Open wird 2016 von 1,5 auf drei Millionen Euro erhöht, ab 2017 fließen elf Jahre lang jährlich sieben Millionen - mehr als BMW in Wentworth ausschüttet. Auch das wirkt wie ein marktkapitalistischer Fehdehandschuh. Woher die knapp 80 Millionen kommen, wurde nicht publik, aber Italiens Verband wirbt damit, dass man Unterstützer habe: die Modefamilie von Laura Biagiotti, der der Golfklub gehört.

Und das Nationale Olympische Komitee, das Olympia 2024 mit Rom will. "Es ist keine Frage, dass die Ewige Stadt Rom eine herrliche Kulisse für eine der größten Gelegenheiten im Golf darstellt", sagte Pelley. Während der Platz 17 Kilometer vor Rom einen Blick zum Petersdom bietet, musste RCD Spott ertragen dafür, dass es keine nahe Autobahnausfahrt zum deutschen Platz gebe. Womöglich hätte Pelley das hingenommen - wenn das Geld für seine Vision gestimmt hätte.

BMW will nicht pokern

BMW selbst hat außer einem fairen Verliererstatement nichts verkündet, doch aus dem Umfeld der Bewerbung dringen klare Worte. Bis letzten Freitag soll es die per kurzfristiger Mail gestellte Frist gegeben haben, Millionen nachzuschießen, was als "Erpressung" und "unseriöses Geschäftsgebaren" gesehen wird. BMW habe längere Zusagen für eigene Turniere gegeben, sonst aber auf Vorstandsbeschluss abgelehnt, mitzuziehen im Last-Minute-Pokerspiel, das Pelley offenbar bei seinem Besuch bei BMW am vergangenen Donnerstag ausreizte.

Eine Ironie: Eigentlich, so hatte es der Guardian jüngst berichtet, hatte BMW eine Drohgebärde ausgesprochen, indem man halboffen über das Golf- Engagement nachdachte, falls es nicht klappe. Pelley drehte, darf man folgern, den Spieß um. Er musste etwas in der Hinterhand gehabt haben - Italien. Hat er auch einen Ersatz, falls BMW weniger auftischt?

Dass man angesichts Negativthemen wie Fußball-WM 2006 und Fifa Pelleys Begehr besonders kritisch sah, sagt niemand offen. DGV-Präsident Claus Kobold meinte aber doch: "Die deutsche Bewerbung ist in enger Absprache mit allen Beteiligten bis an die Grenze dessen gegangen, was vernünftiger Weise in der aktuellen Situation darstellbar war. Mehr Geld konnte unter den gegebenen Bedingungen nicht generiert und in den Ryder Cup investiert werden. Wir wollten den Ryder Cup in Deutschland haben - aber nicht um jeden Preis." So strauchelte die ohnehin eher auf Kante finanzierte deutsche Bewerbung auf dem letzten Meter im Finale des Feilschens.