Ryder Cup 2022 "Ein Meilenstein"

Treue Großsponsoren, ein mitgliederstarker Verband und nun auch noch die ersehnte Steuerbefreiung: Die Ryder-Cup-Bewerbung des Deutschen Golf-Verbandes für 2022 ist kaum noch zu schlagen.

Von Gerald Kleffmann, St. Leon-Rot

Da standen sie, im "German House", und klatschten einander ab. Claus Kobold wählte die diskretere Variante und sah aus der hinteren Reihe zu, wie sich die vielen Funktionärskollegen freuten, die er unter sich hat als Präsident des Deutschen Golf-Verbandes (DGV). Kurz zuvor hatten sie eine Nachricht erhalten, die dafür sorgen dürfte, dass der Kontinentalkampf namens Ryder Cup zwischen Europa und den USA 2022 in Bad Saarow stattfinden wird. Draußen, außerhalb des Messestandes auf der Anlage des GC St. Leon-Rot, spielten die Frauen im Solheim Cup, dem Pendant zum Ryder Cup. Drinnen sprach Kobold: "Das ist im Golf der glücklichste Tag in meinem Leben."

Formal liest sich der nach ewigem Hin und Her erfüllte Wunsch der deutschen Ryder-Cup-Bewerbungsgesellschaft nüchtern: Dem Antrag auf Steuererlass nach §50 Absatz 4 EStG für Einkünfte im Zusammenhang mit der Austragung des Ryder Cup 2022 werde stattgegeben, hieß es. Der Umfang der Steuerbefreiung beziehe sich auf das organisatorische Umfeld (ohne Merchandising, Broadcast und Spieler). Dies bestätigte das Bundesfinanzministerium, nachdem das für Sport zuständige Bundesinnenministerium die Befreiung noch abgelehnt hatte. Auf drei Säulen sollte die Bewerbung fußen: auf Millionen der 640 000 DGV-Mitglieder, auf hohen Sponsorenbeiträgen und auf Zugeständnissen der Politik. Diese Aspekte sind erfüllt.

Auf einer außerordentlichen DGV-Versammlung wurde eine jährliche Beitragserhöhung um drei Euro pro Mitglied für zehn Jahre (greift beim Ryder-Cup-Zuschlag), wenn auch umstritten, abgesegnet. Um die 20 Millionen Euro sollen so fließen. Allianz und der mächtige European-Tour-Hauptsponsor BMW liefern dem Vernehmen nach acht bis zehn Millionen Euro; andere Firmen zogen zurück. Die Steuerbefreiung ist das Zuckerl für die Ryder Cup Limited, jene Gesellschaft der European Tour, die mit der PGA of America die Rechte am Ryder Cup besitzt und die Geldströme für sich sprudeln lässt. Italien, Spanien und Österreich bewerben sich auch, jedes Land hat Pluspunkte. Aber keines solche wie der DGV nun.

Bis das deutsche Paket den heutigen Stand erreichte, war es indes ein zäher Kampf, wie überhaupt das Bewerbungsverfahren, national wie international, beizeiten schwammig wirkte. Beim ersten Bewerbungsverfahren 2011, als Ryder Cup Limited einen Festlandausrichter für 2018 erbat, war ein strenges Anforderungsprofil aufgestellt worden. Rasch war klar, dass zu viele Kandidaten zu viele Punkte nicht würden erfüllen können. Paris war klarer Sieger, mit der Politik im Rücken. Dann begann das Prozedere für die Ausrichtung 2022, diesmal formulierte Ryder Cup Limited allgemeinere Bewerbungskriterien. Dass Deutschland präferierter Ort war, dokumentierte der frühere European-Tour-Boss George O'Grady mit einem Brief an Angela Merkel, in dem er die Bundeskanzlerin aufforderte, die Chance der Bewerbung zu erkennen. Offensiver kann man nicht um einen Gefallen bitten.

Lange war ungewiss, wann der Ausrichter verkündet wird - nun soll es Ende November sein

Das Feld war bestellt, nur hat Golf hierzulande nicht nur Imageprobleme. Die Suche nach einem deutschen Ausrichter-Klub zog sich hin. Der GC Valley am Tegernsee, 2011 gegen die Lobby der Langer-Brüder gescheitert, aber Ryder-Cup-tauglich, wurde erneut ausgebootet mit dem Argument, der Termin kollidiere mit dem Oktoberfest. Eine Alternative drängte sich nicht auf. Am Ende wurde das A-Rosa-Ressort im brandenburgischen Bad Saarow, das sich gar nicht bewarb, gebeten, auszuhelfen. Auch die European Tour dehnte Spielregeln. Als sich abzeichnete, dass im Frühjahr Bewerber Probleme hatten, ihre Pakete zu schnüren, wurde die Abgabefrist verlängert. Für wen, blieb ungenannt. Bis heute ist nicht klar, wann genau der Ausrichter verkündet wird. Lange hieß es: im Herbst. Nun soll es Ende November geschehen.

Aus deutscher Sicht ging es letztlich darum, die Hausaufgaben nicht zu vermasseln. Clever war es, Marco Kaussler zum Strategie-Kopf der Kampagne zu machen. Der langjährige Turnierdirektor der BMW International Open ist bestens vernetzt, auch bei Ryder Cup Limited, er beherrscht die Kunst der Schachzüge im Kämmerlein. Der größte Pluspunkt ist, dass er ein BMW-Mann ist und der Autohersteller den Ryder Cup will. Der Konzern pumpt seit Jahren Millionen in den Golfsport, in wirtschaftlich heiklen Zeiten ist für die European Tour nichts wertvoller als Partner, die loyal bleiben, den Kreislauf sichern - und zahlen. Es geht definitiv nicht nur um eine dreitägige Veranstaltung in diesem Monopoly.

"Ein Meilenstein", so nannte Kaussler vielsagend die Steuerbefreiung. "Zu toppen ist das jetzt nur noch", ergänzte Kobold, "wenn mich Marco anruft und sagt, dass wir einen unterschriebenen Vertrag haben." Der Tag dürfte kommen.